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Erben ohne Testament: Was euch zusteht, wenn es keinen Erbvertrag gibt

Gibt es kein Testament, wird der Nachlass auf Basis der gesetzlichen Erbfolge aufgeteilt. - Copyright: getty images
Gibt es kein Testament, wird der Nachlass auf Basis der gesetzlichen Erbfolge aufgeteilt. - Copyright: getty images

Wohl kaum ein Mensch denkt gerne über das Sterben nach – erst recht nicht in der eigenen Familie. Und wenn der Ernstfall eintritt, dann gehen euch vermutlich tausend andere Dinge durch den Kopf als Bürokratie und Gesetze. Was also passiert, wenn es kein Testament gibt? Hier erfahrt ihr, wer in welcher Reihenfolge erbberechtigt ist und was ihr beim Erben ohne Testament beachten solltet.

Erben ohne Testament: So funktioniert die gesetzliche Erbfolge

Falls ein verstorbener Mensch zu Lebzeiten kein Testament (auch letztwillige Verfügung genannt) aufgesetzt hat, so greift die gesetzliche Erbfolge. Diese ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt und in verschiedene Ordnungen aufgeteilt. Personen, die den einzelnen Ordnungen angehören, sind nach Angaben des Bundesministeriums der Justiz jeweils nacheinander erbberechtigt. In der Justiz spricht man bei der Person, um deren Nachlass es geht, auch vom "Erblasser".

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  • 1. Ordnung: Zu den Erben der ersten Ordnung zählen die direkten Nachkommen der verstorbenen Person – also Kinder und Enkelkinder. Sie erben zuerst. Auch Adoptivkinder und nicht-eheliche Kinder gehören dazu, Stiefkinder allerdings nicht. Nur, wenn der Erblasser keine Nachkommen hatte oder diese bereits selber verstorben sind, so erben die Personen der zweiten Ordnung.

  • 2. Ordnung: Zur zweiten Ordnung gehören die Eltern der verstorbenen Person sowie deren Kinder – also die Geschwister des Erblassers. Auch die Kinder der Geschwister – beziehungsweise die Nichten und Neffen des Verstorbenen – gehören dazu. Falls kein Verwandter aus der zweiten Ordnung mehr leben sollte, dann geht die Erbfolge weiter an Personen der dritten Ordnung.

  • 3. Ordnung: Die dritte Ordnung umfasst die Großeltern des Erblassers sowie deren Kinder – also die Tanten und Onkel der verstorbenen Person. Es kommt allerdings eher selten vor, dass diese erben.

  • 4. und 5. Ordnung: Der Logik der anderen Ordnungen folgend, gehören die (Ur-)Urgroßeltern sowie deren Nachkommen der vierten beziehungsweise fünften Ordnung an. Sie würden erben, wenn kein Verwandter aus den vorherigen Ordnungen noch lebt.

Gut zu wissen: Bei den Erben einer Ordnung gilt das sogenannte Repräsentationsprinzip. Das bedeutet, dass der jeweils nächste noch lebende Nachkomme der verstorbenen Person zuerst erbt und seine eigenen Nachkommen damit von der Erbfolge ausschließt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn in der ersten Ordnung der Sohn des Erblassers seinen Anteil bekommt, dieser Sohn allerdings selber auch Kinder hat. Seine Kinder würden dann von ihrem Großvater nicht direkt etwas erben.

Bei der gesetzlichen Erbfolge werden die Verwandten des Erblassers in verschiedene Ordnungen unterteilt. - Copyright: picture-alliance/ dpa-infografik | dpa-infografik
Bei der gesetzlichen Erbfolge werden die Verwandten des Erblassers in verschiedene Ordnungen unterteilt. - Copyright: picture-alliance/ dpa-infografik | dpa-infografik

Für Ehepartner gilt beim Erben eine Sonderregelung

Auch, wenn der Ehepartner oder die Ehepartnerin nicht mit der verstorbenen Person verwandt ist, so steht ihm beziehungsweise ihr doch ein Teil des Erbes zu. Dies ist im Ehegattenerbrecht geregelt. Die Höhe des Erbes lässt sich hierbei allerdings nicht pauschal bestimmen, da es bei dem Erbanteil auch darauf ankommt, welche Art von Güterstand für die Ehe galt. Dafür gibt es, dem Deutschen Erbenzentrum zufolge, drei Möglichkeiten.

Wenn Ehepartner nichts Anderes – etwa durch einen Ehevertrag – vereinbart haben, dann gilt die Ehe als Zugewinngemeinschaft. In diesem Fall bekommt der überlebende Ehepartner insgesamt die Hälfte des Nachlasses. Gibt es einen Ehevertrag oder eine andere notariell beglaubigte Regelung, die dies festlegt, so gilt die Gütertrennung. In diesem Fall kann der Erbanteil des überlebenden Ehepartners – abhängig von der Anzahl der Kinder – geringer ausfallen. Bestand in der Ehe der Güterstand der Gütergemeinschaft, so fällt das Erbe ebenfalls geringer aus.

Nicht-eheliche Partner gehen ohne Testament leer aus

Falls ihr einen Partner oder eine Partnerin habt – jedoch nicht verheiratet seid – und dieser Person einen Teil eures Vermögens vererben möchtet, empfiehlt das Vermögens-Zentrum, dass ihr ein Testament aufsetzt. Denn nach der gesetzlichen Erbfolge steht unverheirateten Partnern kein Anteil des Erbes zu. Auch, wenn ihr anderen Menschen – etwa guten Freunden oder Nachbarn – etwas vererben möchtet, ist eine letztwillige Verfügung sinnvoll. Und falls ihr einem Menschen etwas ganz Bestimmtes vererben möchtet – zum Beispiel Schmuck oder ein Kunstobjekt – so solltet ihr das ebenfalls testamentarisch festhalten.

Im eher ungewöhnlichen Fall, dass es kein Testament gibt und auch keine noch lebenden gesetzlichen Erben gefunden werden können, erbt der Staat den Nachlass. Dem Deutschen Erbenzentrum zufolge geht das Erbe dann an das Bundesland, in dem die verstorbene Person ihren letzten Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort hatte.