Deutsche Märkte schließen in 1 Stunde 41 Minute
  • DAX

    11.635,58
    +75,07 (+0,65%)
     
  • Euro Stoxx 50

    2.970,86
    +7,32 (+0,25%)
     
  • Dow Jones 30

    26.655,49
    +135,54 (+0,51%)
     
  • Gold

    1.874,80
    -4,40 (-0,23%)
     
  • EUR/USD

    1,1690
    -0,0059 (-0,50%)
     
  • BTC-EUR

    11.508,94
    +305,10 (+2,72%)
     
  • CMC Crypto 200

    264,93
    +22,25 (+9,17%)
     
  • Öl (Brent)

    35,97
    -1,42 (-3,80%)
     
  • MDAX

    25.926,01
    +41,88 (+0,16%)
     
  • TecDAX

    2.829,98
    +0,67 (+0,02%)
     
  • SDAX

    11.565,17
    +108,65 (+0,95%)
     
  • Nikkei 225

    23.331,94
    -86,57 (-0,37%)
     
  • FTSE 100

    5.596,36
    +13,56 (+0,24%)
     
  • CAC 40

    4.588,90
    +17,78 (+0,39%)
     
  • Nasdaq Compositive

    11.124,12
    +119,25 (+1,08%)
     

Was sich von Japans Sanierern lernen lässt

·Lesedauer: 3 Min.

Mit Milliardenhilfen hält die Politik angeschlagene Firmen am Leben. In Japan haben sich staatliche Sanierer bewährt, die nicht nur Geld geben, sondern die Restrukturierung operativ steuern. Ein Modell für Deutschland?

Die Corona-Krise stellt Unternehmen in nahezu allen Branchen vor mitunter existenzielle Herausforderungen. Von mehreren Seiten werden nun zusätzliche staatliche Hilfen für die Rettung jener Unternehmen gefordert, die zwar in eine finanzielle Schieflage geraten, im Kern aber gesund sind. So hat kürzlich Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), ihre Forderung nach Staatshilfe für die Auto-Zuliefererindustrie erneuert.

Wie staatliche Unterstützung so organsiert werden kann, dass angeschlagene Unternehmen nicht nur künstlich am Leben erhalten, sondern auch tatsächlich saniert werden können, zeigt das Beispiel Japan. Dort agiert der Staat seit mehr als zwei Jahrzehnten über spezielle Sanierungsgesellschaften auch als Interims-Anteilseigner – in der Regel für kleine und mittelständische Unternehmen und das durchaus erfolgreich.

Prominentestes Beispiel: die Fluglinie Japan Airlines (JAL), die vor rund acht Jahren unter staatlicher Aufsicht und Beteiligung erfolgreich restrukturiert wurde. Damals übernahm die halb-staatlich organisierte Sanierungsgesellschaft Enterprise Turnaround Initiative Corporation of Japan (ETIC) das Kommando im Cockpit von JAL. Ihre Experten steuerten die Sanierung und machten die in schwere Turbulenzen geratene Fluggesellschaft operativ und finanziell wieder flott.

Die ETIC stieg bei JAL sogar für zweieinhalb Jahre mit rund 3,3 Milliarden Euro als Anteilseignerin ein und übernahm sämtliche Anteile der Gesellschaft. Zudem hatte die ETIC rund ein Viertel der insgesamt 6,6 Milliarden Euro Gesamtschulden der Fluglinie aufgekauft und Kreditlinien zur Verfügung gestellt. So konnte die JAL Kerosin kaufen, Flughafensteuern zahlen oder die Enteisung ihrer Flugzeuge beauftragen und somit weiterfliegen. Die Kunden bekamen die Insolvenz nicht zu spüren – das war auch das erklärte Ziel. Ihr Kapital wiederum beschaffte sich die ETIC am privaten Kapitalmarkt und über Investitionsprogramme der Regierung.

Am Ende der Sanierung von JAL stand der Börsengang. Dessen Erlös, im Ganzen rund 6,5 Milliarden Euro, reichte nicht nur aus, das bereitgestellte Eigenkapital zurückzuzahlen, sondern sorgte zudem für ein dickes Plus in der Staatskasse. Oder anders formuliert: Die Rettung von JAL und der Erhalt von mehreren tausend Arbeitsplätzen und vieler Zulieferer haben den japanischen Steuerzahler keinen einzigen Yen gekostet.

Kein Freifahrtschein für finanzielle Experimente

Das Beispiel JAL zeigt, dass die japanischen staatlichen Sanierungsgesellschaften eine Option für Unternehmen geschaffen haben, die den Turnaround nicht allein schaffen. Die staatliche Hilfe ist für japanische Unternehmen jedoch kein Freifahrtschein für finanzielle Experimente. Voraussetzung für die Unterstützung ist, dass Experten der Sanierungsgesellschaften das Sanierungskonzept und die Erfolgsaussichten des anfragenden Unternehmens geprüft haben. Bei der JAL sind etwa umfangreiche Einschnitte auf wenig rentablen Strecken und hohe Sanierungsbeiträge der Arbeitnehmerschaft und Pensionäre Teil des Programms gewesen.

In Japan hat sich das Modell der staatlichen Sanierungsgesellschaften seit Jahrzehnten bewährt: Sie bündeln Restrukturierungsexpertise und stellen diese bei Bedarf Unternehmen zur Verfügung. Aber sie nutzen auch ihre politische Machtposition – bei JAL zum Beispiel, um Flughafensteuern zu senken. Der Erfolgsfaktor ist die Kombination aus gezielten finanziellen und operativen Turnaroundmaßnahmen statt alleiniger Hilfsgelder von staatlicher Seite. Ein Ansatz, der durchaus auch in Deutschland eine Chance verdient hat, wenn über Notkredite und Rettungsfonds für einzelne Branchen diskutiert wird.

Mehr zum Thema: Dank der Staatshilfenorgie ist Olaf Scholz nach wie vor beliebt. Doch seine Verfehlungen kann kein Geld der Welt unsichtbar machen.