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Ein Jahr nach Wilke: Weiter Kritik an Lebensmittel-Überwachung

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TWISTETAL/BERLIN (dpa-AFX) - Ein Jahr nach Bekanntwerden des Wilke-Fleischskandals sieht die Verbraucherorganisation Foodwatch keine wesentliche Verbesserung der Lebensmittelsicherheit in Hessen. "Die hessische Landesregierung hat aus dem Wilke-Skandal keine wirksamen Konsequenzen gezogen und ist ein Jahr danach genauso schlecht für einen Ernstfall präpariert wie im Oktober 2019", sagte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch. Um Lebensmittelskandale zu verhindern, reiche es nicht, die Fachaufsicht im Ministerium ein wenig aufzurüsten und "eine Person einzustellen, die wichtige E-Mails auch liest".

Am 2. Oktober 2019 war ein Lebensmittelskandal rund um die nordhessische Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG bekannt geworden. In Wilke-Wurst waren Listerien-Keime nachgewiesen worden. 37 Krankheitsfälle, darunter drei Todesfälle, werden mit Produkten der Firma in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Verantwortliche der Firma Wilke.

Nach Ansicht von Foodwatch ist die Lebensmittelüberwachung unterbesetzt und ineffizient. Statt die Kontrollen auf Landkreisebene zu organisieren, müsse es auf Landesebene eine politisch unabhängige Anstalt für Lebensmittelüberwachung geben. Alle Kontroll-Ergebnisse müssten vollständig veröffentlicht werden. "Wer die amtlichen Berichte der Wilke-Kontrolleure liest und sieht, wie viele haarsträubende Hygienemängel lange vor Bekanntwerden des Skandals behördlich bestens dokumentiert waren, der weiß sofort: Würde Frau Hinz solche Ergebnisse öffentlich machen, könnte sich kein Unternehmen ein "Weiter so" leisten."

Vergangene Woche hatte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) ein positives Fazit gezogen: Die Lebensmittelüberwachung in Hessen sei gestärkt worden. Unter anderem sei seit August die Stelle eines "Sichters" besetzt, der alle Posteingänge der Fachaufsicht überwache.