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Generali will zukaufen – vor allem in Deutschland

·Lesedauer: 5 Min.

Der italienische Versicherer präsentiert seine Ziele für 2021: Geld für anvisierte Zukäufe hat Generali – und CEO Donnet den Blick vor allem auf den deutschen Markt gerichtet.

Als Philippe Donnet Ende 2018 seinen neuen Strategieplan „Generali 2021“ vorstellte, waren die ersten Sanierungsschritte bereits vollzogen. Hohe Kosten bei geringer Effizienz hatte der Franzose vorgefunden, als er 2016 den Chefsessel des italienischen Versicherers übernahm. Ein Sanierungsfall, der radikal umgebaut werden musste, lautete damals die schonungslose Bestandsaufnahme.

In diesem Jahr kam nun noch die Unsicherheit durch eine Pandemie hinzu, die niemand vorhersehen konnte. Donnet betrachtet die Coronakrise aber eher als Chance denn als Risiko. „Was geschehen ist, bestätigt die Gültigkeit unserer Strategie und zeigt, wie wichtig unser Business für die Menschen ist, die mehr und mehr Schutz benötigen“, sagt der Generali-Chef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und in Sachen Zukäufe könnten sich nach seiner Einschätzung ganz neue Möglichkeiten ergeben.

Beim virtuellen Investorentag am Mittwoch bestätigte der italienische Versicherungsriese seine Ziele für 2021. Dazu zählen eine Gewinnsteigerung pro Aktie von sechs bis acht Prozent, eine Ausschüttungsquote zwischen 55 und 65 Prozent, eine steigende Dividendenausschüttung von 4,5 auf fünf Milliarden Euro und eine Eigenkapitalrendite über 11,5 Prozent im kommenden Jahr.

Die Auswirkungen von Covid-19 sowie einmalige Gebühren seien zwar zu spüren, räumte Donnet ein. Dennoch wurde die Verschuldung auf 1,9 Milliarden reduziert, „ein Jahr eher als im Plan vorgesehen“.

Für Donnet rücken nun wieder Zukäufe in den Fokus. „Wir wollen drei bis vier Milliarden Euro investieren, nach einem genauen Plan.“ Knapp anderthalb Milliarden Euro sind bereits ausgegeben, kleine und mittlere Anbieter gehören nun Europas drittgrößtem Versicherer. Der wichtigste Erwerb war die portugiesische Seguradoras Unidas im Oktober, die Generali mit einem Schlag vom Nischenanbieter zur Nummer zwei im Land machte.

In diesem Tempo soll es weitergehen. Die verbleibenden rund 2,5 Milliarden Euro sollen bald investiert werden. „Nach der Pandemiekrise wird es neue Gelegenheiten geben“, ist sich Donnet sicher. Erste Priorität hat für ihn der europäische Markt, auch wenn Generali in den vergangenen Jahren seine Position in Asien und Südamerika deutlich ausgebaut hat.

Zuletzt hielten sich Gerüchte, Generali sei am französischen Sachversicherungs-Portfolio interessiert, das der britische Versicherer Aviva abgeben will. Dazu wollte sich Donnet auf Nachfrage nicht äußern.

Auch andere Marktexperten erwarten, dass Corona den Konsolidierungsprozess in Europa beschleunigt. „Die Dauer der Krise könnte für einzelne Marktteilnehmer zu einer großen Herausforderung werden, der man eventuell nicht allein gewachsen ist“, sagt etwa Thomas Korte, der beim Berater EY den Versicherungsbereich leitet.

An Zukäufen interessiert

Generali-Chef Donnet ist nach wie vor an Zukäufen in Deutschland interessiert. „Deutschland ist wirklich wichtig für uns, und ich bin sehr stolz auf das, was in den letzten Jahren erreicht wurde“, betonte er. Die Bundesrepublik ist für Generali inzwischen der zweitwichtigste Markt hinter dem Heimatmarkt in Italien. Durch die Covid-19-Krise könnten sich neue Gelegenheiten ergeben, hofft Donnet. „Ich träume noch immer.“ In welchen Bereichen sich Generali vor allem umsieht, sagte Donnet nicht.

