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Diese Firmen haben im Impfstoff-Rennen aktuell die besten Chancen

Deters, Jannik
·Lesedauer: 10 Min.
Eine Zulassung durch die Behörden westlicher Staaten hat noch kein Projekt bekommen. Foto: dpa

Drei der großen Hersteller liefern ihre Corona-Impfstoffe bereits aus. Doch es dürften noch einige dazukommen, darunter eine weitere deutsche Firma.

Mehr als 85 Millionen Menschen weltweit haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Rund 1,9 Millionen sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Damit die Zahl der Toten nicht weiter steigt und die Pandemie ein Ende nimmt, arbeiten die Pharmafirmen an einer schnellen Produktion und Auslieferung des Impfstoffs. So können Ärzte und Pfleger möglichst viele Personen impfen.

Die beiden Konzerne Moderna und Astra-Zeneca sowie die Kooperation aus der deutschen Firma Biontech und dem US-Unternehmen Pfizer liefern ihre Präparate seit einigen Wochen aus. Die Logistik ist jedoch eine große Herausforderung: Einige Präparate müssen bei bis zu minus 70 Grad gekühlt werden. Einem Bericht zufolge gehen 30 Prozent auf dem Weg vom Hersteller zum Kunden wegen aufgetauter Fläschchen und gestohlener Ladungen verloren oder werden unbrauchbar.

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Hinter den drei großen Herstellern entwickeln die Wettbewerber ihre Proben unvermindert weiter. In China und Russland hatten einige Impfstoffe eine Zulassung bekommen, bevor die klinischen Studien komplett abgeschlossen waren. Doch auch sie sind inzwischen weiter. Wem der Durchbruch als Nächstes gelingen dürfte, welche Studienergebnisse bereits vorliegen und was Analysten zu den Kandidaten sagen, hat das Handelsblatt in einer Übersicht zusammengefasst.

Johnson & Johnson (J & J)

Der größte Gesundheitskonzern der Welt forscht mit seiner Pharmasparte Janssen an Corona-Impfstoffen. Janssen hat viel Erfahrung auf dem Gebiet, ist zeitlich aber etwas in Verzug.

Technologie: J & J arbeitet mit der vektorbasierten Impfstofftechnologie, die der Konzern bereits bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Ebola, das Zika-Virus und HIV eingesetzt hat. Die Besonderheit des Mittels ist, dass bereits eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll.

Studienlage: Im März 2020 fand J & J einen geeigneten Sars-CoV-2-Impfstoffkandidaten. Die Phase-3-Wirksamkeitsstudie startete der Konzern Ende September, als viertes westliches Pharmaunternehmen. Statt der angekündigten 60.000 Personen machen nur 45.000 mit. Zwischenzeitlich musste J & J die Studie wegen einer nicht weiter beschriebenen Erkrankung eines Probanden unterbrechen.

Wirksamkeit: Ergebnisse will das US-Unternehmen bis Ende Januar verkünden.

So geht es weiter: Ursprünglich sollten erste Impfstoffe für den Notfalleinsatz Anfang 2021 zur Verfügung stehen. Nun plant das Unternehmen, die Notfallzulassung in den USA im Februar einzureichen.

Produktionskapazitäten: J & J hat sich dazu verpflichtet, 2021 weltweit insgesamt eine Milliarde Dosen zur Verfügung zu stellen. Um die Kapazität sicherzustellen, kooperiert J & J unter anderem mit den US-amerikanischen Herstellern Emergent Biosolutions sowie Catalent Biologics. Eine weitere Partnerfirma stellt das Präparat in der Schweiz und den Niederlanden her.

Logistik: Auf Handelsblatt-Anfrage teilte Janssen mit, dass der Impfstoff „auf Basis der vorliegenden Stabilitätsdaten“ bei zwei bis acht Grad gelagert und zu den Kundenlagern transportiert werden könne. „Aktuell führen wir Tests durch, um dies zu validieren.“ Selbst wenn Minustemperaturen vonnöten sein sollten, sei die bestehende Infrastruktur des Unternehmens dafür gerüstet.

