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Immobilienpreise in Deutschland steigen weiter

·Lesedauer: 4 Min.

Trotz Coronakrise sind laut DIW Kaufpreise und Mieten für Wohnungen gestiegen. Die Experten warnen aber vor den Folgen einer zweiten Infektionswelle.

Staatliche Hilfen haben dazu geführt, dass der Immobilienmarkt so stabil blieb und es kaum zu Mietausfällen gekommen ist. Foto: dpa
Staatliche Hilfen haben dazu geführt, dass der Immobilienmarkt so stabil blieb und es kaum zu Mietausfällen gekommen ist. Foto: dpa

Die Coronakrise hat am deutschen Immobilien- und Wohnungsmarkt bislang keine großen Spuren hinterlassen. Trotz des Einbruchs der Wirtschaftsleistung in den letzten Monaten seien die Mieten und Immobilienpreise bis zuletzt weiter gestiegen, ergab eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Das sei vielleicht weniger gut für die Konsumenten, aber gut für die Immobilienbranche, kommentierte DIW-Präsident Marcel Fratzscher die Erkenntnisse. Fraglich sei aber, was eine erneute Infektionswelle und ein weiterer Rückgang der Wirtschaftsleistung für den Immobilien- und Wohnungsmarkt in Deutschland bedeuten würden, gaben die Experten zu bedenken.

„Auch ohne eine große Immobilienpreisblase könnte es dann zu deutlichen Wertkorrekturen und Kreditausfällen kommen“, warnte Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik des DIW. „Das wäre nicht nur eine schlechte Nachricht für die Banken, sondern auch für viele Privathaushalte. Letztlich könnte eine gefährliche Abwärtsspirale aus sinkenden Einkommen, sinkenden Preisen und einer weiter schrumpfenden Wirtschaft in Gang kommen.“ Deswegen sollte die Regierung „den eingeschlagenen Weg der Hilfspakete und Einkommensstabilisierung nicht verlassen.“

Denn Maßnahmen wie ein erleichterter Zugang zu Wohngeld und Grundsicherung sowie Hilfen für Selbstständige und das Kurzarbeitergeld haben nach Einschätzung des DIW in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass der Immobilienmarkt so stabil blieb und dass es kaum zu Mietausfällen gekommen ist.

Allerdings dürften manche Mieter an anderer Stelle gespart haben, um ihre Miete verlässlich zahlen zu können, gibt das DIW zu bedenken. Die Folge dürfte sein, dass die ohnehin schon angespannte Wohnungsmarktsituation so zumindest für Teile der Bevölkerung noch einmal problematischer werde, meint Michelsen.

Gegenüber dem ersten Quartal des Jahres 2020 stiegen die Mietpreise den Daten des DIW zufolge zuletzt um rund ein Prozent. Das war etwas weniger stark als zuletzt: Vor dem Jahreswechsel lag der Zuwachs noch bei etwa 1,4 Prozent. Bei Eigentumswohnungen blieb der Preisanstieg mit 3,3 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn im zweiten Quartal in etwa so stark wie vor der Krise (3,2 Prozent).
Insgesamt geht der Preisaufschwung auf dem Immobilienmarkt damit in sein zehntes Jahr und hat mittlerweile so gut wie alle Regionen in Deutschland erfasst. „Die Coronakrise spiegelt sich somit nicht in einer Beruhigung des Immobilienmarktgeschehens wider“, schlussfolgert das DIW.

Experten erwarten langfristig weiter steigende Preise

Das sei zumindest für die Banken- und Finanzmarktstabilität eine gute Nachricht. Würde die Wirtschaftskrise auf den Immobiliensektor überspringen und fielen dann in größerem Ausmaß Immobilienkredite aus, könnte das viele Banken in zusätzliche Schwierigkeiten bringen, erklärt Michelsen. „Das Letzte, was Politik, Wirtschaft und auch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler jetzt gebrauchen können, sind strauchelnde Banken und zusammenbrechende Immobilienmärkte – die Herausforderungen sind schon groß genug.“

Anzeichen für eine spekulativ getriebene Preisblase seien nicht zu erkennen. Zugleich zeigte sich das DIW zuversichtlicher mit Blick auf seine Konjunkturprognose: Die Wirtschaft werde die Corona-Rezession schneller überwinden als gedacht, prognostizierten die Experten. Schon kommendes Jahr soll die Wirtschaft wieder um vier Prozent wachsen, und statt mit einem Minus von mehr als neun Prozent rechnen die Forscher nunmehr mit einem Minus von sechs Prozent für 2020.

Die Beobachtungen des DIW decken sich mit denen anderer Experten. Einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts zufolge mussten Immobilienkäufer in den vergangenen Monaten 5,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal auf den Tisch legen. Im Vergleich zum ersten Quartal waren Wohnungen und Häuser 1,4 Prozent teurer.

Auch Immobilienkonzerne wie Vonovia und Deutsche Wohnen hatten berichtet, dass sie nur geringe Mietausfälle zu verzeichnen hatten.

Deutsche Mieter und Immobilienkäufer können so im Zuge der Coronakrise wohl nicht auf Schnäppchen oder ein großes Angebot billiger Wohnungen hoffen. „Wir haben einfach zu wenige Wohnungen und zu wenig Bauland. Das spricht dafür, dass die Preise weiter steigen – zumal die Zinsen so niedrig bleiben“, meinen Experten wie Reiner Braun vom Analyseinstitut Empirica.

Mehr: So minimieren Kapitalanleger die Risiken beim Immobilienkauf.

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