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Diese Logistiker wollen Gorillas & Co. dabei helfen, noch schneller zu werden

·Lesedauer: 3 Min.
Aaron Spiegelburg und Marco Prüglmeier (rechts) haben bei BMW Karriere gemacht, bevor sie Noyes Technologies gegründet haben
Aaron Spiegelburg und Marco Prüglmeier (rechts) haben bei BMW Karriere gemacht, bevor sie Noyes Technologies gegründet haben

Gorillas, Flink, Getir und bald auch Delivery Heros Foodpanda konkurrieren aktuell auf Deutschlands Straßen um die Marktherrschaft im 10-Minuten-Liefergeschäft. Daneben, weniger im Rampenlicht, entstehen neue Unternehmen, die auch von dem Hype um Quick Commerce profitieren wollen, indem sie sich Gorillas und Co. als potenzielle Kunden herausgepickt haben. Das gefällt auch den Investoren, ganz nach dem Motto: Bei einem Goldrausch lieber in Schaufeln statt in Goldgräber investieren.

Noyes Technologies ist genau solch ein Fall. Die Münchner Firma entwickelt ein automatisiertes Lagersystem, abgestimmt auf die Bedürfnisse der Quick-Commerce-Anbieter. Für seine Lösung hat das Unternehmen nun in einer Seed-Runde Millionen von bekannten Investoren eingesammelt: Umgerechnet 3,2 Millionen Euro (3,8 Millionen US-Dollar) bekommt die Firma vom Technologieinvestor Vsquared, der die Runde anführt, und von den Fonds 468 Capital und Abacon Capital. Erst Anfang dieses Jahres ist das Unternehmen gestartet, gegründet von zwei erfahrenen Logistikern: Marco Prüglmeier (49) und Aaron Spiegelburg (43) haben beide jeweils dutzende Jahre bei BMW hinter sich. Nach der Seed-Finanzierung halten beide Gründer laut Handelsregister noch insgesamt mehr als 80 Prozent an der Firma.

Das Logistik-Startup Noyes will mit seiner Technologie vor allem bei zwei Herausforderungen ansetzen, vor denen die Teams der Lieferdienste, die sich um die Lagerung und Auslieferung der Waren kümmern, in ihrer täglichen Arbeit stehen: wenig Platz und wenig Zeit. Denn die Lagerflächen der Quick-Commerce-Dienste sind meist knapp und teuer. Um ihre Lieferversprechen einzuhalten, müssen die Services eine Vielzahl dezentraler Lager in der Stadt verteilt betreiben, oftmals in Wohngebieten oder Szenekiezen, mit entsprechend hohen Mieten. Auf engem Platz gedrängt und unter Zeitdruck muss das Personal dort, die sogenannten Picker, Einkäufe zusammenpacken und den Fahrerinnen und Fahrern, den Ridern, zur Auslieferung übergeben. Bislang ein relativ analoger Prozess, mal abgesehen von der Bestellung via App.

„Vor Dezember noch nie was von Quick Commerce gehört“

Mit seinem Regalsystem, so verspricht es der Noyes-Gründer Spiegelburg, gelinge es, beliebige Ladenflächen in vollautomatisierte Warenlager umzuwandeln. Und das mit viel weniger Platz: „Wir kommen mit bis zu einem Zehntel der Fläche aus, die ein normales Lager benötigt“, sagt er. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet das Unternehmen mit sehr kleinen Modulen in den Maßen 50x70cm, die in jeden Raum passen und anbaubar sein sollen. Laut Spiegelburg gebe es auch keine Gänge, stattdessen bewege sich immer das Modul mit dem gewünschten Gegenstand nach vorne zum Picker, um eingepackt zu werden. Ähnlich wie bei einem Zauberwürfel, einem Rubik's Cube, könne man sich das vorstellen, sagt der Gründer. Wie genau die Technologie funktioniert, will er nicht verraten. Er fürchte um seinen Wettbewerbsvorteil.

Die Idee zu ihrem Regalsystem sei ihm und seinem Mitgründer Prüglmeier gekommen, als sie die vielen leeren und teuren Ladenlokale in der Münchner Innenstadt gesehen hätten, erzählt Spiegelburg. „Wir haben uns gefragt, wie man die nutzen kann.“ An die 10-Minuten-Lieferdienste hätten sie dabei zunächst gar nicht gedacht. „Vor Dezember habe ich ehrlich gesagt noch nie was von Quick Commerce gehört.“ Die ursprüngliche Idee sei es gewesen, sowohl lokalen Händlern als auch E-Commerce-Anbietern Mini-Lagerflächen in den Innenstädten zu vermieten. Erst als die Quick-Commerce-Anbieter so großes Interesse gezeigt hätten, haben sich die Gründer auf das Thema fokussiert.

Mittlerweile habe man mit fast allen Blitz-Lieferdiensten weltweit gesprochen, sagt der Gründer. Mit zwei Firmen wolle man bis Ende des Jahres Testsysteme in mehreren Ländern aufbauen. Welche Anbieter das sind, dazu wollte sich Spiegelburg nicht äußern. Nur so viel verriet er: Gorillas sei es nicht. Deren Fokus liege aktuell auf der schnellen Expansion. Ihr Regalsystem verkauft Noyes für eine Einmalgebühr, pro Warenlager ist das ein mittlerer sechsstelliger Betrag. „Berechnet man die Betriebskosten für ein typisches Warenlager im Stadtzentrum bei etwa 450.000 bis 500.000 Euro pro Jahr, dann liegt unser Preis pro Lager darunter“, so Spiegelburg.

Doch auch ihre ursprüngliche Idee, die Einzelvermietung von Boxen, wolle man weiterverfolgen, sagt er. Vielleicht sogar schon im nächsten Jahr – „die Technologie haben wir ja schon“.

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