Preis: Auf einen kommerziellen Erfolg zielt das Unternehmen offenbar erst einmal nicht ab, denn in der Pandemiephase will es das Vakzin zum Selbstkostenpreis abgeben.

Analystenbewertung: Die überwiegende Mehrheit der Analysten empfiehlt die J & J-Aktie zum Kauf.

Novavax

Das Mittel von Novavax ist das fünfte, das in die entscheidende Testphase in den USA gelangt ist. Der Fokus liegt auf älteren Menschen aus Risikogruppen sowie Freiwilligen aus den schwarzen und hispanischen Gemeinden, in denen sich das Virus stark verbreitet hat.

Technologie: Die Firma testet einen proteinbasierten Impfstoff. Dabei wird ein im Labor gentechnisch hergestellter Virusbestandteil injiziert, was in Verbindung mit einem Verstärker die Immunreaktion auslöst.

Studienlage: In Großbritannien läuft die Phase 3 seit September 2020, in den USA nun auch. Dort sucht die Firma 30.000 Probanden.

Wirksamkeit: Noch nicht bekannt.

So geht es weiter: Verlässliche Daten wird es frühestens im Februar geben. Vorausgesetzt, die Studien fallen alle positiv aus, könnten damit bis Ende des ersten Quartals alles in allem fünf Covid-Impfstoffe in Europa in der ein oder anderen Form zugelassen sein. Die angestrebte globale Produktionskapazität für diese fünf Produkte addiert sich auf insgesamt gut acht Milliarden Dosen im Jahr 2021, wovon allerdings nur ein kleinerer Teil für die EU zur Verfügung stehen würde.

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Produktionskapazitäten: Novavax nutzt dafür verschiedene Standorte in Amerika, Europa und Indien. Durch die Kooperation mit dem indischen Auftragsfertiger Serum Institute verfügt das US-Unternehmen über Kapazitäten von bis zu zwei Milliarden Dosen.

Logistik: Den Herstellerangaben zufolge genügen Kühlschranktemperaturen.

Preis: Mehr als 400 Millionen Dosen sind bislang vorbestellt. Der Preis ist unbekannt.

Analystenbewertung: Übergewichten; das durchschnittliche Kursziel liegt bei 188,50 US-Dollar, der aktuelle Aktienkurs bei rund 113 Dollar.

Curevac

Das Unternehmen ist der zweite Kandidat aus Deutschland im Rennen um den Corona-Impfstoff. Im Sommer 2020 beteiligte sich der deutsche Staat an der Tübinger Firma.

Technologie: Curevac nutzt wie Biontech das mRNA-Verfahren. Es ist darauf ausgelegt, die Bildung von Antikörpern gegen das Virus im Körper auszulösen. Das geschieht auf Basis von Boten-Nukleinsäure (mRNA). Anders als bei gewöhnlichen Impfstoffen werden Antigene nicht aufwendig in einem Bioreaktor produziert und dann dem Menschen injiziert, sondern es wird gewissermaßen nur die Bauanleitung des Antigens verimpft.

Die mRNA übersetzt die codierte Bauanleitung auf der DNA für die Produktion eines Antigens. Nach der Impfung mit der Bauanleitung übernehmen die körpereigenen Zellen die Produktion des Antigens. Dagegen bauen die Immunzellen dann wiederum Antikörper auf, die vor dem Virus schützen. Das mRNA-Verfahren hat den Vorteil, dass es deutlich schneller ist als das herkömmliche.

Studienlage: Im Juni 2020 ging es los: Die Tübinger testeten unterschiedliche Dosierungen an 250 Probanden. Dabei beobachteten sie eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort. Die zulassungsrelevante Studie mit mehr als 35.000 Teilnehmern ist Mitte Dezember gestartet.

