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Bei den großen US-Banken kehrt der Optimismus zurück

·Lesedauer: 5 Min.

Am Freitag starten JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo die Berichtssaison. Die großen Wall-Street-Institute bringen sich in Stellung, um die Krise schnell zu überwinden.

Die Aktienkurse der großen US-Banken haben die Krise bereits hinter sich gelassen. Der KBW-Bankenindex stieg im vierten Quartal um gut 33 Prozent, deutlich stärker als der breit gefasste Leitindex S & P 500. Damit ist die lange Flaute bei den Bankaktien erst einmal beendet.

Die Zahlen für das vierte Quartal, die die Institute ab Freitag vorlegen, könnten Anleger dann weiter zuversichtlich stimmen. Investmentbanken wie Piper Sandler und KBW haben Kaufempfehlungen für die Universalbanken abgegeben.

Den Aktien helfen der Optimismus im Zusammenhang mit dem Covid-Impfstoff, die Rotation hin zu Value-Aktien und Aktienrückkaufprogramme, die nun wieder aufgenommen werden können.

Der Ausblick für die Finanzinstitute ist deutlich positiver als noch vor ein paar Wochen. „Bei keinem anderen Sektor aus dem S & P 500 wurden die Gewinnerwartungen so deutlich nach oben geschraubt“, gibt John Butters vom Analysehaus Factset zu bedenken.

Analysten hatten eigentlich mit einem Gewinneinbruch von gut 24 Prozent gerechnet. Nun jedoch könnten die Gewinne pro Aktie branchenweit „nur“ um rund acht Prozent unter dem Vorjahreswert liegen.

Das Volumen an Börsengängen steigt

Wie bereits in den Quartalen zuvor profitieren die Geldhäuser von dem anhaltend starken Kapitalmarktgeschäft. Die angekündeten Fusionen und Übernahmen, gemessen in Dollar-Beträgen, liegen 38 Prozent über dem Vorjahr. Das Volumen an Börsengängen stieg im vierten Quartal um 68 Prozent, wie aus Berechnungen von Piper Sandler hervorgeht.

Wegen der Coronakrise hatte es in den ersten Monaten des Jahres einen Rückstau gegeben, der sich nun löst und den Ergebnissen der Banken zugutekommt. Im vierten Quartal gingen unter anderem der Zimmervermieter Airbnb und der Lieferdienst Doordash an die Börse. Beide Start-ups feierten das Debüt auf dem Parkett mit großen Kursgewinnen.

Das Handelsgeschäft ist den Analystenschätzungen zufolge etwas schwächer als im dritten Quartal ausgefallen, doch im Vergleich zum Vorjahr dürfte es deutlich angestiegen sein. Das vierte Quartal, in das auch die US-Präsidentschaftswahl fiel, war volatil, was die Umsätze stärkt.

Wie die Institute mit der Risikovorsorge umgehen, werden Analysten ebenso genau verfolgen wie Bankmanager in Europa, wo die Furcht vor hohen Kreditrisiken und einer Bankenkrise wächst.

Die sechs größten US-Banken, JP Morgan Chase, Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo, haben in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt 65 Milliarden Dollar an Rücklagen für Kreditausfälle gebildet, den Großteil davon im zweiten Quartal. Brian Kleinhanzl, Bankenanalyst von KBW, geht davon aus, dass im vierten Quartal lediglich bei kleinen und mittelgroßen Banken noch zusätzliche Rücklagen für ausfallgefährdete Kredite gebildet werden müssen. Sollten die großen Institute ihre Risikovorsorge abbauen, würde das den Gewinnen Auftrieb geben.

Abbau der Risikovorsorge wird wahrscheinlicher

Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, hatte im Oktober erklärt, wie schwierig es für Banken sei, ein angemessenes Niveau der Risikovorsorge zu finden. Sollte sich die Wirtschaft gemäß dem Baseline-Szenario der Bank erholen, dann hätte JP Morgen zehn Milliarden Dollar an Rücklagen zu viel gebildet. Sollte jedoch das schlechtestmögliche Szenario eintreffen, dann müsste die Bank 20 Milliarden Dollar zusätzlich an Risikovorsorge bilden.

Auch bei der Citigroup stellen sich die Manager offenbar auf den Abbau der Vorsorge ein. Sollte sich die Wirtschaft wie geplant schnell erholen, dann steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Puffer abgebaut werden, sagte Finanzchef Mark Mason Anfang Dezember auf einer Bankenkonferenz.

Analysten gehen branchenweit von zusätzlichen Rücklagen in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar aus. Das Schlimmste sei zwar vorüber, glaubt Kleinhanzl, doch es gebe immer noch viel Unsicherheit darüber, wie sich der Kreditzyklus entwickeln werde. Zudem könne sich der Verlauf der Pandemie auch schnell wieder ändern.

Neue Rückkaufprogramme

Dennoch starten die Institute mit neuen Rückkaufprogrammen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat nach den Stresstests den Banken grünes Licht gegeben, ab dem ersten Quartal wieder Dividenden zu zahlen und Aktien zurückzukaufen. Analystenschätzungen zufolge könnten die sechs großen Banken des Landes bis Ende März Aktien im Wert von insgesamt zehn Milliarden Dollar zurückkaufen. Allein Branchenführer JP Morgan strebt Analystenschätzungen zufolge Rückkäufe in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar an.

Die Wall-Street-Häuser hatten ihre Aktienrückkäufe im März zunächst freiwillig eingestellt, um besser für die finanziellen Folgen der Pandemie gerüstet zu sein. Die Fed ordnete dann im Juni offiziell ein Aussetzen der Rückkaufprogramme bis zum Jahresende an.

Die Programme im ersten Quartal sind gedeckelt. Die Summe von Dividenden und Aktienkäufen darf nicht größer sein als die durchschnittlichen Quartalsgewinne aus dem Vorjahr. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Banken diese Bandbreite weitgehend ausschöpfen werden.

Von der wirtschaftlichen Erholung profitieren

Die Europäische Zentralbank entschied im Dezember, dass europäische Banken unter bestimmten Bedingungen ihre im vergangenen Jahr ausgesetzten Dividendenzahlungen ab Januar fortsetzen können.

Piper Sandler sieht vor allem Branchenführer JP Morgan, Bank of America, Citi und Goldman Sachs in einer guten Position für die kommenden Monate und verweist auf den guten Mix an Geschäftsbereichen. „Die Institute sind weniger stark abhängig vom Zinsüberschuss, und sie sind gut aufgestellt, um von der wirtschaftlichen Erholung zu profitieren“, glaubt Jeff Harte von Piper Sandler.

Kleinhanzl von KBW rechnet damit, dass die Gewinne in diesem Jahr um fünf bis acht Prozent zurückgehen könnten. 2022 sollte es dann jedoch vor allem bei den Universalbanken deutlich aufwärtsgehen, mit einem erwarteten Gewinn von sieben Prozent.

Der künftige US-Präsident Joe Biden, dessen Amtszeit am 20. Januar beginnt, hat weitere Konjunkturpakete angekündet, die vor allem die Verbraucher und Mittelständler stützen sollen. Das würde am Ende auch den Banken zugutekommen.