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Nach Unregelmäßigkeiten und Aktiencrash: Grenke-Aufsichtsratschef wirbt um Vertrauen bei Anlegern

Reuters Renner, Marc
·Lesedauer: 2 Min.

Der unter Druck stehende Leasing-Spezialist hat sich zu den Gründen für den Rücktritt von Vorstand Mark Kindermann geäußert. Die Aktie erholt sich.

Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp wirbt um Vertrauen der Anleger. Foto: dpa
Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp wirbt um Vertrauen der Anleger. Foto: dpa

Nach dem Bekanntwerden von Unregelmäßigkeiten in der internen Kontrolle beim Leasingkonzern Grenke wirbt der Aufsichtsratschef um Vertrauen. „Wir werden alles daransetzen, die Prüfungen so schnell wie möglich abzuschließen und als Unternehmen gestärkt aus dieser Krisensituation hervorzugehen“, sagte Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp am Dienstag.

Die Ergebnisse aus den Prüfungen würden aufgegriffen und die Prozesse weiterentwickelt. Die Aufgaben des zurückgetretenen Compliance-Vorstands Mark Kindermann werden auf die anderen Vorstandsmitglieder verteilt.

Kindermann legte sein Amt auf Druck der Finanzaufsicht Bafin nieder und kam damit einer möglichen Abberufung zuvor, nachdem bei einer Prüfung durch die Behörde Schwächen in der internen Revision aufgedeckt worden waren. Die Aktie brach daraufhin um bis zu 37 Prozent ein. Am Mittwoch setzt die Aktie ihren Erholungsprozess fort, notiert im frühen Handel elf Prozent höher bei 32,28 Euro. Bereits am Dienstag ging es rund 6,6 Prozent nach oben.

So habe die Bafin unter anderem die Qualität von Arbeitspapieren kritisiert, zu wenige Mitarbeiter in der Kontrollabteilung sowie einen eingeschränkten Zugang dieser Mitarbeiter zu bestimmten Firmengeheimnissen, erläuterte Lipp. Im Bereich Compliance seien etwa prozessuale Schwächen bei der Dokumentation entdeckt worden.

Die Bafin habe daraufhin angekündigt, über eine Abberufung von Mark Kindermann als Vorstand zu entscheiden. Kindermann habe den Aufsichtsrat am 8. Februar darüber informiert, sein Vorstandsamt sowie alle weiteren Konzernmandate niederlegen zu wollen. „Um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten“, soll Kindermann Grenke für eine Übergangszeit außerhalb des Vorstands zur Verfügung stehen.

Keine unmittelbaren Auswirkungen auf Bilanz oder Gewinn-und-Verlust-Rechnung

Das Unternehmen betonte, keiner der Kritikpunkte der Bafin lasse auf unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz oder die Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Unternehmens schließen.

Die Bafin leitete eine Sonderprüfung bei Grenke ein, nachdem im vergangenen September massive Vorwürfe gegen Grenke erhoben worden waren. Der britische Investor Fraser Perring hielt dem auf die Vermietung von IT und Büroausstattung spezialisierten Konzern Betrug, Geldwäsche und Bilanzfälschung vor.

Im Fokus der Vorwürfe von Perring stand das Franchisegeschäft. Bislang gründete Grenke in neuen Ländern Franchisegesellschaften, die von externen Investoren finanziert und von Grenke nach ein paar Jahren übernommen wurden. Als Reaktion auf die Vorwürfe kündigte Grenke Ende Oktober an, das Franchisegeschäft in den Konzern zu integrieren.

Grenke geriet nach der Attacke des britischen Leerverkäufers an der Börse massiv unter Druck. Fraser Perring – der Investor hatte sich bereits mit dem inzwischen insolventen Zahlungsabwickler Wirecard angelegt – wettete gleichzeitig auf einen Absturz der Aktien.

Grenke gab als Reaktion auf die Vorwürfe zwei Sonderprüfungen in Auftrag: bei Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) und dem Bilanzprüfer KPMG. Zudem prüft die Bafin den Konzern.