Wirksamkeit: Erste Ergebnisse erwartet Curevac im ersten Quartal 2021.

So geht es weiter: Curevac-Haupteigner und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp rechnet mit einer Zulassung im Frühjahr oder Sommer 2021, in eingeschränkter Form möglicherweise aber auch schon früher.

Produktionskapazitäten: Das Unternehmen produziert in Tübingen und Amsterdam und plant bisher mit einer Produktion von 300 Millionen Einheiten in diesem Jahr.

Logistik: Curevacs Angaben zufolge reicht es aus, das Vakzin im Kühlschrank zu lagern.

Preis: Die EU-Kommission hat mit Curevac die Lieferung von 225 Millionen Dosen ab Ende März 2021 vereinbart. Der Stückpreis für diese erste Tranche liegt bei zehn Euro. Optional können weitere 180 Millionen Dosen hinzukommen. Für das Unternehmen würde das insgesamt Einnahmen von 4,05 Milliarden Euro bedeuten.

Analystenbewertung: Die Analysten sind sich nicht mehr einig. Im Dezember verlor die Aktie drastisch an Wert.

Sinopharm

Der Impfstoff des staatlichen chinesischen Biotechkonzerns ist der erste, den die Behörden in China kurz vor dem Jahreswechsel offiziell zugelassen haben.

Technologie: Sinopharm arbeitet mit einem inaktivierten Virus. Dabei handelt es sich um eine gängige und alte Impfmethode, die in der Regel solide Immunreaktionen auslöst. Für vollständigen Schutz sind ebenfalls zwei Dosen notwendig.

Studienlage: Mitte Juli 2020 begann ein breit angelegter Test in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 15.000 Freiwilligen. Auch Argentinien, Peru, Marokko und Bahrain haben Phase-3-Tests mit dem Sinopharm-Kandidaten zugelassen.

In China impfte das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits vor der bedingten Zulassung eine Million Menschen. Sinopharm äußerte sich aber nicht dazu, ob es sich dabei um eines seiner Mittel handelte. Im Rahmen des Notfallprogramms in China sollen zwei Impfstoffkandidaten von Sinopharm und einer von Sinovac eingesetzt worden sein. Der chinesische Konkurrent Sinovac testet ebenfalls in verschiedenen Ländern.

Wirksamkeit: 79 Prozent.

So geht es weiter: Die Firma hat angegeben, bis zum Neujahrsfest im Februar 50 Millionen Menschen impfen zu wollen.

Produktionskapazitäten: 2021 will das Unternehmen in Peking, Wuhan und an anderen Standorten eine Milliarde Dosen produzieren. Sie halten sich bei Kühlschranktemperaturen.

Preis: Keine konkreten Angaben.

Analystenbewertung: Die Aktienexperten tendieren durchschnittlich dazu aufzustocken.

Diese Impfstoffe sind bereits (teils) in Europa und den USA zugelassen

Biontech/Pfizer

Als erste Unternehmen überhaupt haben Biontech aus Mainz und das US-Unternehmen Pfizer eine Zulassung in der EU bekommen. Mittlerweile ist der Impfstoff in mehr als 40 Ländern erlaubt.

Technologie: Das Vakzin basiert auf dem mRNA-Verfahren, muss aber extrem kalt gelagert werden.

Studienlage: Die Zulassungsstudie mit dem Impfstoff BNT162b2 begann Ende Juli 2020. Sie umfasste bis zu 44.000 Teilnehmer.

Wirksamkeit: Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, ist nach Herstellerangaben für Geimpfte 95 Prozent niedriger als ohne das Biontech-Pfizer-Präparat.

So geht es weiter: Bund und Länder wollen die Produktionskapazitäten für Impfstoffe ausbauen, so auch bei Biontech in Marburg. Dort hatte die Firma jüngst ein Werk von Novartis übernommen. Mehr als 1,3 Milliarden Einheiten will Biontech bis Ende 2021 produzieren. Da der Impfstoff stets zweimal verabreicht werden muss, würde diese Menge für gut 650 Millionen Menschen reichen.

