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GESAMT-ROUNDUP: Hohe Inflation und Rezessionssorgen: Druck auf EZB wächst

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Forderung nach einer kräftigen Zinserhöhung im Euroraum zur Eindämmung der extrem hohen Inflation wird lauter. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing geht zwar nach eigener Aussage davon aus, dass die deutsche Wirtschaft genug Widerstandskraft besitzt, um die zu erwartende Rezession gut zu bewältigen. "Aber das bedingt, dass die Zentralbanken jetzt schnell und entschlossen handeln", sagte Sewing am Mittwoch in Frankfurt. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt am Donnerstag (8.9.) zu seiner nächsten Sitzung zusammen.

Seit Monaten macht die hohe Teuerung Verbrauchern und Unternehmen zu schaffen. In Europas größter Volkswirtschaft Deutschland sprang die jährliche Teuerungsrate im August wieder auf 7,9 Prozent. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise trieben die Inflation im Euroraum im August auf die Rekordhöhe von 9,1 Prozent.

Höhere Inflation schwächt die Kaufkraft der Menschen. Und der Blick nach vorn macht wenig Hoffnung: "Die deutschen Unternehmen wollen in großem Umfang ihre Preise erhöhen", stellte das Ifo-Institut anhand einer Umfrage fest. Energie hat sich deutlich verteuert, dazu kommen Lieferengpässe. "Ein Auslaufen der Inflationswelle ist leider nicht in Sicht", referierte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. In den nächsten Monaten rechnet er mit noch höheren Inflationsraten, denn bislang sei "von den Energieversorgern nur ein geringer Teil der kräftigen Anstiege der Börsenpreise für Strom und Erdgas an die Kunden weitergegeben worden".

Viele Ökonomen erwarten zweistellige Inflationsraten in den nächsten Monaten. Die hohe Teuerung bremst den privaten Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur. Die Wirtschaft im Euroraum entwickelte sich im ersten Halbjahr 2022 dennoch besser als zunächst angenommen. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19 Länder zum Vorquartal um 0,8 Prozent statt um 0,6 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Für das erste Vierteljahr errechnete die Behörde nun ein Plus von 0,7 Prozent statt 0,5 Prozent.

Für die deutsche Industrie hat das zweite Halbjahr 2022 allerdings mit einem Dämpfer begonnen. Im Juli ging die Gesamtproduktion Zahlen des Statistischen Bundesamt zufolge zum Vormonat um 0,3 Prozent zurück. "Die Industrie ist schwach ins dritte Quartal gestartet", kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium. Die Zahl für den Produktionszuwachs im Monat Juni korrigierten die Wiesbadener Statistiker derweil von 0,4 Prozent auf 0,8 Prozent nach oben.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine bemühen sich Deutschland und Europa, ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu verringern. "Wir müssen alles tun, damit unsere Autos, Heizungen und Fabriken nicht nur dann laufen, wenn uns ein Autokrat im Kreml vielleicht gewogen ist", mahnte Deutsche-Bank-Chef Sewing bei der "Handelsblatt"-Bankentagung.

Doch die Neuaufstellung brauche Zeit. "Wir müssen uns dauerhaft auf höhere Inflation einstellen", bekräftigte Sewing. Dem mittelfristigen EZB-Ziel eines stabilen Preisniveaus im Euroraum bei zwei Prozent Jahresteuerung wird man nach Sewings Einschätzung wohl "erst im zweiten Halbjahr 2024 nahekommen, davor ist das nicht erreichbar".

Noch könnten viele Menschen auf Erspartes zurückgreifen, um höhere Preise zu stemmen, noch seien viele Unternehmen ausreichend finanziert. "Aber je länger die Inflation hoch bleibt, desto größer werden die Schmerzen und der soziale Zündstoff", warnte Sewing.

Die Finanzbranche in Deutschland ist aus Sicht Sewings, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist, gut vorbereitet für weitere herausfordernde Monate: "Wir stehen heute viel stabiler und widerstandsfähiger da als noch vor zehn Jahren." Die Branche habe auch im schwierigen ersten Halbjahr 2022 kaum Gewinn eingebüßt und Erträge gesteigert. "Wir werden sicherlich eine höhere Insolvenzzahl sehen, wir werden auch sicherlich dieses Jahr höhere Kreditausfälle sehen. Aber alles in einem Rahmen, was meines Erachtens gut verkraftbar ist."

Der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Mark Branson, bilanzierte bei der Frankfurter Bankentagung: "Im Moment sind die Kreditbücher grundsätzlich gesund." Die Schlüsselfrage sei, nach welchen Standards Finanzinstitute Kredite vergäben. "Die Banken sind da wirklich vorsichtiger geworden", sagte Branson.

Der Bafin-Chef betonte zugleich: "Es ist absolut die Zeit, vorsichtig zu agieren." Es sei "nicht die Zeit zu sagen: Bahn frei für die Banken, sich mit weniger Kapital zu füllen". Andererseits seien Banken als Finanzierer der Wirtschaft auch dafür da, "Risiken zu nehmen, Banken sind auch da, mal Kreditverluste zu erleiden". Geldhäuser müssten so gemanagt werden, dass nicht jeder Kreditausfall ein Desaster sei, sagte der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).