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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Coronakrise setzt Disinflation ein Ende, Altmaier warnt vor zu schneller Lockerung, Europas Aktien geben Gewinne ab, Zweifel an von der Leyen wachsen, und Corona weckt die Liebe zum Auto. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Coronakrise setzt Disinflation ein Ende

Die Coronavirus-Krise wird laut Morgan Stanley wahrscheinlich einen 30 Jahre währenden disinflationären Trend beenden und zunehmenden Inflationsdruck herbeiführen, der über die Zentralbank-Ziele hinausschießt. Die koordinierte geld- und fiskalpolitische Lockerung erlaube es, aus der Spirale von niedrigem Wachstum und niedriger Inflation auszubrechen. Zudem habe die Krise die wirtschaftliche Ungleichheit verschärft, was zu Maßnahmen zwinge, die reflationierend wirken. Die Ansicht steht im Widerspruch zu einem wachsenden Konsens, dass Rezessionen weltweit die Disinflation eher verschlimmern werden. Für Europa wird eine schnelle Erholung meist nicht erwartet, und so wird die vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts unbeeindruckte EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Hähne wahrscheinlich weiter aufdrehen.

Altmaier warnt vor zu schneller Lockerung

Die Coronavirus-Neuinfektionen sind in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit sechs Tagen zurückgegangen, die Reproduktionszahl dagegen stieg weiter an und liegt über der Marke von 1. Bund und Länder haben vergangene Woche das bislang umfangreichste Paket an Lockerungen verabschiedet. Vorwürfe aus der Wirtschaft, dies ginge nicht weit genug, wies Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zurück und warnte vor “schweren Rückfällen beim Gesundheitsschutz”. Die Ausbreitung hat sich in Europa insgesamt verlangsamt und mehr Regierungen unternehmen vorsichtige Lockerungs-Schritte. Südkorea berichtete jedoch über ein Wiederaufflammen von Fällen in Verbindung mit Nachtclubs in Seoul, und Gesundheitsbehörden versuchen, mehr als 5500 Personen aufzuspüren, die die Bars besuchten. Die WHO macht sich auf die Suche nach den Ursachen der Virusinfektion.

Europas Aktien geben Gewinne ab

Die europäischen Aktien haben ihre früheren Gewinne am Montag wieder abgegeben. Der Stoxx Europe 600 Index sank nach einem Anstieg um bis zu 0,7% zuletzt um 0,3%, angeführt von Reisetiteln. Ölaktien gerieten unter Druck, da Brent-Rohöl fiel. Die europäischen Aktien haben sich seit den Tiefstständen im März um mehr als 20% erholt, was auf den Optimismus einer Konjunkturbelebung und das Nachlassen der Zahl der Neuinfektionen zurückzuführen ist. Die Anleger suchen nun jedoch nach neuen Gründen, um weiter zu kaufen, und betrachten die Risiken einer zweiten Infektionswelle. “Obwohl die Nachrichten weitgehend ermutigend sind, ist es noch zu früh, um zu sagen, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind”, so Mark Haefele von UBS Global Wealth Management. In Deutschland stiegen Wirecard nach Ankündigung von Managementveränderungen. LEG Immobilien legten nach Vorlage von Quartalszahlen zu. TUI profitierten von Meldungen zur Wiedereröffnung des Hotelgeschäfts.

Zweifel an von der Leyen wachsen

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den EZB-Anleihekäufen hat die Europäische Kommission am Wochenende gewarnt, dass sie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland in Betracht ziehe. “Das letzte Wort zu EU-Recht wird immer in Luxemburg gesprochen. Nirgendwo sonst”, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Sonntag mit Blick auf den im Großherzogtum ansässigen Europäischen Gerichtshof. Vielleicht bellt die Chefin ja auch nur, beißt aber nicht. Nach knapp sechs Monaten im Amt fragen sich einige Beamte, die mit von der Leyen zusammenarbeiten, ob sie ihm gewachsen ist. Brüsseler Veteranen beschreiben die Unordnung in der Organisation, ihre eigenen Kommissare äußerten sich kritisch zu ihrer Chefin, der es nicht gelungen sei, Kontrolle auszuüben, heißt es. Von der Kommissions-Pressestelle gab es zunächst keine Reaktion.

Corona weckt die Liebe zum Auto

In Frankfurt fährt Anna Pawliczek zum ersten Mal in ihrer Karriere mit dem Auto zur Arbeit, obwohl sie sich lieber im Zug entspannen würde statt im Stau zu stehen. Doch wenige Tage nach dem Ende der Abschottung in Deutschland fordert ihr im Immobiliensektor tätiges Unternehmen zurückkehrende Mitarbeiter auf, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden. Die Nachfrage nach Benzin zieht wieder an, was darauf hindeutet, dass das Auto - zumindest vorerst - ein Comeback erlebt. So startet Volkswagen denn auch eine Verkaufsinitiative zur Belebung der Nachfrage auf dem Heimatmarkt. Es werde verbesserte Leasing- und Finanzierungskonditionen geben, hieß es am Montag. Das Programm beginnt am Freitag und läuft bis zum 31. Juli. Eine schnelle Entscheidung zu Abwrackprämien wird es indes wohl nicht geben.

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