Analystenbewertung: Die Hälfte der Analysten, die Biontech covern, befürwortet den Kauf, die andere Hälfte rät zum Halten der Aktie.

Moderna

Nach einer Notfallzulassung in den USA erhielt der Corona-Impfstoff des US-Herstellers auch die Zulassung in der Europäischen Union. Dies entschied am Mittwoch die EU-Kommission auf Empfehlung der Arzneimittelbehörde Ema.

Technologie: Der Impfstoff basiert ebenfalls auf dem mRNA-Verfahren. Manche Experten vergleichen es mit einer Art „Software des Lebens“, die Daten aus dem Speicher (DNA) abliest und damit die Applikationen (Proteine) steuert. Mit ihrer Hilfe lassen sich Zellen im Prinzip zu Pharmafabriken umfunktionieren.

Studienlage: Schon vor zehn Monaten startete Moderna eine klinische Studie der Phase 1. Ende Juli ging die entscheidende Studie mit 30.000 Teilnehmern los, die im November die Wirksamkeit bescheinigte.

Wirksamkeit: 94 Prozent, also ähnlich hoch wie bei Pfizer und Biontech.

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So geht es weiter: Für 2021 nehmen sich die US-Amerikaner die Auslieferung von bis zu einer Milliarde Einheiten vor. Als maßgeblicher Partner ist der Schweizer Lonza-Konzern als einer der führenden Auftragsfertiger im Pharmabereich mit dabei. Als eine der wenigen Firmen nannte Moderna einen konkreten Preis für das Endprodukt. Dieser liegt bei 25 bis 37 Dollar pro Dosis.

Analystenbewertung: Mehrheitlich wird ein Kauf empfohlen.

Astra-Zeneca

Der britische Pharmakonzern, der mit der Universität Oxford zusammenarbeitet, hat vor einigen Tagen eine Genehmigung in Großbritannien bekommen.

Technologie: Das Vakzin von Astra-Zeneca beruht auf einer herkömmlichen Herstellungsweise. Es handelt sich um einen Vektorimpfstoff, der auf Adenoviren von Affen basiert.

Studienlage: Zwar ist Astra-Zeneca weltweit dabei, den Impfstoff an Zehntausenden Probanden zu testen, etwa in den USA, in Japan, Russland, Südafrika, Kenia und Lateinamerika. Die wichtigste Studie basiert allerdings nur auf der Behandlung von gut 11.000 Teilnehmern in Großbritannien und Brasilien.

Wirksamkeit: Die durchschnittliche Wirksamkeit aus zwei unterschiedlichen Dosierungen beträgt 70 Prozent.

So geht es weiter: Für eine bedingte Zulassung des Impfstoffs in der Europäischen Union seien weitere Informationen zu dessen Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit nötig, erklärte die Ema zuletzt. Eine Genehmigung im Januar sei unwahrscheinlich, zunächst erwarte man weitere Daten. In den USA werde der Impfstoff, wenn alles gut laufe, voraussichtlich irgendwann im April eine Notfallzulassung erhalten, sagte Moncef Slaoui, der Leiter der „Operation Warp Speed“, die die Entwicklung um einen Impfstoff in den USA antreibt und überwacht.

Zusammen mit verschiedenen Produktionspartnern will Astra-Zeneca 2021 bis zu drei Milliarden Einheiten herstellen. Der Konzern hat bereits Lieferverträge mit verschiedenen Ländern über insgesamt mehr als eine Milliarde Dosen vereinbart.

Analystenbewertung: Übergewichten, eine Mehrheit der Anlageexperten empfiehlt den Kauf.

Mitarbeit: Siegfried Hofmann

Im Video: EU lässt Corona-Impfstoff von Moderna zu