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Weshalb einige Superreiche nicht ganz so viel leiden

Die 25 reichsten Menschen haben seit Jahresanfang 237 Milliarden Dollar Vermögen verloren. Die Superreichen eines Landes kommen dennoch sehr gut weg.

Auch die Milliardäre fahren in Zeiten der Coronakrise Verluste ein. Foto: dpa

Die Corona-Pandemie kennt sehr viele Verlierer, und einige große Gewinner. Zu letzteren zählt Eric Yuan, Gründer und Chef von Zoom Video Communications Inc. In einer Zeit, in der die Aktienkurse weltweit auf rekordverdächtige Weise einbrachen, konnte der chinesischstämmige US-Amerikaner sein Vermögen verdoppeln.

Seit Jahresanfang ist er um 3,6 Milliarden Dollar reicher geworden und ist mit nun 7,2 Milliarden Dollar Vermögen auf Rang 205 der täglich aktualisierten Rangliste der 500 Superreichen der Nachrichtenagentur Bloomberg eingestiegen. Bis dahin tauchte er nicht in der Liste auf.

Seit Dienstreisen weltweit praktisch nicht mehr stattfinden können, ist die Nachfrage nach seinem Videokonferenz-Angebot explodiert. Größter Gewinner ist jedoch der Multi-Technologieunternehmer Elon Musk (PayPal, SpaceX, Tesla), der seit Jahresanfang um 3,8 Milliarden Dollar reicher geworden ist. Er zählt nun zu den 25 reichsten Menschen der Welt.

Auch der Anführer der Reichenliste, Amazon-Chef Bezos, hat in der Krise gewonnen. Obwohl er nach einer Scheidung rund ein Viertel seines Vermögens an seine Ex-Frau abgeben musste, ist er mit 116 Milliarden Dollar – 4,5 Milliarden mehr als zu Jahresanfang – nun der einzige verbleibende Superreiche mit einem Vermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar.

Durch die Ladenschließungen und Ausgangssperren in weiten Teilen der Welt erlebt Amazon als führender Online-Händler und führende Online-Handelsplattform einen regelrechten Nachfrageboom. Wie bei allen Kapitalbesitzern dominieren jedoch auch bei den Milliardären die Verlierer.

Verluste bis zu 28 Milliarden Dollar

Microsoft-Gründer Bill Gates, der zweitreichste Mensch, verlor sein Jahresanfang 15 Milliarden Dollar und rutschte auf ein immer noch recht auskömmliches Vermögen von 95 Milliarden Dollar ab.

Größter Verlierer jedoch ist, in Milliarden gerechnet, Bernard Arnault, Chef und Großaktionär des französischen Luxuskonzerns LVMH. Er verlor seit Jahresanfang 28 Milliarden Dollar, steht mit den noch übrigen 77 Milliarden aber immer noch auf Rang drei der Bloomberg-Rangliste.

Amancio Ortega ist der Gründer des spanischen Modekonzerns Inditex, bekannt vor allem für die Zara-Textilladenkette. Ortega, der 2015 kurzzeitig reichster Mensch der Welt war, hat mit 21,6 Milliarden Dollar am zweitmeisten und prozentual am meisten verloren.

Er ist nun mit 54 Milliarden Dollar nur noch der neuntreichste Mensch. Dicht hinter ihm in der Rangliste der größten Verlierer stehen mit einem Minus von 18,8 Milliarden der Inder Mukesh Ambani, Chef des Ölkonzerns Reliance Industries, und mit 18,4 Milliarden Dollar Verlust Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der jetzt auf Platz fünf der Reichenliste steht.

In Deutschland hat die Krise erwartungsgemäß die BMW-Großaktionärin Susanne Klatten besonders kalt erwischt. Sie verlor mit 6,3 Milliarden Dollar seit Jahresanfang fast ein Drittel ihres Vermögens. Prozentual den meisten Reichtum verlor der Industrielle Georg Schaeffler, der mit umgerechnet sechs Milliarden Dollar 60 Prozent seines Vermögens einbüßte.

Dagegen kam der reichste Deutsche, Dieter Schwarz, auf Platz 34 der Bloomberg-Reichenrangliste, unter den fünf reichsten Deutschen am glimpflichsten davon. Der Eigentümer der Schwarz-Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören, verlor seit Jahresanfang ein Neuntel seines Vermögens.

Insgesamt verloren die 25 reichsten Menschen der Welt seit Jahresanfang 237 Milliarden Dollar. Das sind 15 Prozent ihres Vermögens. Mit Abstand am Besten kamen bisher die 15 US-amerikanischen Superreichen durch die Coronakrise, da sie vor allem im IT- und Technologiesektor ihr Geld verdienen lassen.

Sie erlitten einen Verlust von 12,7 Prozent, während die acht Multimilliardäre aus der übrigen Welt unter den Top 25 durchschnittlich 20,6 Prozent ihres Vermögens einbüßten. Die fünf reichsten Deutschen lagen mit einem Verlust von 17,9 Prozent dazwischen.

Zum Vergleich: Der S & P 500 Index der 500 größten US-amerikanischen Aktiengesellschaften verzeichnet seit Jahresanfang einen Verlust von 23 Prozent. Die amerikanischen Multimilliardäre, verloren also nur gut halb so viel wie der durchschnittliche Anleger am US-Aktienmarkt.

Dagegen schnitten die sonstigen Superreichen nur ein wenig besser ab als der Gesamtmarkt, gemessen am Index MSCI World und dem Deutschen Aktienindex Dax, die seit Jahresanfang jeweils rund ein Viertel ihres Wertes verloren.