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In Zeiten des Klimawandels: US-Startup Arkup baut schwimmende Häuser

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Mitten im Klimawandel drohen immer mehr Küstenstädte überschwemmt zu werden. Ein US-Startup glaubt, die Folgen für die Menschen minimieren zu können. Die Lösung: schwimmende Häuser.

Das schwimmende Haus von Arkup in Miami (Bild: ddp/Miami Herald/TNS/Sipa USA)

Da immer mehr Küstenstädte aufgrund des Klimawandels überschwemmt zu werden drohen, gehören neue Wohnkonzepte für gefährdete Regionen zu den Herausforderungen von Städteplanern und Architekten. Das US-Startup Arkup will eine Lösung für das drängende Problem gefunden haben. Nach den Visionen seiner Macher könnten Menschen nahe Meer und Ozean mitten im Hochwasser leben. Und zwar in Häusern, die wie ein Schiff im Wasser schwimmen können.

Wie diese Idee konkret aussieht, zeigt das Exemplar einer Arkup-Villa in Miami. Der Standort ist nicht nur deshalb gewählt, weil deren Erbauer, die französischen Firmengründer Nicolas Derouin und Arnaud Luguet, hier leben. In der Küstenstadt im US-Bundesstaat Florida ist die Gefahr einer klimatisch bedingten Überschwemmung eine besonders reelle. Laut der Non-Profit-Organisation Climate Central ist die Magic City nach New York am anfälligsten gegen den Anstieg des Meeresspiegels.

Archen oder Häuser?

Auch wenn die berühmte biblische Arche Noahs bereits im Firmennamen steckt, will Arkup seine Bauwerke nicht primär als schwimmende Boote bzw. Archen verstehen. "Sie sind eher Häuser als Boote, doch man verliert niemals das Gefühl, dass man sich auf Wasser befindet", wird Firmenchef Derouin von der Zeitung Miami Herald zitiert.

Tatsächlich können die Arkup-Häuser nicht nur schwimmen – wobei sie übrigens eine Geschwindigkeit von bis zu sieben Knoten erreichen. Sie lassen sich auch mittels eines ausgeklügelten Trage- und Lift-Systems wie eine Bohrplattform am Meeresboden befestigen. Sollte es tatsächlich zu Hochwasser kommen, können die Bewohner das auf Stelzen stehende Gebäude einfach über die Wellen hieven.

Angespornt wird Arkup von den schon jetzt vielerorts zu beobachtenden Auswirkungen des Klimawandels. "Es passiert vor unseren Augen, sagt Firmenchef Derouin in einem Interview mit der genannten Zeitung. "Küstengebiete sind die gefragtesten, aber auch die am meisten gefährdeten. Miami arbeite gerade an entsprechenden Maßnahmen, so der Unternehmer. "Wir hoffen, wir können einen kleinen Teil zur Lösung beitragen."

Umweltfreundliche Nutzung

Arkup will die Folgen des Klimawandels für die Menschen minimieren, dabei jedoch nicht selbst zur Erderwärmung beitragen. Deshalb sind die Häuser des Unternehmens ökologisch nachhaltig. Der Strom für die Wasser-Villen zum Beispiel wird über Solar-Platten aus der Sonnenenergie gewonnen. Zusätzlich verfügten die Häuser Firmenangaben zufolge über eine Wasseraufbereitungsanlage, mit der das Regenwasser gesammelt und gereinigt werden könne. "Man kann komplett abgekoppelt leben", so Derouin.

So sehen die schwimmenden Arkup-Häuser von innen aus. (Bild: ddp/Miami Herald/TNS/Sipa USA)

Ansonsten bieten die schwimmenden Häuser alles, was auch ihre Pendants an Land bieten. Auf einer Wohnfläche von 400 Quadratmetern und mehr finden sich Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Bad. Die Fenster reichen vom Boden bis zur Decke. Material und Ausstattung entsprechen den höchsten Standards. Damit kann sich Arkup brüsten, zugleich ist das die Schattenseite des ganzen Unternehmens. Denn leisten können sich die zwischen 5,5 und 5,9 Millionen US-Dollar teuren Luxusvillen nur die Reichen unter den Opfern des Klimawandels. Auch dieses Problem wollen Derouin und Co. erkannt haben. Man arbeite deshalb an schwimmenden Wohnungen und Stadthäusern, die sich auch Studenten und mittelständische Familien leisten können, heißt es.