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"Verbranntes Geld": Galeria Karstadt Kaufhof verhandelt mit Bund über neues 200-Millionen-Darlehen

Solveig Gode
·Lesedauer: 4 Min.

Deutschlands letzte große deutsche Warenhauskette braucht erneut staatliche Hilfe. Vergangenen Freitag berichtete das "Manager Magazin", dass Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) scheinbar mit der Bundesregierung über einen möglichen weiteren Staatskredit in Höhe von 200 Millionen Euro verhandele. Informationen von Business Insider bestätigen nun sowohl die Verhandlungen als auch die Höhe der Verhandlungssumme. Das Geld werde GKK demnach vermutlich bis Juni/Juli ausreichen. Die Gespräche sind jedoch noch in den Anfängen. Wie viel der Eigentümer René Benko selbst zusteuert, ist noch nicht klar. Bereits Anfang des Jahres hatte die angeschlagene Kaufhauskette vom staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ein Nachrangdarlehen von bis zu 460 Millionen Euro erhalten.

In den Augen von so manchen Wirtschaftsexperten wäre dieser Schritt ein Fehler. "Ich würde es unfassbar finden, wenn der Staat GKK einen weiteren Kredit gewährt. Das wäre verbranntes Geld, das der Staat nie wiedersehen wird", sagt etwa der Wirtschaftswissenschaftler Martin Fassnacht im Gespräch mit Business Insider. Der Professor für Strategie und Marketing an der WHU Otto Beisheim School of Management glaubt nicht mehr an die Rettung von GKK. Die Betriebsform des Warenhauses habe sich überlebt und habe keine Daseinsberechtigung mehr.

Fassnacht ist sich sicher: "Spätestens in fünf bis zehn Jahren wird es GKK nicht mehr geben." Sollte die Marke weitergeführt werden, dann werde es nur vereinzelte Filialen in den großen Metropolen geben, vermutet er. "Das sind keine guten Nachrichten für die Beschäftigten und es tut mir Leid, dies so drastisch sagen zu müssen, aber das Konzept GKK ist nicht mehr überlebensfähig."

GKK hat in jedem Segment einen stärkeren Wettbewerber

Vor 30 Jahren sei ein großes Sortiment unter einem Dach ein Alleinstellungsmerkmal gewesen. Mittlerweile habe sich der Einzelhandel aber aufgefächert. “Ich sehe weder den USP (Unique Selling Point) von GKK als gesamten Unternehmen, noch in den einzelnen Warensegmenten”, sagt Fassnacht. Sei es Douglas im Segment Beauty oder MediamarktSaturn im Bereich Eletronik: In jedem Bereich hat GKK mittlerweile starke (Online-)Konkurrenz, die deutlich besser aufgestellt ist.

Außerdem kaufen Kunden immer mehr online. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung nur beschleunigt. GKK hat die Digitalisierung jedoch seit Jahren verschlafen. Zuletzt betrug der Onlineanteil des Umsatzes bei GKK gerade einmal 4,3 Prozent. "Das ist fast gar nichts und reicht nicht, um gegen starke Wettbewerber wie Amazon, Zalando oder Douglas weiterhin zu bestehen", sagt Fassnacht.

Fassnacht vermutet hinter der Staatshilfe eine starke politische Motivation, um Arbeitsplätze im Wahljahr zu sichern. Ökonomisch sei die Investition jedenfalls nicht zu erklären, so der Wirtschaftswissenschaftler. Hier reicht ein Blick auf die Zahlen, denn bei GKK läuft es bereits seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr wirklich rund: 2008 machte Karstadt allein noch 4,1 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, Galeria Kaufhof noch 3,22 Milliarden. Die letzten bekannten Zahlen aus 2019 weisen nach dem Zusammenschluss beider Ketten nur noch einen Gesamtumsatz von 4,9 Milliarden Euro aus — und seit der Corona-Pandemie dürfte diese Zahl noch einmal drastisch gesunken sein. Wie der GKK-Geschäftsführer Miguel Müllenbach gegenüber der "Bild"-Zeitung sagte, verliere das Unternehmen durch den anhaltenden Lockdown und die damit verbundenen Filialschließungen in vielen Regionen etwa 100 Millionen Euro im Monat. Auch die Standortanzahl fiel von 210 in 2011 auf 172 in 2018. Im Zuge des Schutzschirmverfahrens, in das sich das Unternehmen vergangenes Jahr flüchtete, schloss GKK insgesamt 41 Filialen.

Auch andere Sanierungsexperten sehen GKKs Zukunftsfähigkeit skeptisch

Mit seiner kritischen Haltung gegenüber der Staatshilfe für GKK ist Fassnacht nicht allein. Auch der Insolvenzverwalter und Restrukturierungsberater Dirk Andres kritisierte bereits den ersten Kredit in einem Beitrag auf dem Karriere-Netzwerk Linkedin: "Es ist [...] unfassbar, dass ein Kaufhauskonzern derart massiv gestützt wird, während viele kleine und mittelständisch organisierte Geschäfte und Ketten ohne Lobby, die in der Summe sicherlich auf ähnlich hohe Mitarbeiterzahlen kommen, auf der Strecke bleiben." Der Millionenkredit sei "das völlig falsche Signal".

Selbst der ehemalige Generalbevollmächtigter im GKK-Schutzschirmverfahren aus dem vergangenen Jahr, Arndt Geiwitz, äußert Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Geiwitz sagte gegenüber dem "Manager Magazin": "Galeria Karstadt Kaufhof, wie wir es heute kennen – mit einer eintönigen Gastronomie und einer schlechten Raumaufteilung –, ist auf Dauer nicht überlebensfähig." Langfristig sieht Geiwitz aber noch Potenzial in der Warenhauskette, sie müsse nun investieren und den vor dem Lockdown vorgesehenen Zukunftsplan umsetzen. Sonst drohe "ein Tod auf Raten". Das geplante Zukunftskonzept sehe ein stärker regionalisiertes Sortiment sowie eine Pop-up-Store-Kultur vor, moderne Gastronomiekonzepte, gepaart mit verschiedenen Dienstleistungen vor, um ein jüngeres Publikum anzuziehen.