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Hat Merkels Wirtschaftsberater im Untersuchungsausschuss die Wahrheit gesagt?

Wettach, Silke
·Lesedauer: 2 Min.

Röller bezeichnete seine Gattin in der Befragung als „Hausfrau“. Doch zu der Zeit besaß sie ein Unternehmen. Das ist brisant, denn Röllers Gattin hat Wirecard offenbar den Kontakt zu einer chinesischen Firma verschafft.

Lars-Hendrik Röller, Abteilungsleiter für den Bereich Wirtschaftspolitik im Bundeskanzleramt, verlässt die Sondersitzung des Wirecard-Ausschuss. Foto: dpa
Lars-Hendrik Röller, Abteilungsleiter für den Bereich Wirtschaftspolitik im Bundeskanzleramt, verlässt die Sondersitzung des Wirecard-Ausschuss. Foto: dpa

Die Aussage stieß auf großes Befremden. Ausgerechnet eine Hausfrau sollte den Kontakt zwischen dem Skandalkonzern Wirecard und dem chinesischen Unternehmen mintech eingefädelt haben? So stellte es der Wirtschaftsberater der Kanzlerin, Lars-Hendrik Röller, Mitte Januar im Wirecard-Untersuchungsausschuss dar. Bei der Vermittlerin handelt es sich um seine Gattin. Auf eine Nachfrage ergänzte Röller lapidar: „Sie hat einen Bekanntenkreis.“

Zhentang Zhang-Röller hat nicht nur Bekannte sondern auch ein Unternehmen. Bis Ende 2019 existierte die Huimi Xu und Zehntang Zhang-Röller Investitionsfirma GbR mit Sitz auf der exklusiven Havel-Insel Schwanenwerder im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Der WirtschaftsWoche bestätigte Zhang-Röller, dass sie gemeinsam mit einer weiteren Hausfrau ihr eigenes Investitionsunternehmen gegründet hatte. Die beiden wollten investieren, hätten dabei natürlich auf deutsche Aktien verzichtet, da sonst ein Interessenkonflikt mit der Aktivität ihres Mannes entstanden wäre. Zhang Röller betont, dass sie am Schluss kein einziges Investment getätigt hätten. Den genauen Termin der Firmenabmeldung gibt Zhang-Röller nicht bekannt. Gegründet hatte sie das Unternehmen im Sommer 2018.

Im Juli 2020 hat die promovierte Ökonomin, die früher am DIW forschte, eine neue Tätigkeit aufgenommen. In einem eigenen Unternehmen importiert sie aus Hongkong Luftreiniger und Desinfektionscreme für Hände.

Röller hat seit Beginn der Recherchen der WirtschaftsWoche seine Aussage ergänzt. Am Montag schickte er ein Schreiben an den Vorsitzenden des Wirecard-Untersuchungsausschuss, in dem er die Existenz der beiden Firmen bestätigt. Er verschweigt jedoch, dass seine Frau Geschäftsbeziehungen nach Hongkong pflegt. „Wir erlebe bei Herrn Röller die bekannte Strategie: Immer nur scheibchenweise und auf Druck reagiert er, statt vollständige Transparenz zu schaffen“, sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Paus. „Einige Zweifel“ blieben zurück. Paus prüft eine Strafanzeige wegen Falschaussage. Röllers Verhalten werfe „ein schlechtes Licht auf das Bundeskanzleramt und den dortigen Umgang mit der Wahrheit“.

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss versucht unter anderem zu klären, warum Bundeskanzlerin Angela Merkel noch bei ihrem China-Besuch Anfang September 2019 für Wirecard warb, obwohl die Finanzaufsicht damals schon gegen das Unternehmen ermittelte.

Mehr zum Thema: Eine weitere Sitzung des Wirecard-Untersuchungsausschusses fand am 12. Januar statt. Im Fokus stand das Kanzleramt. Die WirtschaftsWoche war live dabei.