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GESAMT-ROUNDUP/Corona-Lage bleibt ernst: Kein schnelles Ende der Einschränkungen

·Lesedauer: 3 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Vor dem Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den 16 Ministerpräsidenten zeichnet sich weiterhin keine Entspannung der Lage ab. Das Infektionsgeschehen nehme immer noch in ganz Deutschland zu, Kliniken meldeten zunehmend Engpässe, hieß es am Donnerstag beim Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. "Wir müssen noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen", kündigte RKI-Chef Lothar Wieler an.

Auch die Spitzen der Bundesregierung machten wenig Hoffnung, dass es nach dem November-Lockdown bald wieder größere, gesellige Runden geben könnte. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte im rbb-Inforadio, Veranstaltungen mit mehr als 10 bis 15 Personen wie etwa Weihnachtsfeiern sehe er "in diesem Winter nicht mehr". Merkel stimmte die Bevölkerung ebenfalls auf "schwere Wintermonate" ein. In einem virtuellen Gespräch mit Auszubildenden verbreitete sie allenfalls vorsichtigen Optimismus: "Wir hoffen ja, dass wir dann, wenn wir durch den November sind, auch wieder Licht am Ende des Tunnels sehen."

Am Donnerstagmorgen registrierte das RKI bundesweit fast 22 000 neue Corona-Fälle - knapp 3400 mehr als am Tag zuvor. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen zuletzt weniger stark gestiegen ist, dürfte es bei den Beratungen von Kanzlerin und Ministerpräsidenten am Montag wohl kaum um nennenswerte Lockerungen gehen. Vor zwei Wochen hatte die Runde einen Teil-Lockdown beschlossen, der seit dem 2. November gilt. Danach müssen bis Monatsende Lokale und andere Freizeiteinrichtungen geschlossen bleiben, Hotels dürfen keine Touristen beherbergen.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) stellte kein schnelles Ende der Einschränkungen in Aussicht. Es gebe "absolut keinen Grund für Entwarnung", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin erschreckend hoch."

Mögliche Effekte des momentanen Teil-Lockdowns sind nach Wielers Worten noch nicht messbar. Doch selbst nach einem Ende der momentanen Einschränkungen könne das Leben nicht wie gewohnt weitergehen. "Maßnahmen werden uns noch lange begleiten - auch dann, wenn es in absehbarer Zeit einen wirksamen Impfstoff geben könnte." Spahn betonte ebenfalls: Selbst wenn die Infektionszahlen zurückgehen sollten, "heißt das nicht, ab Dezember oder Januar kann es wieder richtig überall losgehen mit Hochzeitsfeiern oder Weihnachtsfeiern als wäre nichts gewesen". Die Lage verlange Geduld. "Dieses Virus hat sehr lange Bremsspuren."

Um die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns abzufedern, kündigte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) eine Aufstockung der Novemberhilfen an. Es würden sicherlich mehr als die bisher diskutierten zehn Milliarden Euro, sagte der Vizekanzler. Solo-Selbstständige sollen eine Abschlagszahlung von bis zu 5000 Euro erhalten, Unternehmen von bis zu 10 000 Euro. Die Bundesregierung hatte Zuschüsse etwa für Gastronomiebetriebe oder Künstler zugesagt, die von behördlich angeordneten Schließungen betroffen sind.

Die Sportminister der 16 Bundesländer forderten darüber hinaus zusätzliche Staatshilfen für die von den Corona-Maßnahmen gebeutelten Sportvereine. In einem gemeinsamen Beschluss sprachen sie sich dafür aus, die für Unternehmen entwickelten Novemberhilfen unbürokratisch auch für den Sport zugänglich zu machen. Für manche Vereine sei die Pandemie "existenzbedrohend", sagte der rheinland-pfälzische Sport- und Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Das Robert Koch-Institut zeigte sich vorsichtig optimistisch, weil die Kurve der Neuinfektionen zuletzt weniger steil anstieg. "Das kann daran liegen, dass die strengeren Maßnahmen zu wirken beginnen", analysierte Uta Rexroth, Leiterin des RKI-Lagezentrums. "Das wissen wir aber noch nicht genau." Der Effekt könne auch dadurch mitverursacht sein, dass die Laborkapazitäten langsam ausgeschöpft seien.

Unterdessen geht die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Corona-Fälle in Deutschland weiter nach oben. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zählte am Donnerstag 3186 Covid-Patienten auf der Intensivstation. Das ist ein Höchststand seit Beginn der Pandemie. Nach den Worten von RKI-Chef Wieler melden die Kliniken immer häufiger Engpässe - vor allem beim medizinischen Personal, das zum Teil selbst erkranke. "Es ist möglich, dass Patienten nicht mehr überall optimal versorgt werden können."