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Aus diesem Grund seid ihr nach getaner geistiger Arbeit völlig erschöpft – sagt die Forschung

Warum fühlen wir uns nach kognitiv anstrengenden Tätigkeiten so erschöpft? Forschende haben eine Antwort.(Symbolbild)  - Copyright: Getty Images/ Maskot
Warum fühlen wir uns nach kognitiv anstrengenden Tätigkeiten so erschöpft? Forschende haben eine Antwort.(Symbolbild) - Copyright: Getty Images/ Maskot

Wer in der Schule oder Universität bereits einmal über einer Hausarbeit brütete oder aber wer auf der Arbeit sehr viel nachdenken muss, wird das kennen: Nach getaner Arbeit ist man oft nicht nur hungrig, sondern vor allem völlig erschöpft. Und das, obwohl man sich kaum bewegt hat. Woran aber liegt das eigentlich? Forschende haben nun herausgefunden, dass der Grund ein Überschuss von Glutamat in bestimmten Hirnarealen ist.

Warum geistige Arbeit derart anstrengt und erschöpft

Stundenlanges Lernen während der Studienzeit, knifflige Projekte auf der Arbeit oder ein anspruchsvolles Sudoku auf der Couch: All diese Tätigkeiten haben eines gemein – und zwar fordern sie euch über längere Zeit geistig. Und sie sorgen dafür, dass ihr euch danach in der Regel völlig erschöpft fühlt.

Vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass ihr nach geistig anspruchsvollen Tätigkeiten regelrecht eine Auszeit vom Denken braucht, weitere kognitive Herausforderungen meidet und eure Impulse schlechter steuern könnt. So kann man nach anstrengenden geistigen Tätigkeiten nicht nur seine Gefühle schlechter kontrollieren, sondern greift auch eher zu Süßigkeiten und Junkfood.

Dass ihr in stressigen Zeiten Heißhunger bekommt, hängt im Übrigen damit zusammen, dass euer Gehirn den Einfachzucker Glukose braucht. Dieser versorgt Neuronen mit Energie, sodass diese Impulse senden können. So zeigen Studien, dass ein hoher Glukosewert dabei hilft, sich besser zu konzentrieren. Wer sich jedoch bereits eine Weile konzentriert, bei dem sinkt der Glukosespiegel. In der Folge seid ihr unkonzentrierter und willensschwächer – und erliegt mitunter dem Heißhunger.

Ein Glucose-Mangel als Grund der Erschöpfung?

Laut einem Artikel auf „Scinexx“ ging man so auch in der Forschung lange davon aus, dass die geistige Erschöpfung aufgrund eines Glukosemangels im Gehirn entsteht. Bei intensiver kognitiver Belastung brauche das Gehirn demnach seine Energiereserven in Form von Glukose auf. Die anschließende Erschöpfung zeige einen Mangel diese Energie an und solle zu energiesparendem Verhalten aufrufen. Mathias Pessiglione vom Institut für Gehirn und Rückenmark, kurz ICM, in Paris sagt: „Die Erschöpfung ist diesen Theorien zufolge eine Art Illusion, die unser Gehirn erzeugt, damit wir mit den anstrengenden Aufgaben aufhören“.

Das Problem an dieser Theorie? Sie widerspreche der Tatsache, dass Messungen kein signifikant erhöhten Glukoseverbrauch bei geistiger Anstrengung zeigen. Zudem könne dadurch nicht erklärt werden, warum die Selbstkontrolle von diesem Energiemangel betroffen sein soll, nicht aber andere kognitive Prozesse wie beispielsweise das Sehen. Die Forscherinnen und Forscher rund um Pessiglione suchten daher nach einer anderen Erklärung – und wurden fündig.