In den vergangenen vier Jahren ist viel geschehen bei der deutschen Tochter, die ihren Sitz in Münchens Trabantenstadt Neuperlach hat. Giovanni Liverani übernahm gleich nach Donnets Amtsantritt die Schüsselposition als neuer Deutschlandchef und fing mit dem Umbau an. Der traditionsreiche Markenname „Aachener und Münchener“ verschwand vom Markt, der eigene Vertrieb wurde eingestellt. Das übernimmt seither die Deutsche Vermögensberatung (DVAG), an der Generali mit 40 Prozent beteiligt ist.

Zudem wechselte vor rund anderthalb Jahren der bisher größte Altbestand an Lebensversicherungen in Deutschland zur Abwicklungsgesellschaft Viridium. Knapp vier Millionen Policen werden seither unter dem Dach der neu gegründeten Gesellschaft Proxalto bis zu ihrem Ablauf verwaltet.

Dass Generali mit einem Minderheitsanteil von 10,1 Prozent an Virdium beteiligt ist, ist als gesellschaftliche Konstruktion ebenfalls neu in der Branche. Bisher hatten die Versicherer sich komplett zurückgezogen, wenn sie die Bestände abgegeben hatten.

Verkauf in Deutschland als Blaupause

Der Verkauf der deutschen Lebensversicherungsbestände dient im Konzern künftig als Blaupause für weitere Deals. In Frankreich beispielsweise halten sich seit Wochen Gerüchte, dass Generali auch dort einen größeren Altbestand abgeben will. „Wir schauen uns alle unsere hochgarantierten Lebensversicherungs-Portfolios an. Dann entscheiden wir, ob wir auch in anderen Ländern Portfolios verkaufen“, sagte Donnet dazu. Mit dem Viridium-Deal in Deutschland sei Generali inzwischen jedenfalls Experte auf dem Gebiet.

Ein Wagnis war auch der Wechsel des Vertriebskanals von eigenen Mitarbeitern hin zu den Vermittlern der DVAG. Die Kritik intern war groß. Heute fällt das offizielle Resümee positiv aus: „Die Integration unserer Agenten in den Verkaufskanal der DVAG war ein großer Erfolg, der so nicht absehbar war“, sagte Donnet. Inzwischen gebe es eine sehr starke Verbindung zwischen der DVAG-Gründerfamilie Pohl in Marburg und Generali. „Darüber sind wir sehr froh.“

Realität geworden ist der Plan, einen eigenen Vermögensverwalter aufzubauen. Über eine solche Einheit verdient beispielsweise der Wettbewerber Allianz seit Jahren hohe Summen. Generali musste sich dagegen für die Verwaltung des Vermögens von rund 500 Milliarden Euro der Dienste externer Anbieter bedienen, was jährlich Hunderte Millionen Euro kostete.

Nun hat Generali vor Kurzem die Plattform einer sogenannten Multi-Boutique aufgebaut.15 Anbieter hat Generali inzwischen übernommen, die sich dort weitgehend frei im Stil eines Start-ups bewegen dürfen. Das komplette Spektrum an Anlagemöglichkeiten ist allerdings längst nicht abgedeckt. Weiteres Wachstum mit selbstständig arbeitenden Einheiten ist deshalb geplant. Ziel ist, dass das Vermögen der Generali langfristig dort verwaltet wird.

Nachteil bei der Dividende

Im Vergleich zu seinen großen deutschen Wettbewerbern Allianz und Munich Re sieht sich Philippe Donnet allerdings in einem Bereich in einem entscheidenden Nachteil. Von der für dieses Jahr angedachten Dividende von 0,96 Euro je Aktie konnte der Versicherer nur die erste Tranche von 0,50 Euro an die Aktionäre ausschütten. Die zweite Tranche von 0,46 Euro blieb von der italienischen Aufsicht aus Gründen der Liquiditätssicherung in der Coronakrise verwehrt.

„Unsere Solvenzquote ist die beste der Branche und wäre jetzt schon so stark, dass wir auszahlen könnten“, kritisierte Donnet. „Für mich ist es schwer zu akzeptieren, dass deutsche Versicherer die volle Dividende ausschütten dürfen, italienische dagegen nicht.“ Auf ihn wirke es seltsam, dass es in Europa keine einheitliche Regelung gebe.