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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Super-Mario soll es richten, Curevac nimmt Mutanten ins Visier, europäische Aktien im Risk-on-Modus, Deutschland stürzt vom Innovationsthron, und Porsche muss digitaler werden. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Super-Mario soll es richten

Ex-EZB-Präsident Mario Draghi soll Italiens nächster Premierminister werden, um das Land aus der Rezession zu führen. Nachdem der scheidende Giuseppe Conte seine Hoffnungen auf ein Comeback begraben musste, wird sich Staatsoberhaupt Sergio Mattarella am Mittwoch mit Draghi treffen und ihn formell bitten, eine Regierung zu bilden. Die Renditen italienischer Anleihen fielen, der Aufschlag gegenüber Bunds schrumpfte auf den niedrigsten Stand seit dem 12. Januar. Draghi wird zugeschrieben, den Euro auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise 2012 mit seiner “Whatever it takes“-Rede gerettet zu haben. Der - in Anlehnung an eine Computerspielfigur scherzhaft Super-Mario genannte - Draghi könnte den politischen Ränkespielen Italiens ein Ende setzen - wenn er eine Mehrheit in beiden Kammern des Parlaments gewinnt.

Curevac nimmt Mutanten ins Visier

Im Kampf gegen neue Varianten des Corona-Virus wollen das Tübinger Unternehmen CureVac und die britische GlaxoSmithKline nun mRNA-Impfstoffe der nächsten Generation entwickeln. Glaxo kündigte zudem an, in diesem Jahr bis zu 100 Millionen Dosen des COVID-19-Impfstoffkandidaten CVnCoV von CureVac zu produzieren. Ebenfalls gegen neue Stämme wirksam sein könnte Russlands Sputnik-V-Vakzin. Dieses sei nach einer Zulassung “herzlich willkommen” in Deutschland, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstagabend in der ARD. Sie habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin jüngst “genau darüber” gesprochen, so die Kanzlerin. Dass die EU bei den Impfungen hinterherhinkt “wurmt einen natürlich”, so Merkel. Deutschland hat 933 neue Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Europäische Aktien im Risk-on-Modus

Die europäischen Aktien setzten ihre Risk-on-Rally am Mittwoch fort. Sorgen um die Marktwirkung von Kleinanlegern, die im Schwarm agieren, verblassten und machten Optimismus zur Gewinnlage der Unternehmen Platz. Italienische Aktien profitierten von der Aussicht auf Draghi als nächstem Premierminister. Gegen Mittag lag der Stoxx Europe 600 Index rund 0,6% im Plus, die Aktien in Europa sind auf dem Weg zu ihrem besten Drei-Tages-Gewinn seit November. “Wir sind vorsichtig optimistisch für Italien, da Mario Draghi ein Game Changer und eine angesehene Figur ist”, sagte Sebastien Galy von Nordea Asset Management. “Die Reaktion des Marktes deutet darauf hin, dass erwartet wird, dass eine solche Draghi-Regierung eine Weile regieren und Reformen durchsetzen kann.” In Deutschland stiegen Freenet nach Wiederaufnahme der Dividende und einem angekündigten Aktienrückkauf. Im Dax gehörten Daimler zu den Hauptgewinnern. Das Unternehmen steht informierten Kreisen zufolge kurz vor einer Entscheidung zu einem möglichen IPO der LKW-Sparte.

Deutschland stürzt vom Innovationsthron

Deutschland ist im Bloomberg Innovation Index 2021 von der Top-Position im Vorjahr auf Rang vier abgerutscht. Südkorea hat sich den Spitzenplatz zurückerobert, den es in sieben der neun Jahre seit Veröffentlichung des Index hielt. Singapur und die Schweiz rückten jeweils um einen Platz vor auf die Positionen zwei und drei. Österreich lag auf dem zehnten Platz. Bereits vor zwei Jahren hatte Jürgen Michels, Chefökonom der Bayerischen Landesbank, gewarnt, dass Deutschland Fachkräfte und eine geeignete Strategie für Zukunftstechnologien fehlen. Der Bloomberg-Index analysiert Dutzende von Kriterien anhand von sieben gleichgewichteten Metriken, darunter Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Fertigungskapazitäten und Konzentration von börsennotierten High-Tech-Unternehmen.

Porsche muss digitaler werden

Fahrdynamik alleine reicht nicht. Porsche erhöht die Ausgaben für digitale Produkte und Dienstleistungen rund um seine Sportwagen, um mehr technikaffine Kunden anzulocken, vor allem in China. Dort seien die Kunden viel jünger als in Europa und erwarteten eine nahtlose Anbindung ihrer Mobilgeräte. Rund 900 Millionen Euro pro Jahr steckt das Unternehmen nun in die Digitalisierung und zusätzlich rund 150 Millionen in Venture-Capital-Projekte und Start-ups. Das Unternehmen könne seine Profitabilitätsziele nur erreichen, wenn es neue Technologien einsetze, um Zusatzprodukte und Dienste zu entwickeln, erklärte Finanzvorstand Lutz Meschke. Die Zuffenhausener sind wieder auf dem Beschleunigungsstreifen, unterstützt durch eine schnelle Markterholung in China und starke Nachfrage nach dem Elektrosportwagen Taycan.

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