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Dieselskandal: Winterkorn soll rund zehn Millionen Euro Schadensersatz zahlen

·Lesedauer: 3 Min.
Martin Winterkorn
Martin Winterkorn

Nachdem Volkswagen bislang mehr als 32 Milliarden Euro für den Dieselskandal hat zahlen müssen, versucht der Konzern nun, sich einen Teil des Geldes wieder zurückzuholen: vom Finanzamt, von Versicherungen und von ehemaligen Top-Managern. Zahlreichen Ex-Vorständen legte VW erst kürzlich Rechnungen über den Schaden vor, den sie angerichtet beziehungsweise nicht verhindert hätten. In dem Brief an den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn schrieb VW beispielsweise eine Zahl von mehr als einer Milliarde Euro und forderte eine Entschädigung.

Die tatsächlichen Zahlungen, auf die sich nun die meisten Manager mit dem Konzern verständigt haben, sind angesichts der gewaltigen Folgen des Dieselskandals nur von symbolischem Wert. Wie aus Vertragsentwürfen hervorgeht, sollen die betroffenen Ex-Vorstände jeweils mindestens eine Million Euro an VW überweisen, um das Kapitel zu schließen. Es geht also um Summen, die den ehemaligen Top-Managern Schmerzen bereiten, aber keine Existenzen vernichten werden. Dies gilt auch für Winterkorn. Nach Informationen von Business Insider soll der ehemalige VW-Chef laut Entwurf rund zehn Millionen Euro Schadensersatz zahlen. So viel verdiente Winterkorn früher in einem Jahr – die Summe ist aber doppelt so hoch wie die fünf Millionen Euro, die der ehemalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer im Zuge der Korruptionsaffäre vor mehr als zehn Jahren bezahlen musste.

Auslöser für die Forderungen gegen Winterkorn und Co. war vor ein paar Wochen ein Gutachten der Kanzlei Gleiss Lutz, die im Auftrag des VW-Aufsichtsrats die persönliche Verantwortung für den Dieselskandal untersucht hatte. Die Juristen stellten darin fest, dass der damalige Vorstandsvorsitzende Winterkorn es in der Zeit ab dem 27. Juli 2015 unterlassen habe, die Hintergründe des Einsatzes unzulässiger Softwarefunktionen in Dieselmotoren unverzüglich und umfassend aufzuklären. Auch dem ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler und weiteren früheren Markenvorständen von VW, Audi und Porsche warfen die Gutachter Pflichtverletzungen vor.

Winterkorn beteuerte nach dem Bekanntwerden der Schadenersatzforderungen gegen ihn, sich vor dem Auffliegen der Diesel-Affäre im September 2015 korrekt verhalten zu haben. Über seine Anwälte ließ er erklären, "alles Erforderliche getan und nichts unterlassen zu haben, was dazu geführt hätte, den entstandenen Schaden zu vermeiden oder geringer zu halten". Auch die anderen betroffenen Vorstände äußerten sich in ähnlicher Weise. Nun erklären sich bis auf einen Top-Manager aber alle bereit, Schadensersatzzahlungen zu leisten. Wohl auch, um sich einen langjährigen Zivilprozess zu sparen, den VW im Vorfeld angedroht hatte.

Weitere mehr als 200 Millionen Euro soll VW von der Manager-Haftpflicht-Versicherung erhalten

Nach Informationen von Business Insider wollen VW und die ehemaligen Manager noch in dieser Woche die Vergleichsverträge unterschreiben. Die Einigung wird dem Vernehmen nach Teil eines viel größeren Deals mit dem Schweizer Versicherer Zurich. Sollte bei der Unterzeichnung der Verträge nichts mehr schiefgehen, kassiert VW aus der Haftpflicht-Versicherung für seine Top-Manager nämlich weitere 200 bis 300 Millionen Euro.

Hintergrund: Der Volkswagen-Konzern hatte für seine Top-Manager eine sogenannte D&O-Versicherung abgeschlossen, mit einer Deckungssumme von 500 Millionen Euro. Ob die Versicherung in einem Schadensfall wirklich zahlt, hängt maßgeblich davon ab, ob die jeweilige Führungskraft fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat. Bei den Vorwürfen von VW gegen Winterkorn und Co. ist daher ausdrücklich nur von Verletzungen der Sorgfaltspflicht die Rede – strafrechtlich habe sich dagegen kein Ex-Manager bei VW, Audi oder Porsche etwas zu schulden kommen lassen. Mit ihrem Einverständnis, knapp die Hälfte der Deckungssumme in Kürze auszuzahlen, scheint daher auch die Zurich Versicherung der Meinung zu sein, dass in den noch laufenden Strafverfahren gegen die Ex-Vorstände in Braunschweig und München eine Verurteilung nicht sicher ist.

Ein Sprecher des VW-Aufsichtsrats wollte die Vorgänge nicht kommentierten. Sollte der große Multi-Millionen-Deal in dieser Woche über die Bühne gehen, müssen allerdings noch bei Volkswagen Aufsichtsrat und Hauptversammlung zustimmen.

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