Deutsche Märkte geschlossen

Was ist eigentlich aus SatoshiPay geworden?

Tobias Schmidt

Die Kryptoszene ist auch für ihre Schnelllebigkeit bekannt – neue Blockchain-Projekte sprießen wie Pilze aus dem Boden, andere Sterne am Kryptohimmel verglühen genauso schnell, wie sie aufgegangen sind. In unserer Reihe „Was ist eigentlich aus … geworden?“ wollen wir uns in regelmäßigen Abständen mit Projekten befassen, um die es in der letzten Zeit etwas ruhiger geworden ist. Dabei wollen wir ergründen, wie der aktuelle Stand aussieht und ob wir in der Zukunft eventuell wieder mehr zum Thema hören werden.

Heute wollen wir uns die Entwicklung von SatoshiPay anschauen.

SatoshiPay war eines der ersten deutschen Start-ups im Bereich Blockchain und Kryptowährungen. Bereits im Jahr 2014 gegründet, war das Berliner Start-up für eine ganze Weile der Vorreiter in der deutschen Kryptoszene – lange bevor Berlin zu einem der größten europäischen Blockchain- und Krypto-Hubs wurde. Um den Payment-Anbieter ist es auch in Deutschland inzwischen jedoch ruhiger geworden, andere Start-ups sind vorbeigezogen und prägen inzwischen die Berliner Szene. Wir fragen also: Wie ist es aktuell um SatoshiPay bestellt?

SatoshiPay: Dienstleister für Micropayments

Im Jahr 2014 gründeten Meinhard Benn, Henning Peters und Kilian Thalhammer in Berlin das Unternehmen SatoshiPay. Den Namen wählten die Drei dabei nicht zufällig: Neben dem Vornamen des legendären und mysteriösen Bitcoin-Entwicklers ist Satoshi auch die Bezeichnung für die Untereinheit des Bitcoin. Ein Satoshi entspricht einem Hundert-Millionstel Bitcoin (0,00000001 BTC) – leichter ausgedrückt: 100 Millionen Satoshi sind ein Bitcoin.

Damit drückt der Name gleichzeitig auch den Use-Case des Start-ups aus: SatoshiPay spezialisiert sich auf das Durchführen von Micropayments. In seinem ursprünglichen Ansatz ging es dem Start-up darum, journalistische Beiträge und kleine Medien zu unterstützen. Ihr Service ermöglicht es, die Bereitsteller journalistischer Inhalte, etwa Autoren, Lektoren oder Grafiker, mit Kleinstbeiträgen zu bezahlen. Dies geschah zunächst unter Nutzung der Bitcoin-Blockchain, die günstige und schnelle Direkttransaktionen erlaubt. Damit unterscheidet sich das Konzept von den klassischen Paywall-Diensten, welche für gewöhnlich für die Bezahlung geistigen Eigentums verwendet werden.

Der Schritt nach London und aufkommende Skalierungsprobleme beim Bitcoin

Mit der Zeit konnte SatoshiPay immer stärker anwachsen. Seit Ende 2014 wurden sie finanziell von Axel Springer gefördert, Mitte 2015 erreichten sie den zweiten Platz der Coinbase BitHack. Ende 2015 schließlich erwarben der britische Investor Jim Mellon und seine Investment-Firma Kuala Innovations Anteile an SatoshiPay. Insgesamt brachten sie 160.000 Euro an frischem Kapital ein. Mit neuem Sitz in London sollten neue Impulse gegeben und das Geschäft ausgeweitet werden.

Für das Jahr 2016 stand demnach viel auf dem Programm. So strebte man eine Kooperation mit VISA Europe Collab an. Ziel war es, Micropayments auch jenseits der Bitcoin-Blockchain möglich zu machen. Auch eine Partnerschaft mit IOTA, einem anderen Berliner Blockchain-Unternehmen, sollte die Unabhängigkeit vom Bitcoin-Ökosystem bringen. Die beginnende Popularität des Bitcoins als Investment-Case machte es für SatoshiPay zunehmend unwirtschaftlich, Micropayments über diese Blockchain laufen zu lassen. Entsprechend hatte das Unternehmen in den letzten beiden Jahren um seine Stellung zu kämpfen und musste sich nach Alternativen zu Bitcoin umsehen.

Neue Hoffnung Stellar: Hebt die Rakete ab?

So entschloss man sich schließlich Ende 2017 dazu, das Unternehmen mit einem Relaunch auf eine gänzlich neue Basis zu stellen. So wechselte man von der anfänglichen Ausgangsplattform Bitcoin auf die Stellar-Blockchain. Von diesem Wechsel erhofft man sich in London und Berlin gleich mehrere Dinge. An erster Stelle stehen schnellere Transaktionen, geringere Gebühren und ein – in den Worten von SatoshiPay – „sehr entwicklerfreundliches, stabiles und reifes“ Software-Ökosystem. Stellar nutzt kein Proof-of-Work und benötigt damit – im Gegensatz zu Bitcoin – deutlich weniger Energie. Das Netzwerk besticht durch extrem niedrige Gebühren (derzeit etwa 0,00003 Cent pro Vorgang) und schnelle Abrechnungen (etwa 5 Sekunden bis zur endgültigen Bestätigung).

Seit Beginn 2018 werden alle Kryptotransaktionen über das Stellar-Netzwerk abgewickelt. Zunächst nutzt SatoshiPay Stellars Währung Lumen, gemeinsam mit Partnern untersucht man derzeit jedoch auch die zukünftige Verwendung anderer, weniger volatiler Token im Stellar-Netzwerk. Darüber hinaus gab die Stellar Development Foundation den ersten 100.000 Nutzern beim Erstellen einer Wallet 500 Lumen. Durch dieses „Free Money“ für Nutzer erhofft sich SatoshiPay einen Marketingeffekt, um mit Rückenwind in den Neustart zu gehen. Das ursprüngliche Ziel hat man noch nicht aus den Augen verloren – mal sehen, ob man dem mit der Rakete wieder näher kommen wird.

BTC-ECHO

 

Source: BTC-ECHO

Der Beitrag Was ist eigentlich aus SatoshiPay geworden? erschien zuerst auf BTC-ECHO.