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Der ewige Kampf der Anlagestile: Wer hat künftig die Nase vorn?

·Lesedauer: 3 Min.

Welcher Anlagestil erzielt bei der Investition in Aktien die höchste Wertentwicklung? Bei dieser Frage liegen Growth- und Value-Strategien traditionell im Wettbewerb.

Eine Vielzahl akademischer Studien belegt, dass die Betrachtung unterschiedlicher Anlagestile einen wertvollen Beitrag zur Erklärung der Kursentwicklung von Aktien leisten kann. Auf Jahresbasis waren seit 2002 jedoch immer wieder wechselnde Anlagestile bei der Wertentwicklung erfolgreich: Im Jahr 2018 hielt Minimum Volatility mit 7,2 Prozent die Spitzenposition, ein Jahr später belegte Growth den ersten Platz mit einer Wertentwicklung von fünf Prozent. Und im laufenden Jahr 2020 liegt Momentum mit mehr als 16 Prozent Wertentwicklung auf Rang eins.

Der Anlagestil Value hingegen, der seit den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts für langfristige Outperformance stand und durch Hunderte von wissenschaftlichen Studien aus der ganzen Welt bestätigt wurde, blieb in den vergangenen Jahren deutlich hinter den Erwartungen zurück. Was ist geschehen?

Höheres Wachstum treibt Gewinnentwicklung

Die Digitalisierung ist mit weltweiter Kommunikation und globalem Datenaustausch voll im Gange. Rund um den Globus zu chatten ist heute Normalität. Davon profitierten in den vergangenen Jahren und auch in der Coronakrise vor allem Technologieunternehmen mit hohem Wachstum, also Growth.

Die Gewinne von Wachstumsunternehmen sollten sich deshalb auch besser entwickeln als die von Value-Unternehmen. Langfristig bestätigen dies auch die Geschäftszahlen. Seit 1974 haben sich die Gewinne der Growth-Aktien um jährlich +4,8 Prozent erhöht, während die Gewinne der Value-Aktien nur um jährlich +3,9 Prozent zulegten.

Dieser Unterschied in der Gewinnentwicklung von nicht einmal einem Prozent im Jahr zwischen den Segmenten Growth und Value erklärt jedoch nicht den Verlauf der Out-/Underperformance zum Markt. Die folgende Grafik zeigt die relative Wertentwicklung der Anlagestile im Vergleich zum breiten Aktienindex für den europäischen Markt:

Aus der Grafik wird ersichtlich, dass die aktuelle Outperformance der Wachstumswerte in den Jahren 2007/2008 begann, davor jedoch Value über Jahrzehnte einen deutlichen Mehrwert erzielte. Über den gesamten Zeitraum hat der Value-Stil die Nase immer noch leicht vorne.

Sind die Anleger derzeit zu optimistisch?

Im Allgemeinen wird Wachstum an den Kapitalmärkten mit einem Preisaufschlag und damit höherer Bewertung belohnt. Seit 1974 zahlten Investoren für Wachstumsaktien im Mittel einen Aufschlag von 80 Prozent im Vergleich zu Value-Aktien. Auf dem Höhepunkt der New Economy-Blase im Frühjahr 2000 zahlten Anleger dann kurzzeitig extreme Aufschläge von 155 Prozent. Aktuell jedoch notiert diese Prämie im MSCI Europe sogar noch höher – auf dem Rekordwert von fast 200 Prozent!

Wie sind diese hohen Werte zu erklären? Mit Kursfantasie. In den Kursen von Wachstumsaktien steckt aktuell sehr viel Optimismus. Der Rekordwert bei den Aufschlägen ist Ausdruck der Hoffnung, dass Wachstumswerte schneller als Unternehmen im Value-Segment wachsen. Die Betonung liegt dabei auf dem Wort „Hoffnung“, denn trotz ihres Namens wachsen Wachstumswerte langfristig kaum schneller, wie die Geschäftsergebnisse seit 1974 zeigen. Deshalb ist es womöglich an der Zeit, dass sich der Anlagestil Value wieder eindrucksvoll zurückmeldet.

Bei solch extremen Bewertungsunterschieden reicht es oft aus, dass sich die langfristigen Aussichten für die Unternehmen des überlegenen Stils nur geringfügig eintrüben, um eine deutliche Korrektur oder gar eine Trendwende einzuleiten. Was könnte aktuell ein potenzieller Auslöser für eine Trendwende sein? Der Ausgang der Wahlen in den USA zum Beispiel. Die Demokratische Partei steht unter anderem für eine stärkere Regulierung des Technologiesektors, die sich negativ auf die Gewinnaussichten auswirken könnte.

Ein höheres Gewicht des Value-Stils würde aus Portfoliosicht in Europa und den Schwellenländern einen größeren Aktienanteil implizieren. Denn in diesen Weltregionen sind die traditionellen Value-Branchen, beispielsweise Industrie- oder Finanzwerte, in den Aktienmarktindizes deutlich stärker als in den USA vertreten.

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