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Hoher Fleischkonsum verschärft die Klimakrise

Kersting, Silke
·Lesedauer: 3 Min.

Deutschlands Landwirte produzieren Fleisch für den Export – und heizen damit das Klimaproblem an. Der BUND fordert darum eine neue Agrarpolitik.

Weltweit wächst der Fleischkonsum – auch von deutschen Exporten. Foto: dpa
Weltweit wächst der Fleischkonsum – auch von deutschen Exporten. Foto: dpa

Die Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordern von der deutschen und europäischen Politik einen grundlegenden Umbau der Fleischproduktion und gezielte Strategien für einen Verbrauchsrückgang um mindestens die Hälfte.

„Die industrielle Fleischproduktion ist nicht nur für prekäre Arbeitsbedingungen verantwortlich, sondern vertreibt Menschen von ihrem Land, befeuert Waldrodungen, Pestizideinsätze und Biodiversitätsverluste – und ist einer der wesentlichen Treiber der Klimakrise“, sagte Barbara Unmüßig, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung, bei der Vorstellung des „Fleischatlas 2021“ am Mittwoch in Berlin.

Allein die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne emittierten mit 578 Millionen Tonnen so viel klimaschädliche Gase wie der größte Ölmulti der Welt, Exxon, und erheblich mehr als Frankreich oder Großbritannien, sagte Unmüßig weiter. Der Wachstumstrend in der globalen Fleischproduktion sei trotz Schweinepest ungebrochen.

Ohne Kurswechsel könnte die weltweite Fleischproduktion bis 2028 um weitere 40 Millionen auf rund 360 Millionen Tonnen im Jahr steigen, mahnen die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung und der BUND. Eine derartige Zunahme bei einem weiterhin zu hohen Pro-Kopf-Konsum in den Industrieländern verschärfe die Auswirkungen der Klimakrise für viele Menschen und weltweit, heißt es.

Schon jetzt verursache die Tierhaltung 14,5 Prozent der globalen Emissionen. Zudem befördere die Fleischproduktion den globalen Artenschwund massiv, und es würden zu viele Antibiotika eingesetzt.

Fleischwende gefordert

Deutschland nimmt in Teilbereichen eine Spitzenposition innerhalb der EU ein, etwa bei der Erzeugung von Schweinefleisch und Milch. „Riesige Mengen werden exportiert“, sagte BUND-Chef Olaf Bandt. „Diese Abhängigkeit vom Weltmarkt schadet der Umwelt, den Tieren und den bäuerlichen Betrieben.“

Bandt forderte eine „weitreichende politische Neuausrichtung der Agrarpolitik“, inklusive einer Ernährungswende. Weniger Fleisch essen, dafür besseres, das sei das Gebot der Stunde.

Die kritische Haltung der jüngeren Generation gegenüber der heutigen Fleischproduktion steigt, das zeigt eine repräsentative Umfrage für den „Fleischatlas“. So lehnen mittlerweile mehr als 70 Prozent der 15- bis 29-Jährigen die Fleischproduktion in Deutschland in ihrer jetzigen Form ab. 40 Prozent der Befragten geben an, wenig Fleisch zu essen und 13 Prozent ernähren sich ausschließlich vegetarisch oder vegan. Deutlich mehr als die Befragten sind angeblich bereit, mehr für Fleisch zu zahlen, wenn sich die Produktionsbedingungen ändern.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) liebäugelt inzwischen mit einer Verbrauchsabgabe, um Fleisch teurer zu machen. „Ich kann mir sehr gut eine Tierwohlabgabe auf Fleisch und Wurstwaren vorstellen“, sagte Klöckner dem „Tagesspiegel“. Weiter gehende staatliche Vorschriften, um den Konsum tierischer Erzeugnisse einzuschränken, lehnt die Ministerin aber ab.

Prekären Arbeitsbedingungen wird in Deutschland zunehmend ein Riegel vorgeschoben. So war am 1. Januar das Arbeitsschutzkontrollgesetz in Kraft getreten. Damit dürfen Unternehmen der Fleischindustrie nicht mehr über Subunternehmen Beschäftigte für die Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung anheuern, sondern nur noch eigene Arbeitnehmer damit betrauen.