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Fraport bekommt die Vorsicht der Airlines zu spüren

Der Frankfurter Flughafenbetreiber wächst langsamer. Der CEO bleibt zuversichtlich, zeigt sich aber von den zuletzt langen Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen genervt.

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen gut aus. Der Flughafenbetreiber Fraport hat in den ersten neun Monaten einen Umsatz von 2,85 Milliarden Euro erzielt, ein Plus von zwölf Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte von Januar bis September um 2,6 Prozent auf 595,3 Millionen Euro zu. Hier wirkten sich neue Bilanzvorschriften aus, die die Abschreibungen deutlich erhöhten. Das Konzern-Ergebnis stieg um 9,4 Prozent auf 413,5 Millionen Euro.

Dennoch warnte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte am Mittwochvormittag bei der Vorstellung des Quartalsberichts in der Unternehmenszentrale am Frankfurter Flughafen wiederholt vor zu hohen Erwartungen: „Wir haben immer gesagt, dass wir hier in Frankfurt das starke Wachstum der letzten Jahre nicht fortsetzen können und es eine Normalisierung geben wird.“

Ein Hinweis, den Investoren und Analysten aufmerksam vernommen haben werden. Schon länger fragen sie sich, ob und in welchem Umfang das Unternehmen an seinem Heimatdrehkreuz Frankfurt von dem sich verlangsamenden Wachstum in der Luftfahrt betroffen sein wird. In den ersten zehn Monaten wuchs dort die Zahl der Passagiere um 2,2 Prozent – ein eher bescheidendes Plus.

In den Zahlen von Fraport und anderen Flughäfen spiegeln sich die Insolvenzen vieler kleinerer Airlines in den zurückliegenden Monaten wider. Hinzu kommen ein harter Preiswettbewerb und steigende Treibstoffkosten. Auch ist der Vergleich mit dem Jahr 2018 verzerrt.

Nach der Insolvenz von Air Berlin hatten die Rivalen im Wettstreit um Marktanteile ihre Kapazitäten massiv ausgebaut. Das führte zu einem Überangebot, das nun wieder bereinigt wird. Viele Airlines werden bei der Kapazitätsplanung vorsichtiger.

Darauf wies auch Schulte ausdrücklich hin und nannte als Beispiel die Planungen für den aktuellen Winterflugplan in Frankfurt. Danach werden die Flugbewegungen gegenüber dem vergangenen Winter um vier Prozent zurückgehen, was ausschließlich an einer deutlich geringeren Zahl an Kurzstrecken-Flügen liegt.

Die Experten der Schweizer UBS mahnen deshalb bei Fraport zur Vorsicht. Zwar dürfte das Unternehmen bei den Verkehrszahlen auf längere Sicht besser als viele Rivalen abschneiden, heißt es in einem vor wenigen Tagen publizierten Bericht. Doch die Nachfrageaussichten seien ungewiss, der Wind, der europäischen Flughafenbetreibern aktuell entgegenwehe, sei ein eisiger, so Analyst Jarrod Castle.

Fraport-Chef Schulte sieht sein Unternehmen dank der weltweiten Präsenz dennoch gut für die Zukunft aufgestellt. Dabei glänzt auch im Auslandsgeschäft mit vielen Beteiligungen rund um den Globus längst nicht mehr alles.

Im September verzeichnete Fraport hier überwiegend Passagierrückgänge, was das Unternehmen unter anderem auf die konjunkturelle Abkühlung zurückführt. Deshalb sind die Zuwachsraten bei den Passagieren in den ersten neun Monaten in Summe an vielen Flughäfen im Ausland eher gemischt. Die 14 griechischen Regional-Airports etwa steigerten die Passagierzahl um ein Prozent, Varna und Burgas in Bulgarien verbuchten sogar einen Rückgang um 11,6 Prozent. Hier wirkt sich die Insolvenz von Thomas Cook aus, die dort sehr stark vertreten waren.

Flughafen Antalya mit starkem Passagierplus

Positiv steht dagegen der Flughafen Antalya in der Türkei da, wo sich die Erholung des Vorjahres fortzusetzen scheint. Hier steht ein Passagierplus von zehn Prozent in den Büchern. Auch in St. Petersburg wuchs der Wert um 8,1 Prozent. Der chinesische Flughafen Xi'an meldete ein Plus von 6,2 Prozent bei den Fluggästen.

Für Schulte bleibt es deshalb dabei, dass der Ausbau des internationalen Geschäfts in der Vergangenheit richtig war, auch mit Blick auf das schwächelnde Geschäft im Inland: „Abgesehen von Bulgarien haben wir immer noch Wachstum. Das zeigt die Stärke.“

Tatsächlich bleibt das Auslandsgeschäft ein stabilisierender Faktor in der Bilanz von Fraport. Das zeigen die Geschäftszahlen im aktuellen Quartalsbericht. So stammen große Teile des Umsatzanstiegs aus dem Ausland. In Lima etwa wuchsen die Erlöse um 30,5 Millionen Euro und in Griechenland um 25,4 Millionen Euro. Auf Ergebnisseite (Ebit) stammt rund ein Drittel aus dem Ausland.

Deutlich Kritik äußerte Schulte einmal mehr an den langsamen Fortschritten bei der Modernisierung der Sicherheitskontrollen, die in der Zuständigkeit des Bundes liegen. Zwar habe man gemeinsam die starke Reisezeit im Sommer gut und flexibel mit zusätzlichen Kapazitäten in den Griff bekommen. Doch in den vergangenen Wochen seien die Wartezeiten der Passagiere in Frankfurt „inakzeptabel lang“ gewesen.

Schulte appellierte an die Bundesregierung, das Thema mit Priorität zu behandeln. „Wir fahren hier ein Produkt in die Grütze, so geht es einfach nicht.“ Dezidiert verwies der Fraport-Chef auf das Beispiel Düsseldorf. Dort hat der Dienstleister Kötter, der die Kontrollen im Auftrag der Bundespolizei durchführt, um vorzeitige Auflösung des Vertrages gebeten.

Für Schulte eine nachvollziehbare Entscheidung. „Es werden Verträge gemacht mit dem Beschaffungsamt ohne jegliche Incentives und Pönale. Das führt dazu, dass die Dienstleister diese Verträge zurückgeben, weil sie es einfach nicht leisten können.“

In Frankfurt droht so eine Situation zwar nicht. Dort kontrolliert die Bundespolizei selbst. Schulte bezeichnete die Zusammenarbeit als „exzellent“.

Dennoch fehlt auch hier Personal. Das sei aber keine Frage der Bezahlung, so Schulte. „Wir brauchen in dem bestehenden Setup mehr Flexibilität. Wir bräuchten weniger Personal, wenn die Flexibilität höher wäre“, sagte Schulte.

Für das gesamte Jahr bekräftigte der Fraport-Chef die Prognose. Das Betriebsergebnis (Ebit) soll zwischen 685 Millionen und 725 Millionen Euro landen, das Konzern-Ergebnis bei 420 Millionen bis 460 Millionen Euro.