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Der Handelsboom läuft weiter und weiter: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Der Anleihehandel ist an der Wall Street auch im vierten Quartal gelaufen wie geschnitten Brot. Für die drei großen US-Investmentbanken, die bislang ihre Zahlen vorgelegt haben, ging es durchschnittlich um 26% nach oben. Es wäre eher überraschend, wenn es nach den Zahlen von Morgan Stanley und Goldman Sachs heute Nachmittag völlig anders aussieht. Die großen Minuspunkte der Q4-Zahlen waren bislang ein vorsichtiger Ausblick für das Zinseinkommen und die Risikovorsorge.

Für die Deutsche Bank und Vorstandschef Christian Sewing lässt das hoffen. Die Zinserhöhungen der EZB beginnen hier gerade erst zu wirken, während sich die wirtschafliche Lage entspannt. Das Handelsgeschäft läuft seit einiger Zeit sogar noch etwas besser als das der US-Rivalen und hat im vergangenen Jahr wohl rund ein Drittel des gesamten Konzernertrags erwirtschaftet. Wenn Sewing sein Ziel einer Eigenkapitalrendite von 8% erreicht hat, dann nicht zuletzt deswegen.

Als Sewing vor fast drei Jahren dieses Ziel formulierte, sah das noch ganz anders aus. Zu groß waren Rückschläge und Skandale gewesen, zu drängend die Notwendigkeit, skandalbehaftete Handelsbereiche zu verkleinern oder aufzugeben. Doch statt auf dem Stand von 2018 zu stagnieren, wie der Ausblick implizierte, wuchs das Handelsgeschäft wundersamerweise. Analysten erwarten für 2022 9 Milliarden Euro und damit über die Hälfte mehr als damals geplant. Spätestens am 2. Februar werden wir erfahren, ob es so kommt.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • HEUTE Nachmittag spricht Bundeskanzler Olaf Scholz mit Bloomberg-Chefredakteur John Micklethwait über Russlands Krieg in der Ukraine, die Beziehungen zu den USA und China und die Herausforderungen für EU und Deutschland.

    • Ab 16:30 Uhr live auf Bloomberg TV.

  • Einen Börsengang in Zürich plant informierten Kreisen zufolge der chinesische Schweinezucht- und Schlachthauskonzern Muyuan Foods. Über eine GDR-Emission sollen $1,5 Mrd aufgebracht werden.

  • Lindt & Sprüngli will die operative Gewinnmarge 2023 um 20 bis 40 Basispunkte steigern.

  • Zur weiteren Inflationseindämmung werden laut EZB-Rat de Cos weitere ‘beträchtliche’ Zinserhöhungen erforderlich sein. Ein in etwa neutrales Zinsniveau befindet sich bei rund 2%, wie EZB-Chefvolkswirt Lane im FT-Interview sagte.

  • Bayerns Sparkassenpräsident Ulrich Reuter soll neuer Sparkassen-Präsident werden.

  • Die Kosten für die Regeleingriffe im deutschen Stromnetz stiegen 2022 auf einen neuen Rekordwert von fast €3,5 Mrd.

ANALYSEN:

  • Rohstoffe haben laut Goldman Sachs in diesem Jahr einen stärkeren Ausblick als alle anderen Anlageklassen. Die Bank konstatiert ein perfektes Konjunkturumfeld und äußerst niedrige Bestände.

  • Russland scheint — vorerst — den Einbruch der Öl-Fördermengen infolge der europäischen Sanktionen überwunden zu haben.

AKTIENMÄRKTE | In Asien legt die Börse Tokio am Dienstag zu, während in Hongkong die Kurse fallen. Chinas BIP-Daten für 2022 übertrafen mit 3% Wachstum zwar die Median-Erwartung der Volkswirte. Angesichts der Belastungen der erst vor kurzem aufgegebenen Null-Covid-Politik war die konjunkturelle Dynamik aber die zweitschwächste seit den 1970er Jahren. Der aktivistische Investor Ryan Cohen hat eine Beteiligung an Alibaba aufgebaut und drängt den Online-Handelsriesen zu verstärkten Aktienrückkäufen. Der japanische Aktienmarkt profitierte von leichten Kurseinbußen beim Yen.

RENTENMÄRKTE | Europas Staatsanleihemarkt bewegte sich am Montag wenig. Unter Verkaufsdruck standen griechische Bonds, nachdem Athen Banken mit der Emission 10j Papiere mandatiert hat. Heute beschafft Deutschland 5 Milliarden Euro über eine neue 2028-Anleihe. Aus Finnland kommen 1,375%-2027-Bonds sowie 1,5%-2032-Papiere im Volumen von jeweils EU750 Millionen Euro. Beim ZEW-Index rechnen Volkswirte mit einer Aufhellung von Konjunkturerwartungen und Lagebeurteilung.

ROHSTOFFMÄRKTE | Nach der gestrigen Korrektur verteuert sich Nordsee-Öl am Dienstag wieder. Händler rechnen mit einer Nachfrageerholung in China, nachdem das Wirtschaftswachstum im Q4 mit 2,9% fast doppelt so stark ausgefallen ist wie erwartet. Der Goldpreis weitet heute die leichten Vortageseinbußen noch etwas aus, verteidigt aber die vergangene Woche geknackte Marke von $1.900 je Unze.

TERMINE AM DIENSTAG

  • 16:30 Live-Interview mit Bundeskanzler Olaf Scholz auf Bloomberg TV

  • 07:00 Lindt & Sprüngli meldet den Jahresumsatz

  • 08:00 Deutsche Verbraucherpreise (endgültig) Dezember

  • World Economic Forum, Davos u.a. mit Reden von EZB-Rat Centeno (08:30), EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen (11:15) und Wirtschaftsminister Habeck (14:00)

  • 10:00 Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel

  • 11:00 ZEW-Index Konjunkturerwartungen Januar

  • 11:30 Auktionsergebnis Neuemission Bundesobligation über 5 Mrd Euro mit Fälligkeit 13.4.2028

  • Quartalsberichte USA: Goldman Sachs (13:25), Morgan Stanley (13:30), United Airlines (22:30)

  • 14:30 Empire State Manufacturing Index Januar

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