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Heinz Hermann Thiele hat 17 Milliarden Euro hinterlassen: Diese drei Familenmitglieder streiten um sein Erbe

Heinz Hermann Thiele hat 2021 ein Vermögen von 17 Milliarden Euro hinterlassen. - Copyright: Getty Images / FangXiaNuo / Collage: Business Insider
Heinz Hermann Thiele hat 2021 ein Vermögen von 17 Milliarden Euro hinterlassen. - Copyright: Getty Images / FangXiaNuo / Collage: Business Insider

Heinz Hermann Thiele wollte seinen Nachlass anders regeln. Der Plan des 2021 gestorbenen Milliardärs war es, sein Vermögen noch zu Lebzeiten in eine Stiftung zu überführen. Doch das klappte nicht. Jetzt soll sein Testamentsvollstrecker sich darum kümmern, das 17 Milliarden Euro schwere Erbe zu großen Teilen in genau so eine Familienstiftung zu geben. Doch die Erben, Thieles Witwe Nadia, seine Tochter Julia und sein Sohn Henrik, werden sich nicht einig.

Thieles Geld stammt vor allem aus zwei Unternehmensbeteiligungen. An dem Autozulieferer Knorr-Bremse AG hielt er zusammen mit seiner Tochter Julia Thiele-Schürhoff über die KB Holding GmbH 59 Prozent der Anteile. Auf ihn allein entfielen 41,6 Prozent.

Thiele war es, der das Unternehmen über Jahrzehnte als Geschäftsführer groß machte. Eingestiegen war er im Konzern 1969 als Sachbearbeiter, sechs Jahre später leitete er die Nutzfahrzeuge-Sparte und wurde 1979 schließlich Mitglied der Geschäftsführung. Als die bisherigen Familieneigentümer sich stritten, schlug Thiele zu. Mithilfe von Krediten übernahm er in den 80er Jahren die Mehrheit an dem Autozulieferer und wurde selbst Chef.

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Außerdem gehörten Thiele 50 Prozent der Bahntechnikfirma Vossloh, eine Rinderzucht in Urugay, eine Fruchtplantage in Südafrika und Immobilien.

Die Witwe: Nadia Thiele

Von diesen Immobilien soll Thieles Witwe, Nadia, mehrere geerbt haben, berichtet das „Manager Magazin“. Ihr Wert: etwa eine Milliarde Euro.

Vor allem aber scheint sie ein Problem mit der Vergütung des Testamentsvollstreckers Brühmüller zu haben. Der soll, so steht es im Testament, die übliche Vergütung für seine Aufgaben bekommen. Da dort kein genauer Betrag festgelegt ist, beläuft sich seine Entlohnung auf 1,5 Prozent der Erbsumme. Also etwa 250 Millionen Euro.

Zum Hintergrund: Falls der Erblasser in seinem Testament die Vergütungshöhe nicht festlegt, gibt die sogenannte „Neue Rheinische Tabelle“ juristische Orientierung in Erbfragen. Die Beteiligung für den Testamentsvollstrecker liegt demnach bei einem Prozent der Erbmasse. Bei großen Summen von mehr als fünf Millionen Euro sieht der deutsche Notarverein sogar 1,5 Prozent vor.

Heinz Hermann Thiele mit seiner Frau Nadia Thiele. - Copyright: Imago Images
Heinz Hermann Thiele mit seiner Frau Nadia Thiele. - Copyright: Imago Images

Nadia Thiele reichte vor dem Nachlassgericht München einen Antrag auf Entlassung des Testamentsvollstreckers ein. Ihr Mann sei lebenslang sparsam gewesen und habe gedacht, ein Testamentsvollstrecker verdiene wie ein Vorstandsvorsitzender, begründet Nadia ihren Antrag. Eine Million, keine 250 Millionen Euro. Das Nachlassgericht München aber sieht das anders und hat den Antrag zurückgewiesen. Das Gericht geht davon aus, dass Heinz Hermann Thiele sich mit der Formulierung befasst habe.

Doch bereits zuvor hatte Nadia Thiele auch eine Anzeige gegen den Testamentsvollstrecker gestellt. Wie das "Handelsblatt" berichtet, geht es darin konkret um die Vergütungshöhe des Testamentsvollstreckers. Durch "betrügerisches Verhalten gegenüber dem Erblasser" habe sich Brühmüller um ungeheure Beträge bereichert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der Testamentsvollstrecker weist laut der Wirtschaftszeitung alle Betrugsvorwürfe zurück.

Allerdings ist Nadia Thiele nicht nur Klägerin, sondern auch selbst Beklagte. Der Sohn des Milliardärs, Henrik Thiele, reichte ebenfalls in München eine Klage ein. Gegen den Testamentsvollstrecker Brühmüller und seine Schwiegermutter Nadia Thiele.

Der Sohn: Henrik Thiele

Denn der 55-jährige Sohn findet, dass er nicht genug Geld bekommen habe. Dabei hatte er im Jahr 2017, als sein Vater noch lebte, eine Vereinbarung mit ihm getroffen. Damals hatte er gegen eine Zahlung von 25 Millionen Euro auf seine Beteiligung an der Familienholding verzichtet, berichtet das "Handelsblatt". Die soll, so sagt er es, aber 4,5 Milliarden Euro wert sein. Verzichtet habe er nur, weil sein Vater Druck auf ihn ausgeübt habe. Jetzt will Henrik Thiele, dass seine Abmachung für nichtig erklärt wird. Doch auch der Sohn scheiterte wie die Schwiegermutter vor Gericht. Er kann aber noch in Revision gehen.

Derweil hat Henrik Thiele eine andere Beschäftigung gefunden. 2017 gründete er die Qwello GmbH, bei der er auch Geschäftsführer ist. Mit seinem Unternehmen will er Ladesäulen für Elektroautos auf öffentlichen Grundstücken planen, bauen und auch betreiben. "Qwello soll so etwas werden wie der Tankstellen-Weltkonzern Shell – nur eben ein Gigant für Elektroladesäulen", beschrieb die "Wirtschaftswoche" das Startup vor einigen Jahren.

Die Tochter: Julia Thiele-Schürhoff

Dann bleibt da noch Julia Thiele-Schürhoff, die Tochter von Hermann Thiele. Sie ist bisher am besten weggekommen. Ihr gehören bereits seit den 90er Jahren Aktien an der Knorr-Bremse AG. 17 Prozent hält sie an dem Konzern. Das Paket ist, so schreibt es das "Manager Magazin", etwa 1,5 Milliarden Euro wert. Durch ihren Anteil sitzt sie zudem im Aufsichtsrat von Knorr-Bremse.

Die Stiftung: Ein weiterer Zankapfel

Streit gibt es auch um die Posten in der Stiftung, in die das Vermögen fließen soll. Der Tochter, Julia, steht laut dem "Handelsblatt" ein Platz im Vorstand der Stiftung zu. An ihrer Seite soll der Testamentsvollstrecker, Brühmüller, Platz nehmen. Die Witwe Nadia geht dabei leer aus, ihr soll lediglich ein Sitz im Beirat zustehen, der deutlich weniger Befugnisse hat. Aus dem Unternehmen will die Zeitung erfahren haben, dass Witwe und Tochter nur noch über Anwälte kommunizieren.