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Santander verzeichnet historischen Verlust – Fusionsfieber in Spanien verringert sich

Louven, Sandra
·Lesedauer: 4 Min.

Eine hohe Risikovorsorge sowie Wertberichtigungen sorgen für den ersten Jahresverlust. Santander-Chefin Botín erwartet weitere Fusionen, will aber selbst nicht kaufen.

Das Nettoergebnis im vierten Quartal sank um 90 Prozent auf 277 Millionen Euro. Foto: dpa
Das Nettoergebnis im vierten Quartal sank um 90 Prozent auf 277 Millionen Euro. Foto: dpa

Die spanische Großbank Santander hat 2020 den ersten Jahresverlust ihrer Geschichte eingefahren – das Minus lag bei 8,8 Milliarden Euro. Wertberichtigungen von 10,1 Milliarden Euro auf Töchter in Großbritannien, Polen und den USA hatten bereits im zweiten Quartal für einen Verlust gesorgt. Im vierten Quartal kamen Kosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro hinzu, mit denen die Bank in Europa Filialen schließen und die Belegschaft reduzieren will.

Ohne diese Kosten hätte Santander einen Jahresgewinn von 5,1 Milliarden Euro erzielt. Zudem belastete eine hohe Risikovorsorge das Ergebnis. Santander legte für ausfallgefährdete Darlehen rund 12,2 Milliarden Euro zurück, 31 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Dennoch: Die Bank will ebenso wie ihr Wettbewerber BBVA wieder eine Dividende zahlen, sobald die EZB dies erlaubt: 2,75 Cent je Anteilschein. Der Gewinn lag im vierten Quartal mit 1,4 Milliarden Euro über den Markterwartungen. Zudem hat Santander das harte Kernkapital (CET1) um 69 Basispunkte auf 12,3 Prozent erhöht. Die Aktie stieg am Morgen um bis zu fünf Prozent und lag am Mittag bei einem Plus von einem Prozent.

Die größten Probleme stehen den Banken noch bevor

Die übrigen großen spanischen Banken konnten für das Jahr 2020 zwar Gewinne vorweisen. Diese gingen aber deutlich zurück, was auch dort auf die erhöhte Risikovorsorge zurückzuführen ist. Dabei dürften die größten Probleme erst noch kommen, wenn Hilfsprogramme wie Moratorien für Insolvenzanträge und für die Rückzahlung der staatlich garantierten Kredite auslaufen. Die Regierung hat einige Hilfen wegen der anhaltenden Krise verlängert. Die Ratingagentur Standard & Poor’s rechnet deshalb damit, dass notleidende Kredite in Spanien erst bis Mitte Ende 2022 ihren Höhepunkt erreichen werden.

Die spanischen Banken haben die geringste Kernkapitalquote in der EU. Experten gehen dennoch davon aus, dass sie weniger strukturelle Risiken aufweise als andere Institute in Südeuropa, weil sie sich nach der letzten Krise umfangreich restrukturiert haben.

Derzeit verdüstern sich die Aussichten auch für das laufende Jahr. Die dritte Viruswelle, die Spanien wie bereits die beiden ersten erneut hart trifft, sorgt für zahlreiche Restriktionen. Die servicelastige spanische Wirtschaft ist von der Schließung von Restaurants und Bars sowie vom Einbruch des Tourismus besonders stark betroffen.

„Wenn die Restriktionen wegen der Probleme, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, länger andauern, werden viele Unternehmen nicht mehr überleben können. Das führt zu mehr Zahlungsausfällen“, sagt Joaquín Maudos, Wirtschaftsprofessor an der Universität Valencia und Vizechef des Valencianischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Ivie). Es komme dann darauf an, dass die Banken genügend Rückstellungen gebildet haben.

Die spanischen Institute gehören zu den effizientesten in Europa

Diese Vorsorge aber macht es den im Nullzinsumfeld agierenden Banken nahezu unmöglich, ihre Gewinne zu erhöhen. Sie versuchen, über Kostensenkungen gegenzusteuern. Dabei gehören Spaniens Institute zu den effizientesten in Europa. Sie mussten im vergangenen Jahr 52 Cent aufbringen, um einen Euro zu verdienen. Deutsche Banken – nach Malta die ineffizientesten – brauchten dagegen 80 Cent. „Die Priorität ist, die Effizienz zu erhöhen“, sagt Bank-Experte Maudos. „Dafür müssen die Kosten sinken, wobei Fusionen helfen.“

In Spanien hat die Pandemie bereits für zwei Zusammenschlüsse gesorgt: Die staatliche Bankia fusioniert mit der Nummer drei des Marktes, Caixabank, zum größten Institut auf dem spanischen Markt. Die beiden kleineren Banken Unicaja und Liberbank schließen sich ebenfalls zusammen. Eine dritte Fusion – von BBVA und Sabadell – ist dagegen nach Gesprächen gescheitert. BBVA hat eine gefüllte Kasse, da die Bank im November für 11,6 Milliarden Dollar ihr USA-Geschäft an die US-Bank PNC verkauft hat.

BBVA-Chef Carlos Torres erklärte bei der Präsentation der Jahreszahlen allerdings, er habe keine Eile, sich nach den geplatzten Verhandlungen mit Sabadell nach anderen Zukaufoptionen umzuschauen. Stattdessen kündigte er an, zehn Prozent der eigenen Aktien zurückzukaufen. Das dürfte rund drei Milliarden Euro kosten. Auch Sabadell erklärte, sie wolle vorerst allein bleiben.

Ebenso stellte Santander-Chefin Ana Botín am Mittwoch klar: „Wir haben derzeit keine Pläne, an der Konsolidierung teilzunehmen – weder in Spanien noch in Europa.“ Die Bank will organisch wachsen. Gleichwohl ist sie überzeugt: „Es wird mehr Konsolidierung in Europa geben.“ Hier sei das Niveau der Konzentration in der Branche deutlich niedriger als in den USA. Auch Experte Maudos erwartet weitere Zusammenschlüsse. „Der Druck zu fusionieren wird bleiben“, sagt er. „Aber es ist nicht einfach, Synergien zwischen Instituten zu finden.“