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Firma wegen Überwachung mit smartem Kissen in der Kritik

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Ein chinesisches Unternehmen hat seinen Mitarbeitern ein Kissen untergeschoben – im wahrsten Wortsinn. Das smarte Accessoire sorgt nicht nur für mehr Sitzkomfort, sondern sammelt auch Daten und kontrolliert die Anwesenheit.

(Beispielbild: Getty Images)
(Beispielbild: Getty Images)

Machst du noch Pause oder sitzt du schon? Darüber wacht bei der chinesischen Firma Hebo Technology ein Kissen, das auf den Bürostühlen der Mitarbeiter installiert wurde. Die smarte Sitzauflage wurde von dem in Hangzhou ansässigen Technologieunternehmen selbst entwickelt und jedem Mitarbeiter als Geschenk überreicht, wie die South China Morning Post berichtet.

Mehr als eine nette Geste

Ursprünglich sei das Geschenk von den Angestellten als großzügige Geste ihres Arbeitgebers gewertet worden. Denn angeblich sollte das intelligente Accessoire der Gesundheit förderlich sein. Es überwacht die Vitalfunktionen und sagt den Nutzern, wann sie sich dehnen müssen.

Doch in Wahrheit steckt dahinter ein „Spionagekissen“, das die Leistung der Angestellten überwacht und den Gewinn des Unternehmens steigern soll, so die Zeitung. Das Kissen kann Herzfrequenz, Atmung, Müdigkeit und Körperhaltung überwachen. Dass die Daten an die Chefs weitergeleitet und gesammelt wurden, sei nur zufällig herausgekommen.

Personalabteilung überprüft die Daten

Wang, eine Firmenadministratorin von Hebo, hatte im Internet über die Kissen berichtet und sorgte damit für empörte Reaktionen. „Ich fühlte mich nackt bei der Arbeit. Es ist, als ob sie einen Monitor an mir installiert haben“, schrieb sie. „Die gesammelten Daten – ob Sie etwa an Ihrem Platz sitzen oder nicht, ob Sie emotional werden – liegen komplett in den Händen von Ihrem Chef. Darüber hinaus überprüft die Personalabteilung die Daten. Heißt das, dass unsere Arbeitsleistung auch anhand dieser Informationen bewertet wird?“

Das etwas nicht stimmte mit dem „Geschenk“ habe Wang festgestellt, als sie in der Kaffeeküche von einer Vorgesetzten angesprochen wurde, warum sie nicht „jeden Morgen zwischen 10 und 10.30 Uhr an ihrem Schreibtisch gewesen“ sei. Anschließend habe die Managerin noch „scherzhafte“ Drohungen gemacht, dass man Wang deshalb den Bonus kürzen werde.

Disziplinarverfahren eingeleitet

Auf Nachfrage des 21st Century Business Herald bestritt Hebo Technology die Vorwürfe. „Dahinter, unseren Mitarbeitern das Kissen zu geben, steckt die Absicht, mehr Versuchsdaten zu sammeln, anstatt die Angestellten im Auge zu behalten“, so ein Sprecher des Unternehmens.

Der Sprecher räumte jedoch ein, dass der Personalmanager gegen die Datenschutzbestimmungen verstoßen habe, weil Daten mit Kollegen ausgetauscht wurden. Deshalb seien auch Disziplinarmaßnahmen ergriffen worden.

Darüber hinaus versicherte er, dass die Daten nicht zur Überprüfung der Arbeitsleistung von Angestellten verwendet und nicht zu Gehaltsüberprüfungen genutzt würden.

Anwälte meldeten sich zu Wort

Anwälte kritisierten zudem, dass Hebo Technology möglicherweise gegen Datenschutzgesetze verstoßen habe – auch deshalb, weil man den Mitarbeitern Informationen und Einverständniserklärungen nur in englischer Sprache zur Verfügung gestellt habe.

„Wenn das Unternehmen die Mitarbeiter über die Tests informiert und ihre Zustimmung eingeholt hat, ist das Testprogramm legal“, sagte Yang Wenzhan, ein Anwalt der Anwaltskanzlei Zhongdun in Peking, gegenüber dem 21st Century Business Herald. „Aber diese Dokumente sind beide auf Englisch. Wird so garantiert, dass die Mitarbeiter den Inhalt [in den Dokumenten] klar kennen? Die zweite Sache ist, dass die Daten an die Personalabteilung weitergegeben werden, was gegen das ursprüngliche Versprechen des Unternehmens verstößt, die Daten geheim zu halten.“

Diskussionen im Internet

Die meisten Internetnutzer verurteilten das Unternehmen aus Hangzhou für sein Vorgehen und stimmten mit der Aussage eines Nutzers überein, der auf der Social-Media-App WeChat postete: „Das geht zu weit. Die Mitarbeiter sind in den Augen ihrer Chefs nur Werkzeuge, ohne Privatsphäre oder Respekt.“ Ein anderer Nutzer stellte sich gegen Wang: „Es ist definitiv nicht richtig, wenn du bei der Arbeit faul bist. Wenn du persönliche Angelegenheiten zu erledigen hast, solltest du sie mit deinem Chef absprechen.“

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