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"Discover ist bis in Teile der Konzernspitze ein ungeliebtes Kind": Wie der Erfolg von Lufthansas neuer Billig-Airline intern für Zoff sorgt

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Die Lufthansa kämpft mit einer sinkenden Flugnachfrage. Das neue Tochterunternehmen Eurowings Discover soll sich mit niedrigen Gehältern und einem flexiblen Arbeitsumfeld gegen die Billigflieger positionieren. Da horcht nicht nur die Konkurrenz auf. Auch intern sorgt das Projekt bereits für Zoff.

Billig-Airlines wie Ryanair und Easyjet dominieren den Markt für Kurzstreckenflüge in Europa und weiten ihren Markteinfluss aus. Discover-Chef Wolfgang Raebiger holt nun zum Gegenangriff aus. "Wir wollen es nicht nur besser machen als die Konkurrenz, sondern anders", sagte der Manager der "Wirtschaftswoche".

Das intern als Projekt "Ocean" bezeichnete Start-up setzt auf Urlaubsverkehr zu günstigen Preisen anstatt auf Premiumflüge und Geschäftsreisen wie beim Mutterkonzern Lufthansa. Doch auch Langstreckenflüge sollen für einen geringeren Preis in Zukunft von Eurowings Discover angeboten werden. Bis zum nächsten Sommer soll somit die Flotte von acht auf 21 Flugzeuge wachsen. Sobald der operative Gewinn einsetzt, womit Raebiger bereits im nächsten Jahr rechnet, könnte sich die Flugzeuganzahl bereits auf 60 erhöhen. Damit hätte das Start-up die zweitgrößte Langstreckenflotte im Konzern - nach der Lufthansa.

"Discover ist bis in Teile der Konzernspitze ein ungeliebtes Kind"

Die Idee für Eurowings Discover ist nicht neu. Seit 2015 versucht die Lufthansa, mit Eurowings das Feriengeschäft für sich zu gewinnen. Doch hohe Gehälter und bürokratische Abläufe hemmten die Airline und ließen die Preise für Flüge steigen. Bei anderen Anbietern konnten Reisende günstiger in den Urlaub fliegen. Ein Strategiewechsel musste her. Konzernchef Carsten Spohr rief das Projekt 2019 ins Leben. Trotz Pandemie und hohen Umsatzverlusten wurde an Eurowings Discover festgehalten. Ein vergleichsweise hohes Startbudget und vielversprechende Nachwuchskräfte aus dem Unternehmen sollen nun das Start-up zum Erfolg führen. Die 900 Mitarbeiter bei Eurowings Discover genießen dabei viele Freiheiten im Konzern.

Freiheiten, die jedoch ihren Preis haben. Erste Kritik kommt vor allem aus den Gewerkschaften. Bei Eurowings Discover wird nämlich meistens auf Zeitverträge gesetzt. Ein Betriebsrat fehlt ebenfalls und von Tarifverträgen ist beim Start-up auch keine Rede. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert: "Mit 1720 Euro im Monat plus 280 Euro Zulage liegt das Einstiegsgehalt bei Flugbegleitern unter Ryanair." Erste Piloten und Mitarbeiter sollen bereits wegen des geringen Gehalts gekündigt haben, heißt es.

"Wir zahlen marktfähige Gehälter, bieten Perspektive in einem Zukunftssegment und legen großen Wert auf eine identitätsstiftende Unternehmenskultur, in der sich unsere Mitarbeiter wohlfühlen", entgegnet Raebiger. Tarifverträge schließt er weiterhin aus: "Als Unternehmen im Start-up-Modus zählen für uns beim weiteren Aufbau vor allem Schnelligkeit und absolute Flexibilität. In dieser Phase helfen uns Tarifverträge nicht, unsere Ziele zu erreichen", wird er in der "Wirtschaftswoche" zitiert.

Auch Condor fühlt sich durch die Bestrebungen von Eurowings Discover angegriffen. Mit dem Start-up versuche Lufthansa den Konzern vom Markt zu drängen, so der Vorwurf. Zudem will die Lufthansa angeblich die Zubringerflüge zur Langstrecke der Condor so stark verteuern, dass die Linie nicht mehr konkurrenzfähig wäre, berichtet die "Wirtschaftswoche". Die Fluglinie hat bereits ein Verfahren beim Bundeskartellamt angestrengt.

Innerhalb des Konzerns brodelt es. "Discover ist bis in Teile der Konzernspitze ein ungeliebtes Kind", sagt ein ranghoher Lufthanseat der "Wirtschaftswoche". Sollte die Marke Erfolg haben, werden sich voraussichtlich die Arbeitsstrukturen im gesamten Konzern ändern - und das nicht zum Besseren für alle Mitarbeiter.

kh

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