Was im Gehirn passiert, wenn ihr euch geistig anstrengt

Dafür ließen sie 40 Probandinnen und Probanden für sechs Stunden kognitiv anspruchsvolle Aufgaben am Computerbildschirm lösen, wie Gedächtnistests oder Aufmerksamkeitsübungen. Eine Kontrollgruppe führte dagegen etwas leichtere Aufgaben aus. Zwischen den Aufgaben testeten die Forscher die Selbstkontrolle der Probanden und maßen ihre Pupillenweite, da auch diese etwas über das Ausmaß der Anstrengung anzeigen kann. Geweitete Pupillen sprechen demnach für Anstrengung. Zudem absolvierten einige Probanden einen Teil der Testdurchgänge im Gehirnscanner und ihre Konzentration von Stoffwechselprodukten und Botenstoffen im Gehirn wurde gemessen.

Das Ergebnis: Die Probanden, die sich den besonders schweren Aufgaben stellen mussten, gaben nicht nur an, sich subjektiv erschöpft zu fühlen, sondern zeigten auch eine verminderte Selbstkontrolle und ihre Pupillen zeigten ebenfalls deutlich ihre geistige Anstrengung an. Dazugesagt sei an dieser Stelle, dass auch die Gruppe mit den leichten Aufgaben angab, sich erschöpft zu fühlen. Jedoch blieben bei ihnen die gemessenen Beweise geistiger Erschöpfung aus. Das zeige, dass subjektives Empfinden allein keine Aussagekraft habe. Es zeigte sich weiter, dass bei den stark geforderten Probanden die Aktivität im präfrontalen Cortex nachließ, welcher zuständig fürs Denken, Entscheiden und für die Impulskontrolle ist.

Glutamat im Hirn als Erklärung für geistige Erschöpfung

Eine weitere Entdeckung der Forscher: Geistige Erschöpfung gehe mit einer erhöhten Anreicherung des Neurotransmitters Glutamat in den Zwischenzellräumen und Synapsen des Hirnareals einher, schreibt „Scienexx“. Glutamat ist ein wichtiger Stoff, um Nervensignale zu übermitteln und wird daher bei intensiver Aktivität der Synapsen vermehrt ausgeschüttet. Wichtig dabei zu verstehen ist, dass zu wenig Glutamat die Aktivität der Neuronen beeinträchtigt. Aber auch zu viel davon ist schlecht, da dies die Übertragung an die Synapsen störe.

Die Forscher fanden demnach heraus, dass es nicht der Mangel an Glucose ist, welcher Energielosigkeit und Erschöpfung bedingt. Zwar sei der Grund der geistigen Erschöpfung tatsächlich durch messbare Veränderungen im Hirnstoffwechsel zu erklären. Jedoch liege es vor allem daran, dass sich nach geistig anspruchsvoller Arbeit ein Überschuss an Glutamat im Gehirn ansammele, da dieses übermäßig ausgeschüttet würde.

Einfach gesagt: Konzentriert ihr euch bei einem anspruchsvollen Projekt wie einer Hausarbeit oder der Recherche für ein Projekt auf der Arbeit, sammelt sich in eurem Gehirn Glutamat. Dieser sonst so hilfreiche Stoff, der bei der Übertragung von Nervensignalen unterstützt, wird in diesem Fall aber zu viel produziert und euer Gehirn kommt nicht damit hinterher, dieses Abfallprodukt zu beseitigen.

„Die erhöhte Anstrengung durch geistige Arbeit hängt damit zusammen, dass das Gehirn versucht, die Glutamat-Konzentrationen in akzeptablen Grenzen zu halten“, so die Forscher. Dass ihr euch erschöpft fühlt, solle euch also signalisieren, dass euer Gehirn an seine Grenzen kommt und ihr besser eine Pause einlegen solltet. Eine Pause lohne sich ganz unbedingt – am besten in Form von Schlaf. Es gebe nämlich gute Belege dafür, dass Glutamat während des Schlafs aus den Synapsen entfernt wird, so Pessiglione. Bevor ihr also zur nächsten geistig anstrengenden Aufgabe schreitet, erlaubt euch vielleicht mal ein Nickerchen.

lidi