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„Für viele ist die E-Mail das höchste der Gefühle“ – Vom Studentenjob in der Zimmerei zum eigenen Handwerk-Startup

Gründer Julian Wiedenhaus hatte die Idee für sein Startup im Studium.  - Copyright: Plancraft
Gründer Julian Wiedenhaus hatte die Idee für sein Startup im Studium. - Copyright: Plancraft

Die Handwerksbranche steht vor großen Veränderungen. Das liegt nicht nur am Fachkräftemangel, sondern auch am Generationenwechsel. Handwerksbetriebe gehen mit der Zeit und stellen um: von analog auf digital. Für Gründer Julian Wiedenhaus ein spannender Zeitpunkt, wie er sagt. Er und sein Team gehörten zu den Ersten, die eine cloudbasierte Software für Handwerker bereitstellten, so Wiedenhaus im Gespräch mit Gründerszene. Ihr Startup Plancraft übernimmt administrative Aufgaben wie das Erstellen von Aufmaßen, das heißt, welche Leistungen bei Bauprojekten gestellt werden müssen, sowie das Schreiben von Rechnungen und Angeboten. An dem Produkt hat der Gründer bereits vom Vorlesungssaal aus gearbeitet.

Wiedenhaus gründete Plancraft 2020 mit seinen Co-Gründern Alexander Noll (CPO) und Richard Keil (CTO). Er selbst war da noch im Studium und stand davor, seinen Master in International Management und Engineering an der TU Hamburg zu absolvieren. Nach kurzem Vollzeit-Job legte er die Konzentration voll und ganz auf sein Handwerk-Startup. Eigentlich würde er alles wieder so machen, wie er uns sagt. Bis auf die Anstellung zu den Anfangszeiten von Plancraft. „Auch wenn ich nicht gewusst hätte, wie ich die nächsten Monate die Miete zahlen soll“, sagt er.

Während seines Studiums haben er und Co-Gründer Noll in der Zimmerei von Nolls Vater ausgeholfen und sollten Betriebsprozesse verbessern. Dass die Digitalisierung in Deutschland häufig nur schleppend vorankommt, ist keine neue Erkenntnis. Doch gerade in der Handwerksbranche wird auf veraltete und analoge Methoden beim Erstellen von Aufträgen und Co. gesetzt, wie Noll und Wiedenhaus bemerkten. „Für viele ist die E-Mail das höchste der Gefühle“, so der Gründer. Die beiden hätten eine Chance erkannt – auch, weil es kaum vergleichbare Angebote gegeben habe, sagt Wiedenhaus uns.

Plancraft soll Handwerker entlasten

Ihre Software Plancraft soll den Handwerkern Aufgaben wie das Erstellen von Angeboten und Kalkulationen erleichtern. „Viele Betriebe, mit denen wir gesprochen haben, waren am Stresslimit“, erzählt er uns. Gerade bei kleineren Handwerksbetrieben mit wenigen Mitarbeitern sei es schwer, die Arbeitslast zu verteilen: „Es gibt nicht wie bei großen Unternehmen ein eigenes Department für Marketing und den Vertrieb.“

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Das Angebot, das sie mit Plancraft bereitstellen, sei laut Wiedenhaus kein Hexenwerk. „Es geht darum, die Grundprozesse zu digitalisieren.“ Bisher habe das Startup eigenen Angaben zufolge rund 5.000 Handwerker unterstützt und die Software eine Milliarde Euro Bauvolumen abgewickelt. Wer mit dem Programm arbeiten will, kann es auf dem Desktop oder als App nutzen. Die Angebote starten bei einem Anfängerpaket von 29,90 Euro im Monat und gehen bis zum Premium-Abo mit 199,90 Euro monatlich – inklusive persönlichem Ansprechpartner bei Plancraft.

Das Marktpotential für die Software ist groß. In Deutschland gibt es laut dem Branchenverband ZDH fast sechs Millionen Handwerker. Bisher nutzen dem Gründer zufolge vor allem Handwerker in den Ballungsgebieten das Angebot. In den ländlicheren Regionen gebe es eine geringere Abdeckung. Das habe auch mit dem stockenden Internetausbau dort zu tun, so der Gründer. „Interessierte haben uns auch schon gesagt, dass sie gerne auf eine cloudbasierte Anwendung wechseln würden, aber keinen stabilen Internetzugang haben.“ Und er ergänzt: „Es kann nicht sein, dass Unternehmen in Deutschland 2024 gegründet werden und keinen vernünftigen Internetzugang haben.“

2,5 Millionen Euro für das Startup

Grundsätzlich sei ihr Programm für alle Handwerksbereiche da. Am häufigsten nutzen Plancraft demnach Maler, Zimmerer, Dachdecker und Bodenleger. Als Zielgruppe definiert der Gründer Betriebe mit einer Größe von bis zu 50 Mitarbeitenden – mit Fokus auf kleinere Betriebe.

Plancraft selbst beschäftigt knapp vier Jahre nach der Gründung 40 Personen. Das Startup ist VC-finanziert und hat nach einer Pre-Seed- und einer Seed-Finanzierungsrunde rund 2,5 Millionen Euro eingesammelt. Profitabel sei das Startup noch nicht. Wiedenhaus begründet dies mit den eigenen Wachstumsbestrebungen und betont die bewusste Entscheidung dazu, mit Investoren zusammenzuarbeiten. Angaben zum Umsatz will Wiedenhaus nicht machen.

Um weiterzuwachsen, setzt Plancraft auch auf Kooperationen. Mit dem bekannten Maschinenbauer Stihl gibt es seit dem vergangenen Jahr eine Zusammenarbeit. "Stihl kam auf uns zu", erzählt Wiedenhaus. Man erhoffe sich, einen Mehrwert für die Stihl-Nutzer zu bieten – und somit auch den eigenen Kundenstamm zu erweitern.