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Europas Rekord-Outperformance geht weiter: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Der europäische Aktienmarkt tut dieser Tag etwas, das über die vergangenen zwei Jahrzehnte eher selten zu sehen war: er lässt den S&P 500 hinter sich wie Michael Schumacher die Konkurrenz zu seinen besten Zeiten.

Bereits im vergangen Quartal konnte der Stoxx Europe 600 seine größte Outperformance gegenüber den USA verzeichnen — in Dollar gerechnet um überwältigende 13 Prozentpunkte. Im noch jungen Jahr 2023 konnten hiesige Aktien erneut überzeugen und notieren bereits 2,5 Prozentpunkte besser als Wall Street und Co., wobei das Eindecken von Short-Positionen womöglich eine wichtige Rolle spielt.

Auch Analysten und Strategen, bisher eher notorisch wenig optimistisch für den alten Kontinent, sind klar zur Wende. Citigroup-Stratege Robert Buckland hat gerade sein Rating für europäische Aktien auf Übergewichten angehoben und sagt, dass die aktuellen Bewertungen bereits einen Gewinnrückgang von 15% einkalkulieren. In derselben Note senkte er auch US-Aktien auf Untergewichten, da die Gewinnerwartungen hier immer noch zu optimistisch seien.

Neben Gewinnerwartungen und einer günstigeren Bewertung europäischer Aktien leidet der US-Markt weiter unter dem, was die anhaltende Outperformance in den letzten zehn Jahren vorangetrieben hat: eine starkes Gewicht von Megacap-Tech-Aktien. Tatsächlich hat sich der S&P 500 ohne Tesla, Amazon, Apple, Alphabet, Microsoft und Meta seit dem Ende des dritten Quartals in Lokalwährungen eher auf dem Niveau des Stoxx 600 entwickelt. Der “Old-Economy-Index” Dow Jones Industrial ist sogar besser als das europäische Börsenbarometer oder der Dax gelaufen.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Goldman Sachs bereitet einen massiven Einschnitt vor: Informierten Kreisen zufolge will der Wall-Street-Titan 3.200 Mitarbeiter entlassen.

  • Die SNB erwartet einen Jahresverlust von etwa 132 Milliarden Franken, mehr als das Fünffache des bisherigen Rekords

  • Auch wenn Energiepreise nachlassen, dürfte nach Ansicht von EZB-Chefvolkswirt Lane der Preisdruck im Euroraum hoch bleiben.

  • Die Lufthansa könnte in dieser Woche laut Ansa ein Gebot für einen Minderheitsanteil am Alitalia-Nachfolger ITA Airways vorlegen.

  • Bei der BayernLB gibt es unter den vier großen deutschen Landesbanken die mit Abstand meisten Vergütungsmillionäre.

  • Die Credit Suisse hat laut einem Bericht der Londoner Times die deutsche Greensill Bank und ihren Insolvenzverwalter Michael Frege verklagt.

  • Informierten Kreisen zufolge haben weitere hochrangige Mitarbeiter im Private Banking in Hongkong dem Schweizer Geldhaus den Rücken gekehrt.

  • Bundestagsabgeordnete besuchen vom 9. bis 12. Januar Taiwan. Angesichts der Corona-Risiken rät das Auswärtige Amt von Reisen in die Volksrepublik ab.

ANALYSEN:

  • Steigende Zinsen und eine düstere Wirtschaftslage haben den weltweit größten Investmentbanken in Bezug auf Transaktionen und Mittelbeschaffung ihr schlechtestes Jahr seit 2016 beschert.

AKTIENMÄRKTE | Die Börsen in Asien tendieren zum Start der neuen Woche fest, wobei der Handel in Tokio feiertagsbedingt ruht. Mit Optimismus in Bezug auf die wirtschaftliche Wiederöffnung Chinas und Erwartungen eines langsameren Tempos bei der geldpolitischen Straffung in den USA steuert das Aktienbarometer MSCI Asia Pacific auf einen 20%-Anstieg vom Oktober-Tief zu, was einen Bullenmarkt signalisiert. Die Wall Street hatte am Freitag ihren stärksten Tag seit über einem Monat. Der S&P 500 schloss 2,3% im Plus.

RENTENMÄRKTE | Im Erholungstrend des europäischen Staatsanleihe-Markt im neuen Jahr haben Bunds vergangene Woche so stark zugelegt wie noch nie in einem Wochenzeitraum. Am Freitag sank die Rendite 10j Papiere um 10 Bp. US-Daten belegten am Freitag nachlassendes Lohnwachstum und eine schwächere Konjunktur im Dienstleistungssektor als erwartet. Dies nährte die Erwartung, dass die Fed die Bemühungen zur Inflastionserwartung nicht verstärken muss. Die EU begibt heute 0,8%-2025-Bonds über EU3 Mrd und beschafft EU2 Mrd über 0,45%-2041-Anleihen.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt beginnt die neue Woche mit deutlichen Preisaufschlägen und grenzt damit weiter den Kursrutsch ein, zudem es am Anfang des neuen Jahres kam. Das Wirtschaftswachstum Chinas wird laut einem Notenbanker aus Peking bald zu seinem normalen Pfad zurückkehren. Auch der Goldhandel tendiert freundlich angesichts von Spekulationen auf eine weniger im Falkenlager verortetet Fed.

TERMINE AM MONTAG

  • 7:25 SNB legt Eckdaten zu ihrem Jahresergebnis vor

  • 8:00 Deutsche November-Daten zur Produktion im produzierenden Gewerbe

  • 10:30 Sentix-Institut veröffentlicht seinen Konjunkturindex Deutschland Januar

  • 11:00 Euroraum-Arbeitsmarktdaten November

  • 11:30 DE Regierungs-PK

  • 18:00 In den USA spricht der Chef der Atlanta Fed Bostic (2023 nicht stimmberechtigt im FOMC)

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