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Hähnchenfleisch aus Pflanzen – so will ein Schweizer Start-up den Fleischmarkt aufmischen

Ein Schweizer Unternehmen will sein Hähnchenfleisch aus Pflanzen auch in Deutschland auf den Mark bringen. (Bild: PR)

Planted will Hähnchenfleisch aus Pflanzen anbieten – und misst sich mit ungleich größeren Wettbewerbern. Die Technik soll den Unterschied machen.

Wenn Pascal Bieri von seinem pflanzlichen Hähnchenfleisch erzählt, klingt das wie bei einem Softwareprodukt. „Unser Planted Chicken 1.5 schmeckt prima, aber warte mal Version 2.0 ab!“, sagt der Schweizer beim Treffen in einem Züricher Restaurant.
Das Hähnchen, das die Kellnerin dann serviert, schmeckt täuschend echt – doch kein Tier musste dafür sterben. Es besteht aus Gelberbsenprotein, Erbsenfasern, Sonnenblumenöl und Wasser, doch Geschmack und Form wirken fast wie beim Original.

Mit dem „Planted Chicken“ wollen die Schweizer demnächst auch den deutschen Markt erobern. Das Versprechen: Ihr Fleisch auf Pflanzenbasis soll genauso gut schmecken wie echtes Hähnchenfleisch, aber zugleich gesünder sein. Und vor allem müssen dafür keine Tiere sterben.

Mit dem Hähnchenimitat zielt Planted auf Flexitarier, die ihren Fleischkonsum reduzieren, aber zugleich die gewohnten Gerichte zu sich nehmen wollen. So lässt sich das „Planted Chicken“ wie normales Hähnchen verarbeiten. An potenziellen Kunden mangelt es damit nicht: Laut einer Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es allein in Deutschland rund 42 Millionen „Teilzeitvegetarier“.

Doch mit ihrer Erfindung müssen die Schweizer im Wettbewerb gegen ungleich größere Konkurrenten bestehen. Inzwischen mischen auch Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé auf dem Markt mit, und auch das milliardenschwere Beyond Meat aus den USA expandiert massiv. Doch den Wettbewerb fürchtet Planted-Co-Gründer Bieri nicht. Der Erfolg von Beyond Meat zeige nur, dass das Thema Fleischkonsum in der Gesellschaft angekommen sei. Man wolle mit dem technischen Know-how und natürlichen Zutaten den Unterschied machen.

Die Idee kam dem Absolventen der Universität St. Gallen gemeinsam mit seinem Cousin Lukas Böni, einem Lebensmitteltechniker. Zusammen mit zwei weiteren Mitstreitern gründeten die Schweizer das Start-up an der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, die auch die Anschubfinanzierung bereitgestellt hat.

Im Veggie-Hähnchen steckt viel Know-how aus der Lebensmitteltechnik. Es wird ähnlich wie Teig hergestellt. Durch die richtige Mischung von Druck und Temperatur entstehen Fasern, die an echtes Fleisch erinnern.

Auch „Pulled Pork“ soll pflanzlich werden

Die Idee kommt in der Schweiz gut an: Die Firma wurde erst im Juli gegründet, und schon im Oktober konnten Bieri und seine drei Mitstreiter eine erste Finanzierungsrunde über sieben Millionen Franken abschließen. Mit an Bord ist neben der Stiftung der ETH unter anderem die Hiltl-Gruppe, die in der Schweiz das älteste vegetarische Restaurant der Welt betreibt.

Die Zeiten, in denen die Gründer ihr Pflanzenfleisch noch selbst mit dem Foodtruck auf Festivals verkauften, sind damit vorbei. Derzeit ist das „Planted Chicken“ in rund 40 Restaurants in der Schweiz erhältlich. Demnächst soll es auch bei einer großen örtlichen Supermarktkette in die Regale kommen.

Noch wird das vegetarische Hähnchen an der ETH produziert. Doch um die wachsende Nachfrage zu bedienen, zieht das 14-köpfige Team im April in die alte Maggi-Produktionshalle in der Nähe von Zürich. Dort soll eine gläserne Produktion entstehen.


Die Hoffnungen der vier Firmengründer sind groß: „Ab diesem Jahr wollen wir sicher nach Deutschland und Österreich expandieren“, sagt Bieri. Die Suche nach Partnern laufe derzeit an. Zudem wollen die Planted-Macher ihre Produktpalette ausbauen – angedacht sei etwa ein pflanzliches „Pulled Pork“.

Die Schweizer verstehen ihr Pflanzenfleisch als Maßnahme gegen den Klimawandel und für mehr Nachhaltigkeit. Ihren Berechnungen zufolge spart es im Vergleich zu echtem Hähnchen bis zu zwei Drittel an Treibhausgasemissionen. Trotzdem müsse man kein Veganer sein, um bei Planted zu arbeiten, sagt Bieri: „Wenn jemand ab und zu auch Fleisch isst, muss er deshalb nicht um seinen Job fürchten.“