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Die Flutkatastrophe im Ahrtal machte diesen 19-Jährigen zum Gründer

Denis Drosdzol hält seine Erfindung in der Hand. Mit dem Umkippschutz für Tauchpumpen soll die Arbeit bei Überschwemmungen sicherer werden.  - Copyright: Privat
Denis Drosdzol hält seine Erfindung in der Hand. Mit dem Umkippschutz für Tauchpumpen soll die Arbeit bei Überschwemmungen sicherer werden. - Copyright: Privat

Denis Drosdzol hat eine Katastrophe miterlebt, die über 180 Menschen das Leben gekostet hat: das Jahrhunderthochwasser im Ahrtal. Der damals 19-Jährige rettete als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr mitten in der Nacht Menschen aus einem Neubaugebiet in Eschweiler bei Aachen aus ihren Häusern. Da habe ihm das Wasser bereits bis zur Brust gestanden. Autos, Schutt und Sofas seien währenddessen an ihm vorbei weggeschwemmt worden.

Seine Schicht habe da gerade erst begonnen, wie er Gründerszene erzählt: Es folgten weitere dramatische Rettungsmaßnahmen, unter anderem in einem Altersheim und vor dem Krankenhaus Eschweiler, denn dort zerstörte die Flut den ganzen Keller des 400-Betten-Krankenhauses. „Unsere Aufgabe war es, die Straße vor dem Krankenhaus von Wasser zu befreien“, so Drosdzol. Denn Rettungsfahrzeuge konnten die Straße nicht überqueren, ohne sich die Reifen durch herumliegende Scherben aufzuschlitzen.

Drosdzol griff also zur Tauchpumpe aus dem Feuerwehrwagen, um die Straßen von den Wassermassen zu befreien. Die gehört nämlich zur Standardausrüstung der Feuerwehr. Allerdings haben die Pumpen ein Problem, wie Drosdzol während des Kriseneinsatzes feststellte: „Unsere Tauchpumpen kippten immer wieder um.“ Dadurch funktionieren sie nicht richtig und müssen von einer Person wieder aufgestellt werden. Das kann jedoch richtig gefährlich werden, etwa dann, wenn Gegenstände wie Autos, Möbel aber auch Scherben durchs Wasser treiben. Wer sich dann verletzt und in Kontakt mit kontaminiertem Wasser kommt, hat ein Problem.

Der erste Prototyp entstand 24 Stunden nach dem Hochwasser

„Das muss doch auch anders gehen“, habe Drosdzol da gedacht, der gerade im fünften Semester Verfahrenstechnik studiert – und keine 24 Stunden später nach dem Einsatz den ersten Prototypen eines Umkippschutzes für die Tauchpumpen baute. Den bastelte er sich zusammen aus alten Rohrleitungen und machte erste Tests im Pool der Feuerwehrwache. Egal, wie hoch das Wasser stand– ob 50 cm oder 3 m hoch: „Der Umkippschutz blieb stehen“, erzählt er.

„Das Ding ist ein einfaches Rohr. Wenn man es umdreht, könnte man meinen, es ist ein Siphon“, beschreibt Drosdzol seine Erfindung. Das S-förmige Rohr soll das Umkippen der Tauchpumpen, die das Wasser einsaugt, verhindern, es dient als Verbindungsstück zwischen der Tauchpumpe und dem Schlauch, durch das das Wasser abgepumpt und wegtransportiert wird.

Monate lang nach der Flutkatastrophe führte der Gründer nicht nur an Land und im Wasser, sondern auch am Computer Tests und Berechnungen durch, um beispielsweise die Statik des S-Rohrs zu berechnen – wie er es aus seinem Ingenieursstudium auch kennt. Die Gründung seines Startups Lenz Technology erfolgte schließlich im März 2022.

Seither werden zwei der Pumpen aus Edelstahl von der Feuerwehr Gelsenkirchen genutzt und zugleich getestet. Auf Anfrage produzieren vier Hersteller aus Nordrhein-Westfalen den Kippschutz. Für die Kosten sei der Gründer zunächst selbst aufgekommen. Mit 499 Euro pro Stück ist die Herstellung nicht unbedingt günstig. Das hat vor allen Dingen mit den hohen Rohstoffpreisen auf dem Weltmarkt zu tun, erklärt Drosdzol. Darum überlegt er, von Edelstahl auf Aluminium umzusteigen, um so günstiger produzieren zu können. Bei der Auswahl des Rohstoffs ist dem heute 20-Jährigen vor allen Dingen wichtig, dass die Materialien aus Europa stammen, um sich nicht vom Ausland abhängig zu machen.

Künftig wird es noch mehr Extremwetter-Ereignisse geben

Überschwemmungen und Hochwasser sind auch heute schon keine Seltenheit mehr in Deutschland. Der Bundesregierung zufolge haben sich die Extremwetter-Ereignisse in den vergangenen 30 Jahren sogar verdoppelt. Dieser Trend werde sich aufgrund des Klimawandels auch in den kommenden Jahren fortsetzen, sind sich Experten einig. Und so sind umfallende Pumpen für Drosdzol ein besonderer Dorn im Auge. Denn die behindern die Arbeit der Feuerwehrkräfte, zu denen er auch gehört.

Für seinen selbst entwickelten Umkippschutz sieht der 20-Jährige aufgrund der zunehmenden Hochwasser großes Potenzial. Auch deshalb, weil es hierzulande mehr als 65.000 Feuerwehrwagen gebe, wie Drosdzol vorrechnet. Noch nicht mit einbezogen seien die Fahrzeuge von anderen Hilfsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk oder eben auch der Bundeswehr, die bei schweren Katastrophen anrückt. „Das ist ein Millionengeschäft“, glaubt der Gründer.