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Das Fenster für EZB-Signale schließt sich: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Wenn Christine Lagarde und ihre Kollegen im Rat der EZB Andeutungen auf ihre möglichen nächsten geldpolitischen Beschlüsse geben wollen, dann bleiben ihnen nur noch ein paar Tage. Ab Donnerstag gilt die traditionelle Schweigeperiode vor der Zinsentscheidung am 15. Dezember.

Je nachdem, wen man fragt, steht entweder ein halbes oder ein dreiviertel Prozentpunkt Zinsanhebung an. Die Geldmärkte wetten nach den schwächer als erwartet ausgefallenen Inflationsdaten auf einen Schritt von 50 Basispunkten, also eine Verlangsamung des Tempos. Das würde auch zur nachlassenden Aggressivität der Fed passen.

Besonders starke Signale dahingehend, dass sie damit falsch liegen, haben die EZB-Räte bisher nicht gesendet. Lagarde hat laut Kalender noch bei zwei Auftritten die Chance, dies zu tun, von denen einer allerdings schon in der Schweigeperiode liegt. An der Datenfront steht die EZB-eigene Umfrage zu den Inflationserwartungen der Verbraucher an sowie eine zweite Möglichkeit für die Euro-Banken, die Billigkredite der EZB vorzeitig zurückzuzahlen. Hinter den Kulissen wird indessen schon an den Stabsprojektionen gefeilt, die die Entscheidung des EZB-Rats ebenfalls beeinflussen werden.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bereitet nach Angaben des Wall Street Journal ein Investment in die Investmentbank der Credit Suisse vor.

  • Der Volkswagen-Konzern soll nach dem Willen von CEO Blume künftig erst die Software festlegen und dann die Modelle ableiten, wie das Handelsblatt berichtet.

  • Bundesbankchef Nagel und Frankreichs Villeroy haben in einem gemeinsamen TV-Interview ihre Entschlossenheit bekräftigt, die Rekordinflation im Euroraum wieder auf 2% zu drücken. In einem zweiten Interview sprach sich Villeroy für einen 50-Bp-Zinsschritt im Dezember aus.

  • Der Broker Flatex wird den Nettogewinn 2022 vollständig einbehalten, nachdem die Bafin bei einer Sonderprüfung Mängel bei Geschäftspraktiken und Unternehmensführung festgestellt hat. Der Ausblick wurde gesenkt-

ANALYSEN:

  • Bei der Erste Group ist die Lage in Bezug auf Problemkredite nicht so besorgniserrend wie es scheint, sagt Bloomberg Intelligence.

  • Morgan Stanley sieht China-Aktien erstmals seit zwei Jahren optimistisch.

AKTIENMÄRKTE | An den chinesischen Börsen klettern zum Wochenstart die Kurse, da Peking die Öffnung der Wirtschaft beschleunigt. Nach den Protesten gegen die strikte Gangart bei der Corona-Eindämmung haben Shanghai und Hangzhou nun einige Maßnahmen gelockert. Der Hang Seng Index in Hongkong gewann 3,9%, für den CSI 300 für die Märkte Shanghai und Shenzhen ging es 1,6% voran. Der MSCI Asia Pacific steuert auf das höchste Schlussniveau seit August und geht damit einem technischen Bullenmarkt entgegen. Die Wall Street schloss am Freitag kaum verändert und auch für den Handelsstart in Europa weisen die Futures seitwärts.

RENTENMÄRKTE | Am europäischen Rentenmarkt sanken am Freitag die Kurse. Verkaufsdruck kam auf, nachdem die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten stärker ausfielen als erwartet. Dies sprach gegen das Szenario, dass die US-Notenbank ihre geldpolitische Straffung abschwächen wird. Auf Wochensicht sanken indessen sowohl bei 10j Bunds als auch bei BTP die Renditen. Der nun vierwöchige Abwärtzstrend war der längste seit Juli 2021. Heute sprechen Frankreichs EZB-Ratsmitglied Villeroy, Irlands Makhlouf und Belgiens Notenbankchef Wunsch. Auf der Agenda stehen zudem finale PMI-Daten für Deutschland und den Euroraum.

ROHSTOFFMÄRKTE | Nach der Abwärtskorrektur am Freitag tendiert der Ölmarkt am Montag freundlich angesichts von Chinas Maßnahmen zur Wiederöffnung der Wirtschaft. Russland indessen hat bekräftigt, in Reaktion auf den $60-Preisdeckel der EU zur Einschnitten bei der Fördermenge bereit zu sein. Der Goldpreis hat mit Kursverlusten beim Dollar und den Nachrichten zu Chinas Corona-Politik ein Fünf-Monats-Hoch erreicht. Bitcoin hat sich wieder über die $17.000er-Marke gehievt.

TERMINE AM MONTAG

  • 09:00 Bundeskanzler Scholz spricht mit den Betriebsratsvorsitzenden der Dax-40-Unternehmen zur aktuellen Lage

  • Einkaufsmanagerindex/PMI nicht-verarbeitendes Gewerbe (2. Veröffentlichung) für Frankreich (09:50), Deutschland (09:55), Eurozone (10:00), Großbritannien (10:30), USA (15:45)

  • 10:30 Sentix-Konjunkturindex Deutschland

  • 13:00 Die BIZ in Basel veröffentlicht ihren Quartalsbericht

  • 16:30 Treffen der Eurogruppe in Brüssel

  • 22:05 Entscheidung über mögliche Änderungen in den Indizes der Dax-Familie der Deutschen Börse

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