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Ex-Twitter-CEO Dorsey meditierte täglich, während er Twitter und Square leitete — ich habe es ausprobiert und war entspannter, aber weniger produktiv

·Lesedauer: 4 Min.
Jack Dorsey.
Jack Dorsey.

Jack Dorsey ist am Montag nach fast 16 Jahren an der Spitze von Twitter als CEO zurückgetreten. Dorsey bleibt CEO von Square, das zwei Tage nach seinem Rücktritt von Twitter seinen Namen zu Block änderte. Der Schritt folgte wegen des Drucks aktivistischer Investoren, die wegen Dorseys doppelter CEO-Tätigkeit behaupteten, dass seine Aufmerksamkeit und Zeit aufgeteilt waren.

Dorsey sagte, dass er den Stress, zwei Unternehmen gleichzeitig zu leiten, bewältigte, indem er einen strikten Wellness-Zeitplan einhielt. Dieser beinhaltete, acht Kilometer zur Arbeit zu laufen, zwei Stunden zu meditieren und eine Mahlzeit pro Tag zu essen. Dank dieses Lebensstils konnte er sich bei der Arbeit "über Wasser halten", sagte er. "Als ich zu Twitter zurückkehrte und den zweiten Job annahm, nahm ich die Meditation sehr ernst", sagte er bei einem Auftritt im Podcast "The Boardroom: Out of Office".

Ich konnte mich realistischerweise nicht seiner gesamten Routine widmen, also habe ich versucht, zweimal täglich 15 Minuten zu meditieren, um zu sehen, wie es sich auf mein Arbeitsleben auswirken würde.

Dorsey hat die Vipassana-Meditation praktiziert, eine uralte buddhistische Meditationstechnik, die häufig zehn Tage Stille beinhaltet. Sie wird auch als "Einsichtsmeditation" bezeichnet und beruht auf dem Prinzip der Nichtbeurteilung.

Im Gegensatz zu anderen meditativen Praktiken, die sich auf ein bestimmtes Mantra oder eine Visualisierung konzentrieren, sollt ihr bei Vipassana eure Gedanken nicht bewusst kontrollieren. Stattdessen erkennt ihr jeden abschweifenden Gedanken an und kehrt sofort zu eurem Atem zurück, um letztlich einen ruhigeren und konzentrierteren Geist zu erreichen.

Dorsey ist nicht der einzige Tech-CEO, der auf diese Technik als Geheimnis für beruflichen Erfolg schwört. Der CEO von Salesforce, Marc Benioff, war von den Vorteilen der Meditation so überzeugt, dass der Softwaregigant auf jeder Etage seines Büros in San Francisco einen Meditationsraum einrichtete.

Im Folgenden erfahrt ihr, wie sich die Meditation auf meine Arbeitsleistung ausgewirkt hat, nachdem ich mir eine Woche lang zweimal täglich 15 Minuten Zeit dafür genommen hatte.

Die besten Zeiten zum Meditieren

Ich hatte im Internet gelesen, dass die Vipassana-Meditation am besten am Morgen funktioniert, aber ich hatte Angst, dass mich das beruhigende Ritual gleich wieder in den Schlaf versetzen würde. Ich war noch nie ein Morgenmensch und bin stark auf Kaffee angewiesen, um in den Tag zu kommen.

Daher war ich wirklich überrascht, dass ich mich sofort nach dem Aufwachen durch die Meditation hellwach fühlte - ganz ohne Koffein. Obwohl ich meine Augen 15 Minuten länger geschlossen hatte als sonst, half mir die konzentrierte Atmung, den Nebel zu vertreiben, der sich normalerweise in der ersten Stunde am Schreibtisch hält.

Ähnliche Wirkungen erlebte ich, wenn ich zwischen dem Wechsel von Aufgaben meditierte, was in der Regel um die Mittagszeit geschah. Die Momente, in denen ich mich bei der Arbeit am wenigsten konzentriert fühle, sind die, in denen ich von einem Artikel zum nächsten oder vom Schreiben zum Interview übergehen muss. Das Meditieren zwischendurch schuf einen Puffer und ermöglichte es mir, mich wieder auf meine nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Ich fühlte mich weniger gestresst, aber nicht produktiver

Ich merkte zwar, dass die Meditation dazu beitrug, meine Sorgen zu verringern, aber ich stellte fest, dass es sich eher auf die Lösung von Problemen auf hohem Niveau auswirkte als auf die Erledigung kurzfristiger Aufgaben.

Normalerweise ist es eine gesunde Dosis an Stress und Adrenalin, die mich durch aktuelle Nachrichten und tägliche Abgabetermine bringt. Die Vipassana-Meditation erlaubt es einem nicht, auf die Checkliste im Kopf zu reagieren, und zwingt einen, die Dinge aus der Vogelperspektive zu sehen, was ich bei der kreativen Ideenfindung und Zielsetzung als hilfreich empfand.

15 Minuten lang ohne Ablenkung stillzusitzen war viel schwieriger, als ich dachte.

Am ersten Tag dieses Experiments dachte ich nicht, dass ich die Woche durchhalten würde. Ein Teil von Vipassana besteht darin, Empfindungen wie den Drang, zu zappeln, sich zu strecken oder sogar zu jucken, zu beobachten, aber nicht darauf zu reagieren. Fünfzehn Minuten aufrechtes Sitzen und das Anspannen meiner Körpermitte zwangen mich dazu, mir jeglicher körperlicher Beschwerden oder Schmerzen bewusst zu werden.

Aber nach den ersten fünf Minuten fühlte sich die Konzentration auf meinen Atem viel natürlicher und intuitiver an. Das Schwierigste war, mein Telefon wegzulegen, meinen Laptop zu schließen und mich selbst davon zu überzeugen, dass ich mitten am Tag 15 Minuten dafür aufbringen konnte.

Dieser Text wurde von Mascha Wolf aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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