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Jahrhundertalte deutsche Banken holen erste Frauen in Vorstand

Stephan Kahl
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Seit der Gründung vor mehr als einem Jahrhundert hat es weder bei der ApoBank noch bei Merck Finck eine Frau im Vorstand gegeben. Das änderte sich in den letzten Wochen bei beiden Instituten. Bis Frauen allerdings genauso häufig in den Führungsgremien deutscher Banken vertreten sind wie Männer, ist es noch ein langer Weg.

Bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank wurde Jenny Friese diesen Monat zum Vorstandsmitglied. Die 46-Jährige verantwortet Großkunden und Märkte bei dem 1902 gegründeten genossenschaftlichen Institut mit einer Bilanzsumme von 50 Milliarden Euro. Sogar 150 Jahre hat es bei Merck Finck gedauert, bis Linda Urban nun im Dezember als erste Frau in das dortige Management Board einzog. Die 35-Jährige kümmert sich als COO um das Tagesgeschäft und vertritt auch CEO Michael Savenay.

“In der Finanzbranche sind zwar insgesamt ähnliche viele Frauen wie Männer beschäftigt, aber es ist in der Tat so, wenn man die Karriereleiter hinaufschaut, findet man immer weniger Frauen”, sagt Friese, die ihre Karriere bei der Deutsche Bank AG und Commerzbank AG begonnen hatte. Urban glaubt jedoch, dass derzeit einiges in Bewegung kommt: “Je mehr Beispiele es für Frauen in Führungspositionen gibt, desto mehr Frauen haben den Mut und bringen auch sich für solche Posten ins Spiel.“

Bei den 100 größten deutschen Banken ist der Frauenanteil in den Vorständen auf niedrigem Niveau und wächst nur langsam. Im Herbst 2020 lag die Quote bei rund 11%, ein Zuwachs um weniger als einen Prozentpunkt gegenüber 2019, wie aus einer in diesem Monat veröffentlichten Studie des DIW hervorgeht.

Studien-Mitautorin Katharina Wrohlich kommt zu dem deutlichem Schluss: “Die deutschen Banken haben Nachholebedarf bei Frauen in den Vorständen”.

Friese zufolge ist das Thema Diversity kein Selbstzweck. “Gemischte Teams sind nachweislich erfolgreicher und kreativer in der Lösungsfindung”, sagt sie. Davon würden Firmen profitieren. Die ApoBank biete inzwischen verschiedene Maßnahmen zur Frauenförderung. Gleichwohl gehöre dazu allerdings auch ein gewisser kultureller Wandel. “Hierfür stehe ich dann sicherlich auch als Frau im Vorstand. Mir ist sehr bewusst, dass ich eine Vorbild-Funktion nach innen und außen habe”, sagt Friese.

Urban rät Frauen, aktiv zu signalisieren, dass sie offen für Führungspositionen sind. Sie selbst sei auch beruflich immer in einer von Männern dominierten Welt unterwegs gewesen. “Das fing schon früh an, als ich Betriebswirtschaftslehre mit Finanzschwerpunkt studierte, und setzte sich später im Investmentbanking fort”, sagt sie.

Die Finanzbranche hinkt auch den 30 Dax-Konzernen beim Thema Diversity nach. Bei den Bankern lag der Frauenanteil in den Vorständen vergangenes Jahr laut DIW vier Prozentpunkte unter dem Dax-Durchschnitt von 15%. Ausgerechnet die öffentlich-rechtlichen Institute samt Sparkassen sind mit einer Frauenquote von nur 8% besonders weit abgeschlagen.

Angesichts dieser Zahlen wurde von der Bundesregierung Anfang des Jahres ein Gesetzentwurf für eine Frauenquote auf den Weg gebracht. Demnach muss in allen Vorständen von börsennotierten Firmen mit über 2000 Mitarbeitern, die mehr als drei Mitglieder haben, mindestens eine Frau vertreten sein. Laut DIW wären davon derzeit 74 Unternehmen betroffen.

Auch wenn die meisten Banken nicht unter die Regelung fallen werden, weil sie zu klein oder nicht börsennotiert sind, begrüßt Friese die Festschreibung einer Quote: “Denn die Strukturen haben sich auf freiwilliger Basis in den meisten Unternehmen nur sehr langsam entwickelt”.

Zurückhaltender ist Urban. „Ich bin auch ohne Frauenquote dahingekommen, wo ich heute bin”, erklärt sie. Nichtsdestotrotz freue sich aber über den Prozess, der durch verbindliche Frauenquoten letztlich angestoßen werde, “also, dass mehr Frauen bei Banken in Führungspositionen kommen”.

(Ergänzt um Zitat im 5. Absatz, betroffene Unternehmen im 9. Absatz)

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