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Fraport-Chef Schulte rechnet erst 2023 mit Normalbetrieb

Der CEO des Flughafenbetreibers erwartet einen wachsenden Wettbewerb und harte Verhandlungen über Gebühren. Und er fordert die Öffnung der Grenzen.

Der Flugverkehr ist wegen der Coronakrise nahezu zum Erliegen gekommen. Foto: dpa

Ein wenig klingt der Frust bei Stefan Schulte durch. „Es ist nach meiner Meinung nicht mehr gerechtfertigt, die ganze Welt zum Risikogebiet zu erklären“, sagte der Chef des Flughafenbetreibers Fraport am Montagabend vor den Mitgliedern des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

In vielen Ländern sei die Zahl der Infizierten niedriger als in Deutschland. „Die Aussage „das Ausland ist unser Feind“ ist so nicht mehr gerechtfertigt“, fand Schulte deutliche Worte: „Wenn man in der U-Bahn zur Arbeit fährt, muss man Masken tragen. Das können wir auch, wir können sogar noch mehr. Das Flugzeug ist ein relativ sicheres Verkehrsmittel.“

Es ist ein Werben für wieder mehr Reisefreiheit – die Voraussetzung für das wirtschaftliche Überleben der gesamten Reisebranche. Weil die Grenzen zu sind, stehen die meisten Flugzeuge derzeit am Boden. Ganz langsam versuchen die Airlines den Neustart.

Lufthansa will ab Juni 80 Flugzeuge wieder in Betrieb nehmen und das Angebot etwas ausweiten. Ryanair will ab Juli sogar wieder rund 40 Prozent des ursprünglichen Flugplans anbieten. Voraussetzung sei aber, dass die Reisebeschränkungen gelockert beziehungsweise aufgehoben würden, erklärte die Ryanair-Führung.

„Wir beschäftigen uns jetzt mit der Frage, wie wir wieder anfahren können. Die Wirtschaft muss wieder in die Gänge kommen, sonst werden die Wohlfahrtsverluste zu groß“, mahnte Fraport-Chef Schulte. Man sei da auch bereits in guten Gesprächen mit der Regierung. Die Bundesregierung habe im ersten Schritt ein exzellentes Krisenmanagement betrieben, lobte Schulte: „Wir hätten uns aber alle klarere Vorgaben gewünscht, wann und bei welchen Kennzahlen es wieder mehr Öffnung geben wird.“

Vorerst noch leere Flughäfen

Der Flughafen-Manager sieht gute Chancen, die erforderlichen Schutzmaßnahmen an den Flughäfen durchzuhalten – zumindest in der Anfangszeit des Wiederhochfahrens: „Luftfahrt ist insofern in der guten Situation, dass wir die Passagierströme sehr gut nachvollziehen können.“ Man könne viele Vorgaben wie die Abstandsregeln in einem großen Terminal zu Beginn erfüllen.

Möglich ist das wohl auch deshalb, weil Schulte nur sehr langsam mit einer Normalisierung in der Luftfahrt rechnet, es also an den Flughäfen vorerst recht leer bleiben wird.

Im November/Dezember werde vielleicht 30 bis 35 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht, 2021 mit viel Glück dann 50 Prozent und 2022 vielleicht 80 Prozent, so Schulte. Erst 2023 werde wieder weitgehend das Vorkrisenniveau von 2019 möglich sein.

Kurzfristig setzt der Fraport-Chef bei der Erholung eher auf die beruflichen Vielflieger. So kann der Airport-Manager bereits eine etwas bessere Auslastung der wenigen Flüge erkennen: „Geschäftsleute fliegen wieder mehr.“

Dennoch werde sich mittel- und langfristig einiges in der Geschäftswelt in Richtung digital verschieben, auch wenn persönliche Kontakte weiter wichtig seien. Das werde zu einem Nachfragerückgang führen. Für den Privatreiseverkehr sei er dagegen langfristig zuversichtlich – und sehe kurzfristig eine Delle, „weil wir in eine Rezession kommen werden und Kaufkraft verloren geht“.

Fraport will ohne Staatshilfen auskommen

Das wiederum wird nach Ansicht des Fraport-Chefs zu einem erhöhten Wettbewerbsdruck zwischen den Flughäfen führen. Das dürften auch die Airlines bei ihren Gebührenverhandlungen nutzen. Eine konkrete Prognose zu den Folgen wollte Schulte nicht abgeben. Nur so viel ließ er sich entlocken: „Wir haben eine hohe Nettofinanzverschuldung, dafür brauchen wir auch entsprechende Entgelte.“

Auch zum Dauerstreit mit dem größten Kunden Lufthansa und dem nun wachsenden Druck durch die Coronakrise äußerte sich der Manager eher zurückhaltend: „Wir arbeiten gut mit der Lufthansa zusammen, gerade jetzt in der Krise, in der wir viele Themen gemeinsam angehen.“

Das Thema Entgelte stehe dabei natürlich immer auf der Agenda. „Ob sich das Verhältnis zwischen beiden Seiten ändert, wenn es eine Staatsbeteiligung gibt, weiß ich nicht. Lufthansa ist eine gut gemanagte Airlines und wir sind froh, dass es sie gibt.“

Fraport selbst sieht Schulte finanziell auf der sicheren Seite und will ohne Staatshilfen auskommen. Ende April habe die Liquidität rund 2,5 Milliarden Euro betragen. Bei Fixkosten von monatlich etwa 100 Millionen Euro und einem um 150 Millionen Euro schwankenden Mittelabfluss im Monat sei das eine ausreichende Vorsorge, so Schulte: „Wir können das also sehr lange durchhalten.“ Dennoch gebe es viel Unsicherheit bei den Mitarbeitern. „Nun gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen.“