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Fleischkonzernerbe will in Asien mit Fleischersatz punkten

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Mit dem Start-up Like Meat hatte Timo Recker in Europa Erfolg. Nach dem Verkauf der Firma will der junge Gründer nun Asiaten vom Fleischkonsum abbringen.

Timo Recker schließt vor seinem Gesicht Daumen und Zeigefinger zu einer ovalen Form zusammen. So groß sollen seine Hähnchenimitate aus Soja in etwa werden, erklärt der Unternehmer aus Niedersachsen, der mit seinem Produkt die Menschen in Asiens Großstädten zu weniger Fleischkonsum ermutigen will. Aussehen und schmecken werde sein pflanzlicher Fleischersatz wie ein saftiger Schenkel, verspricht Recker. „Nur eben ohne Haut und Knochen“, fügt er hinzu.

Mit Lebensmitteln, die wie Fleisch aussehen, aber keines sind, kennt sich der 34-jährige Gründer gut aus: Sieben Jahre lang baute er in Deutschland die Veganfirma Like Meat auf, die Produkte wie Dönerfleisch aus Soja oder Bratwürste aus Erbsen in 15.000 europäische Supermärkte brachte. Anfang des Jahres verkaufte er die Firma für eine nicht näher genannte Summe an Foods United, das zum Schweizer Lebensmittelinvestor Blue Horizon gehört. Mit einem Teil der Erlöse will er nun den Erfolg im Fleischersatzgeschäft wiederholen – dieses Mal im Fernen Osten.

Sein neues Lebensmittel-Start-up mit dem Namen Next Gen Foods will Recker an diesem Donnerstag in Singapur offiziell vorstellen. Er hat den südostasiatischen Stadtstaat als neuen Unternehmensstandort und ersten Testmarkt für sein neues Produkt ausgewählt. „Hier haben wir ganz viele ethnische Gruppen und Geschmäcker, wo wir unser Produkt sehr gut ausprobieren können“, sagt Recker über die Metropole, die große Bevölkerungsgruppen mit chinesischer, malaiischer und indischer Abstammung vereint.

Für das kommende Jahr hat der Gründer, der den Start des Unternehmens mit zwei Millionen Euro aus der eigenen Tasche finanziert, bereits Expansionspläne: Er will seinen Hähnchenersatz dann in vier weiteren asiatischen Großstädten vertreiben – unter anderem in Hongkong. Er schwärmt von einem gigantischen Geschäftspotenzial: „Die Nachfrage nach pflanzenbasierten Produkten ist in den vergangenen Jahren explodiert“, sagt er.

Und das könnte so weitergehen. Laut einer Studie der Großbank UBS werden die globalen Umsätze mit Fleischersatz von 4,6 Milliarden Dollar im Jahr 2018 bis 2030 auf 85 Milliarden Dollar ansteigen. Vor allem in Asien erwarten Marktforscher ein hohes Wachstum.

Impossible Foods als Vorbild

Sein unternehmerischer Fokus auf Alternativen zu den Produkten der Fleischindustrie überrascht mit Blick auf Reckers Biografie auf den ersten Blick: Sein Vater betreibt in der niedersächsischen Gemeinde Wetschen einen alteingesessenen Fleischbetrieb, der seit drei Jahrzehnten tiefgekühlte Schweineschnitzel produziert und diese in Supermärkten vertreibt.

Nach dem Studium an der European Business School in London arbeitete Recker kurz in dem Familienunternehmen mit – wollte dann aber einen anderen Weg einschlagen. „Ich liebe Fleisch und finde Schnitzel super“, sagt er. Bei der Schweineschlachtung zuzusehen habe ihm aber Probleme bereitet. „Ich konnte mich damit nicht identifizieren“, sagt er.

Mit Unterstützung seines Vaters suchte Recker nach einer Alternative und gründete 2013 Like Meat. Das Unternehmen warb mit Gemüseprodukten, die sowohl vom Geschmack her als auch der Konsistenz echtem Fleisch stark ähneln sollten. Auf den Markt kam Recker damit, bevor US-Konkurrenten wie Beyond Meat und Impossible Foods einen globalen Hype um Fleischalternativen auslösten und auch deutsche Mitbewerber wie die Rügenwalder Mühle den Markt aufmischten.

Like Meat wuchs vergleichsweise langsam auf zuletzt rund 100 Mitarbeiter. Recker sieht sein früheres Start-up aber als Erfolg: „Wir haben zwei eigene Fabriken aufgebaut und waren zum Schluss ein profitables Unternehmen.“ Den Verkauf des Unternehmens bezeichnet er als „krönenden Abschluss“ des Kapitels.

In Singapur wolle er nun noch einmal ganz von vorn anfangen – aber mit einem geänderten Geschäftsmodell. Statt die Produkte selbst herzustellen, soll sich sein neues Start-up auf Forschung und Entwicklung sowie das Marketing konzentrieren. Gefertigt wird der Fleischersatz von Produktionspartnern.

Zudem will sich Recker zunächst nicht direkt an die Endkunden wenden, sondern Restaurants und Fast-Food-Ketten als Abnehmer gewinnen. Diese sollen auf ihren Menüs Reckers Fleischimitat gezielt bewerben, wünscht sich der Unternehmer. Vorbild sei dabei Impossible Foods, das seinen Hamburger-Fleischersatz auch zunächst ausschließlich über Restaurants vertrieben hat.

Unter welchem Markennamen Reckers Produkt, das ab Ende des Jahres zu haben sein soll, auf den Markt kommt, will der Unternehmer noch nicht verraten. Sein Start-up ließ in Singapur aber unter anderem den Markennamen Thy registrieren – offenbar in Anlehnung an den englischen Begriff für Hähnchenschenkel, Chicken Thigh.

Recker hofft, in den kommenden Jahren eine globale Marke aufbauen zu können. Als Märkte findet er auch Brasilien und die USA interessant. Von Deutschland will er sich vorerst noch fernhalten – auch um seiner alten Firma keine zusätzliche Konkurrenz zu machen.