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Ermittler jagen Cum-Ex-Angeklagten Paul Mora

Iwersen, Sönke Votsmeier, Volker
·Lesedauer: 3 Min.

Der Neuseeländer gilt als einer der Hauptbeschuldigten in dem mutmaßlichen Milliardenbetrug im Aktienhandel. Jetzt wird international nach ihm gefahndet.

„Steuerhinterziehung“ steht in großen Lettern auf dem Fahndungsplakat des Bundeskriminalamts. „Paul Robert MORA steht im Verdacht, entscheidend an der Entwicklung und Planung pressebekannter Cum-Ex-Geschäfte beteiligt gewesen zu sein und einen Steuerschaden im dreistelligen Millionen-Bereich verursacht zu haben. Sein Aufenthaltsort wird im Ausland vermutet.“ Dann folgt ein Foto des Gesuchten. Der Mann mit dem schütteren, zurückgekämmten Haar blickt grimmig in die Kamera.

Die Aufnahme stammt von 2016, es gibt kaum aktuelles Fotomaterial von dem 53-Jährigen. „Können Sie Hinweise zum Aufenthaltsort von Paul Robert Mora geben?“, fragen die Ermittler. Auch Europol und Interpol sind hinter Mora her und haben vergleichbare Aufrufe gestartet. Mora ist damit einer der meistgesuchten Männer Europas. Ein solcher Fahndungsaufwand ist üblicherweise Terroristen und Mitgliedern von Drogenkartellen vorbehalten.

Aber auch Cum-Ex-Handel war organisierte Kriminalität, sagen heute Ermittler. In Deutschland muss sich Mora vorwerfen lassen, einer der wichtigsten Akteure beim Griff in die Staatskasse zu sein. Im Cum-Ex-Geschäft ging es Investoren und Banken darum, Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch im Kreis zu handeln. Ziel war die doppelte Erschleichung von Steuererstattungen. Hunderte von Banken, Investoren, Steueranwälten und Wirtschaftsprüfern waren daran beteiligt. Experten schätzen den Schaden auf zwölf Milliarden Euro.

Mora war – so der Verdacht der Ermittler – eines der wichtigsten Räder im Cum-Ex-Getriebe. Die Staatsanwaltschaften Köln und München führen den Neuseeländer als Beschuldigten, in Frankfurt ist Mora bereits angeklagt. Der Verdacht lautet auf schwere Steuerhinterziehung und bandenmäßigen Betrug. Möglich ist eine Strafe bis zu zehn Jahren Haft. Der jetzige Fahndungsaufruf stammt von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.

„Die Deutschen Behörden sind fortwährend über den Aufenthaltsort von Herrn Mora informiert worden. Er ist kein „Flüchtiger“, so dass die nun getätigten öffentlichen Maßnahmen vollkommen überflüssig sind. Herr Mora lebt und arbeitet in seinem Heimatland Neuseeland“, teilten Moras Anwälte auf Nachfrage des Handelsblatts mit. In der Sache bestreite ihr Mandant energisch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

„Finanzcowboys“ bei der HVB

Eigentlich sollte Mora schon in Kürze auf der Anklagebank des Landgerichts Wiesbaden Platz nehmen. Doch der Neuseeländer meldete sich ab. Er gehe „in Übereinstimmung mit meinen Verteidigern“ davon aus, dass das Strafverfahren gegen ihn eingestellt werden müsse, schrieb Mora an das Gericht. Die Gründe habe er schon im August 2019 beschrieben. „In Ausübung meiner Rechte werde ich daher nicht an der Hauptverhandlung in Wiesbaden teilnehmen.“

Geboren 1967 in New Plymouth, begann Mora seinen Karriereritt 1991 beim japanischen Finanzriesen Sumitomo. Weitere Stationen waren die US-Bank Merrill Lynch und die Schweizer Credit Suisse First Boston. Am 1. Mai 2004 verdingte sich Mora im Londoner Büro der bayerischen Hypo-Vereinsbank (HVB). Er machte als „Head of Equity Finance“ schnell einen gewaltigen Eindruck, nicht nur wegen seiner 120 Kilo Gewicht.

„Vielen war klar, dass die Geschäfte nicht sauber waren“, sagt ein Ex-HVB-Manager. Aber der Neuseeländer sei halt einer gewesen, dem man sich nicht in den Weg stellte. Und weil Mora für die Bank prächtige Profite eintrieb, ließ man ihn und seine „Finanzcowboys“, so der Spitzname seines Teams, gewähren. So wurde Mora bei der HVB zum Millionär.

Es war ihm nicht genug. Mora witterte, dass Cum-Ex ihm noch mehr Geld bringen könnte, wenn er auf eigene Rechnung arbeitete. Er machte sich mit der Finanzfirma Ballance selbstständig, und die Geschäfte auf Kosten der Steuerzahler liefen prächtig. Heute ist Mora ein sehr reicher Mann.

In seiner Heimat Neuseeland, so ist zu hören, hat er sich ein kleines Immobilienimperium aufgebaut. Auch in der Schweiz besitzt er seit 2015 eine Jugendstilvilla. Von einem Besuch allerdings dürften ihm seine Anwälte spätestens seit heute dringend abraten.