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Der Impfplan steht: Wer zuerst geimpft wird

Gillmann, Barbara Neuerer, Dietmar
·Lesedauer: 4 Min.

Gesundheitsminister Spahn stellt Priorisierung vor: Ältere Menschen und das gefährdete Personal zuerst, dann alle anderen. Er mahnt zugleich: Geimpfte sollten sich weiter an die Regeln halten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die geplante Reihenfolge bei der Impfung gegen Covid-19 konkretisiert: Es soll drei Gruppen geben, die nacheinander prioritär geimpft werden sollen.

Erst danach folgen alle anderen. Die Impfungen sollen am 27.Dezember beginnen. Eine entsprechende Verordnung will Spahn noch heute unterschreiben.

Gruppe eins der prioritär zu Impfenden

Zuerst sollen die über 80-Jährigen und die Bewohner von Pflegeheimen sowie besonders gefährdetes Personal im Gesundheitswesen geimpft werden. Sie gehören zur Gruppe eins, die insgesamt fast neun Millionen Menschen umfasst.

Die Impfung dieser Menschen werde voraussichtlich zwei bis drei Monate dauern, sagte Spahn. Im ersten Quartal 2021 würden „Stand heute“ voraussichtlich elf bis 13 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Pro Person werden zwei Dosen benötigt, die im Abstand von drei Wochen gespritzt werden müssen.

Zwar wären das nach diesem Stand etwa fünf Millionen Dosen zu wenig, allerdings könnten schnell weitere Dosen hinzukommen. Denn der Mainzer Hersteller Biontech baue die Kapazität aus. Zudem stünden weitere Hersteller kurz vor der Zulassung.

Nach der ersten Gruppe werde man „Zug um Zug“ die weiteren Gruppen impfen. Bürger sollten aber warten, bis sie von den Ländern aufgefordert werden, sich impfen zu lassen.

Gruppe zwei der prioritär zu Impfenden

Zur Gruppe der zweiten Priorität sollen alle Menschen ab 70 Jahren gehören oder solche mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu kommen enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren.

Ebenfalls zu dieser zweiten Gruppe gehört Personal in medizinischen Einrichtungen mit hohem Corona-Risiko sowie Menschen, die in Obdachlosen- und Asylbewerberunterkünften untergebracht sind oder arbeiten.

Gruppe drei der prioritär zu Impfenden

Zur Gruppe der dritten Priorität zählen alle Personen ab 60 Jahren oder mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Zu dieser Gruppe gehört auch medizinisches Personal mit niedrigem Corona-Expositionsrisiko, beispielsweise in Laboren.

In diesem Zuge sollen auch gefährdete Mitarbeiter in staatlichen Einrichtungen, vor allem bei den Streitkräften, der Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz geimpft werden.

Zudem gehören Mitarbeiter des Einzelhandels sowie Erzieher und Lehrer und Personen in prekären Arbeitsbedingungen, insbesondere Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder der Fleisch verarbeitenden Industrie zu dieser dritten Kategorie.

Zu dieser dritten Gruppe gehörten auch Ärzte und ihr Personal, die keinem erhöhten Corona-Risiko ausgesetzt sind, sagte Spahn. „Denn Sie wissen, anders als etwa Demente, wie sie sich schützen können.“ Auch müsse beispielsweise ein Polizist, der auf einer Querdenker-Demonstration eingesetzt werde, bevorzugt behandelt werden, weil er nicht auswählen könne, mit wem er Kontakt habe.

Kinder werden bis auf Weiteres nicht geimpft

Spahn rief zugleich diejenigen, die als erste geimpft werden, dazu auf, „nicht gleich danach zu fragen, was sich nun nicht mehr tun müssen“, und nicht etwa „im Bus keine Maske mehr zu tragen“. Das sei „eine Frage der Solidarität“ mit den Noch-nicht-Geimpften.

Das Robert Koch-Institut weist zudem darauf hin, dass noch gar nicht klar ist, ob Geimpfte das Virus nicht dennoch weiter übertragen können. Spahn bat daher um anhaltende Rücksicht und die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln.

Die ständige Impfkommission (Stiko) hatte zuvor einen Plan vorgelegt, der fünf Gruppen definiert hatte, die bevorzugt geimpft werden sollen. Diese habe man zusammengefasst, um „flexibler zu sein“, begründete Spahn seine Änderung. Darüber hinaus will er anders als die Stiko auch erlauben, dass Verantwortliche vor Ort die Reihenfolge ändern können, wenn die Situation dies erfordere und erlaube.

Kinder dürfen bis auf Weiteres nicht geimpft werden. Daneben hatte die Stiko nach längerer Diskussion auch entschieden, dass Männer trotz ihres etwas höheren Infektionsrisikos nicht bevorzugt werden.

Die FDP kritisierte Spahns Pläne und forderte „eine breite Kommunikationskampagne der Bundesregierung, um die Vorteile und Notwendigkeit des Impfens den Menschen zu erklären und dafür zu werben“. Das müsse schnellstens nachgeholt werden, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer dem Handelsblatt. „Ansonsten ist das eine Steilvorlage für Impfgegner und Corona-Leugner.“

Zudem sei der Impfstart am 27. Dezember zu spät. „Wenn es stimmt, dass beim Impfen jeder Tag zählt und das Virus kein Weihnachten kennt, dann muss noch am Tag der Impfstoffzulassung durch die Ema und der Genehmigung durch die EU-Kommission unverzüglich mit dem Impfen begonnen werden“, so Theurer. Das wäre voraussichtlich der 23. Dezember.

„Jeder Tag, an dem wir früher mit dem Impfen beginnen, kann Leben retten“, so Theurer. Spahn wies demgegenüber darauf hin, dass nach der Genehmigung durch die EU zunächst das deutsche Paul-Ehrlich-Institut noch die Chargen prüfen müsse, was einige Tage in Anspruch nehme.

Theurer bekräftigte die Forderung der FDP, dass die Priorisierung des Impfens eine „ethische Grundsatzfrage“ sei, die nicht der Gesundheitsminister allein entscheiden könne, sondern die vom Bundestag und Bundesrat legitimiert werden müsse.

Mehr: Coronavirus: So hat sich die Lungenkrankheit in Deutschland entwickelt