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Der Ema-Koordinator für die Arzneimittelzulassung agiert eher im Hintergrund

Hofmann, Siegfried
·Lesedauer: 2 Min.

Der Mediziner leitet den Arzneimittelausschuss der Ema, der für die Zulassung des Covid-Impfstoffs von Astra-Zeneca votierte. Enzmann rückt dabei aber nicht ins Rampenlicht.

Harald Enzmann hat schon an vielen wichtigen Entscheidungen mitgewirkt – und rückte trotzdem nie ins Rampenlicht. Als Vorsitzender des Ausschusses für Humanarzneimittel bei der europäischen Arzneimittelagentur Ema koordiniert er an zentraler Stelle die Beratungen über neue Arzneimittel und deren Zulassung in der EU.

Formal gibt sein Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) zwar nur Empfehlungen ab, während die Zulassungen selbst von der EU-Kommission erteilt werden. De facto indessen ist es der Ausschuss, der über neue Medikamente in der EU entscheidet.

Auch am vergangenen Freitag, als die mit Spannung erwartete Entscheidung zum Covid-Impfstoff des britischen Herstellers Astra-Zeneca anstand, blieb der Vorsitzende des CHMP im Hintergrund. Enzmann überließ es seinem Stellvertreter, dem portugiesischen Pharmakologen Bruno Sepodes, das Urteil des CHMP im Call mit Pressevertretern zu erläutern.

Das Ema-Gremium sprach sich für die uneingeschränkte Zulassung des Impfstoffs für Personen ab 18 Jahren aus und sah – anders als die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut – keinen Anlass, die Anwendung des Impfstoffs auf Personen unter 65 Jahren zu begrenzen.

Dabei war es aber offenbar nicht ganz einfach, unter den rund drei Dutzend Mitgliedern des CHMP einen Konsens zu finden, wie Sepodes später andeutete. Die Beratungen dauerten einige Stunden länger als ursprünglich geplant. Bis zuletzt wurde um Details der Analyse und der Empfehlung gerungen. Das dürfte nicht zuletzt an der teilweise noch unsicheren Datenlage im Fall des Astra-Zeneca-Impfstoffs gelegen haben.

Neben den heiklen medizinischen Fragen dürfte auch die multinationale Zusammensetzung des CHMP den Vorsitz in diesem Gremium zu einem herausfordernden Job machen. Dem Ausschuss gehören Vertreter aller Zulassungsbehörden der 27 EU-Mitgliedstaaten an. Hinzu kommen einige von der Ema berufene Experten.

Harald Enzmann bringt als promovierter Mediziner profunde Expertise und viel Erfahrung für seine Funktion an der Spitze des CHMP mit. Dem Gremium selbst gehört er bereits seit mehr als 15 Jahren an, 2018 wurde er zum Vorsitzenden berufen.

Im Hauptberuf ist Enzmann Stabstellenleiter beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) in Bonn. Er studierte Medizin an der Universität Heidelberg sowie Pathologie am New York Medical College. Mehr als ein Jahrzehnt bekleidete er verschiedene Führungsfunktionen in der Pharmaforschung von Bayer, bevor er 2002 zum Bfarm wechselte.