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Wie Familienunternehmen sich in der Coronakrise aufstellen

·Lesedauer: 4 Min.

Familienunternehmen erweisen sich in der Coronakrise als stabil. 70 Prozent glauben allerdings nicht, dass die Talsohle schon durchschritten wurde.

Das Vorstandsmitglied des Autovermieters Sixt trimmt das Unternehmen auf digitale Dienste. Foto: dpa
Das Vorstandsmitglied des Autovermieters Sixt trimmt das Unternehmen auf digitale Dienste. Foto: dpa

Familienunternehmen werden in der Bewältigung der Krise eine wichtige Rolle spielen. Aber auch bei ihnen gilt: Digitalisierung ist ein Muss. Die Aussage von Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, ist deutlich: „Wir wissen jetzt schon, dass die Familienunternehmen eine stabilisierende Wirkung auf die deutsche Wirtschaft haben werden“, sagte er am Donnerstagabend bei der digitalen Edition der Hall of Fame für Familienunternehmen, einer Initiative von Handelsblatt und KMPG.

Schon vergangene Krisen hätten gezeigt, dass sie Stabilitätsanker seien, etwa als Steuerzahler oder Arbeitgeber in Krisenzeiten. Weil sie in den meisten Fällen über hohes Eigenkapital verfügen, seien sie auch unabhängiger von Banken. Das bestätigte auch Nadine Kammerlander, Professorin und Leiterin des Instituts für Familienunternehmen und Mittelstand an der WHU – Otto Beisheim School of Management. Studien hätten gezeigt, dass Familienunternehmen in Krisen deutlich seltener Mitarbeiter entlassen.

In den Live-Umfragen stimmten nur zehn Prozent der Aussage des Bundeswirtschaftsministers zu, dass die Talsohle bereits durchschritten sei. 70 Prozent sind der gegenteiligen Meinung, 20 Prozent noch unentschlossen. Als Reaktion auf die Krise und zur Vorbeugung künftiger exogener Schocks haben sich 43 Prozent der live befragten Zuschauer dazu entschlossen, ihr Geschäftsmodell künftig breiter aufzustellen. 27 Prozent wollen sich dagegen eher auf ihr Kerngeschäft fokussieren, aber weiterhin auf allen Kanälen präsent sein.

Auf die Frage, was die Unternehmen derzeit besonders schlecht schlafen lasse, antworteten 57 Prozent, dass sie einerseits Aufbruchstimmung verbreiten und Kosten sparen müssten. Nur sieben Prozent gaben an, dass sie schlecht schliefen, weil sie Mitarbeiter entlassen müssten. Nadine Kammerlander sieht das auch als einen Beleg dafür, dass die Familienunternehmen wie bereits in der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise versuchten, so wenige Mitarbeiter wie möglich zu entlassen.

Nichtsdestotrotz habe die Krise gezeigt, dass auch die Familienunternehmen sich umstellen müssten: „Die Coronakrise war für viele ein Weckruf“, sagte sie. Die Unternehmen, die sonst eher auf die nächsten zehn bis 20 Jahre schauen, würden nun stärker auch ins nächste Jahr schauen – besonders wenn es um die digitale Transformation geht.

Durch die Pandemie seien Barrieren aufgebrochen worden, etwa auch in der Zusammenarbeit mit Start-ups: „Es gibt noch keine statistischen Erkenntnisse, aber vorher gab es eine kulturelle Distanz zwischen Start-ups und Familienunternehmen.“ Im Zuge der Pandemie hätten Unternehmen festgestellt, dass sie dringend Unterstützung benötigen – und dabei auf das Know-how von Start-ups zurückgegriffen.

Es sei sicher eine Lehre gewesen, dass man querdenken müsse und vielleicht auch radikaler digitalisieren, sagte Daniel Terberger Vorstandsvorsitzender der Katag AG. Im Nachhinein hätten einige Unternehmen das vielleicht nicht mit der nötigen Vehemenz vorangetrieben.

Frühzeitige Digitalisierung erhöht Resilienz

Welchen Unterschied Digitalisierung in der Krise gemacht hat, betonte auch Anja Müller, Korrespondentin für Familienunternehmen beim Handelsblatt. Unternehmen, die schon vorher viele Prozesse und vor allem ihre Geschäftsmodelle digitalisiert hätten, seien deutlich resilienter gewesen.

Diese Erfahrung hat auch Konstantin Sixt, Vorstand für Vertrieb beim Mobilitätsanbieter, gemacht. „Es hat auf jeden Fall geholfen, dass wir sehr stark digitalisiert sind und das auch seit Jahren in der Firma leben.“ So hätte das börsennotierte Familienunternehmen zum Beispiel kontaktlose Anmietungen nicht erst in der Krise erfinden müssen.

Für Sixt ist im ganzen Prozess aber vor allem eine Komponente wichtig: die Mitarbeiter. „Für mich bleibt im Jahr 2020 der unermüdliche Einsatz der Mitarbeiter hängen. Was das für Kräfte freigesetzt hat. Alle haben an einem Strang gezogen und für die Firma gekämpft.“

Diesen Effekt sieht auch Vera-Carina Elter, Vorständin für Personal und Familienunternehmen bei KPMG. „Viele Unternehmen sind durch die Krise zwar physisch auseinandergegangen, aber die Teams sind zusammengewaschen.“

Michael Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europaparks, freut sich, dass der Freizeitpark den Betrieb wieder aufnehmen konnte, auch unter neuen Voraussetzungen. 25.000 Menschen dürfen derzeit in den Park. Vor der Pandemie seien an guten Tagen rund 50.000 Besucher gekommen. So hatten allein im Jahr 2019 rund 5,7 Millionen Menschen den Europapark besucht. Aber: „Wir sind froh für unsere vielen Mitarbeiter, dass wir die Vision und Kultur erhalten können“, sagte er.

Das Unternehmen habe zwar sehr früh in die Digitalisierung investiert, aber es sei zu früh zu sagen, ob ihnen das geholfen habe. Klar ist aber, dass die neueste Attraktion „Yullbe“, bei der die Besucher zu Avataren werden und in virtuellen Welten Abenteuer bestehen, ein wichtiger Schritt ist, das Geschäft standortunabhängiger zu machen. So bräuchte man dafür nur rund 200 Quadratmeter große Räume, und die könnten auch in Kultureinrichtungen oder Einkaufszentren als Attraktion gelten.

Auch eine weitere eigene Entwicklung von Mack stößt auf großes Interesse: ein Distanz-Radar in der App des Parks. Sie könnte durchaus für andere Unternehmen interessant sein. Damit können die Besucher schauen, ob sie ausreichend Abstand halten.