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In diese Aktien investiert der deutsche Staatsfonds Kenfo seine 24 Milliarden Euro

Bulle setzt sich durch: In den vergangenen Jahren erzielte der Kenfo hohe Renditen.
Bulle setzt sich durch: In den vergangenen Jahren erzielte der Kenfo hohe Renditen.

Staatsfonds sind ein wichtiger Player an den Finanzmärkten. Golfstaaten wie Katar nutzen ihn unter anderem für prestigeträchtige Investitionen wie in den Fußballclub Paris Saint-Germain. Norwegen legt für seine Bürger Geld aus der Ölförderung an und in Schweden soll der Fonds "AP7" stabile Renten garantieren. Die wenigsten Menschen wissen, dass auch Deutschland einen Staatsfonds hat. Der „Atomfonds“, korrekt „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ (Kenfo), soll nach dem Atomausstieg in Deutschland die Beseitigung radioaktiven Mülls finanzieren. Der Fonds überweist dafür seine Erträge an das Bundesumweltministerium.

2017 zahlten mehrere Energieversorger insgesamt 24,1 Milliarden Euro ein, seitdem legt der Kenfo das Geld an – und das mit durchaus guten Renditen. 2020 waren es 8,3 Prozent. Business Insider hat sich das Portfolio genauer angeschaut. Der Kenfo veröffentlicht seine Zahlen immer zur Mitte des Jahres für das jeweils vorige Jahr. Daher beruht diese Aufstellung auf den Werten vom Stichtag 31. Dezember 2020.

Bei den Aktieninvestments waren die 15 größten Positionen:

  • Vonovia SE – 126 Millionen Euro

  • Taiwan Semiconductors – 123 Millionen Euro

  • Samsung Electronics – 112 Millionen Euro

  • Alibaba Group Holding – 103 Millioen Euro

  • Tencent Holdings – 89 Millionen Euro

  • Apple 81 Millionen Euro

  • Mastercard – 76 Millionen Euro

  • HDFC Bank – 74 Millionen Euro

  • Amazon – 74 Millionen Euro

  • Alphabet – 72 Millionen Euro

  • Microsoft 67 Millionen Euro

  • ProLogis Inc. – 61

  • VISA – 61 Millionen Euro

  • AIA Group – 56 Millionen Euro

  • Uber – 55 Millionen Euro

Die meisten Unternehmen aus den Top-15 sind bekannte Technologie- und Blue-Chip-Aktien. Etwas weniger bekannt sind die HDFC Bank, das größte Bankhaus Indiens, oder ProLogis, eine Investmentgesellschaft für Logistikimmobilien. Auch die AIA Group dürfte nicht jedem auf Anhieb etwas sagen. Das Unternehmen ist vor allem in Asien im Bereich Versicherungswesen und Finanzdienstleistungen aktiv. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 107 Milliarden Euro zählt AIA aber zu den Schwergewichten der Branche.

Es fällt auf, dass der Kenfo seine Investments sehr breit streut. Selbst die größte Position von Vonovia macht lediglich 0,516 Prozent des Portfolios aus. Taiwan Semiconductors ist die einzige weitere Position, die auf über ein halbes Prozent kommt (0,504 Prozent). Alle anderen Beteiligungen liegen noch darunter. Andere Staatsfonds gehen da durchaus andere Wege. Im schwedischen Altersvorsorgefonds AP7 machen die größten Positionen (Stand Dezember 2020) einen deutlich höheren Anteil aus. Apple ist mit 3,6 Prozent vertreten, Microsoft mit 2,5 Prozent, Amazon mit 2,1 Prozent und Taiwan Semiconductors mit 1,1 Prozent.

Unter den Investments finden sich auch einige besondere Titel. Der Kenfo hielt Anteile an der Adler Group, einem Immobilienunternehmen, das zuletzt wegen Unregelmäßigkeiten bei den Bilanzen in die Schlagzeilen geriet. Manche Beteiligung mutet etwas skurril an, darunter ein US-amerikanischer Blumenversand namens 1-800-Flowers, Inc. Hier hielt der Kenfo Anteile im Wert von 110.000 Euro.

Umstrittene Investments: Auch russische Papiere lagen im Portfolio

Der Kenfo hatte auch in Russland investiert. Am Öl-Konzern Lukoil hielt der Fonds Anteile in Höhe von rund 26 Millionen Euro, an der Sberbank 17 Millionen Euro, an der Moskauer Börse 13 Millionen Euro. 80 Millionen Euro waren in russischen Staatsanleihen investiert. Ein Sprecher erklärt dazu, dass diese Investments bereits vor Beginn der russischen Invasion "zu einem Großteil abgebaut" worden seien. Es gebe allerdings noch Restbestände, doch diese abzustoßen sei derzeit auch wegen der Sanktionen nicht einfach.

Neben Aktien investierte der Kenfo auch in Anleihen. Staatsanleihen machten dabei die größten Einzelpositionen im Portfolio aus, bei US-Staatsanleihen waren es 2,36 Prozent.

  • USA – 577 Millionen Euro

  • Japan – 292 Millionen Euro

  • Frankreich – 253 Millionen Euro

  • Australien – 225 Millionen Euro

  • Kanada – 215 Millionen Euro

  • Neuseeland – 197 Millionen Euro

  • Deutschland – 160 Millionen Euro

An der Investmentgesellschaft BlackRock hielt der Kenfo Fondsanteile in Höhe von 104 Millionen Euro. Zudem hatte der Kenfo zum Jahreswechsel 2020/2021 rund 6,5 Milliarden Euro in Bar auf den Konten. Grund dafür ist, dass das Geld schrittweise investiert werden soll, um sich gegen große Volatilität am Markt abzusichern.

Seitdem der Kenfo zuletzt Zahlen vorgelegt hat, gab es viel Bewegung an den Börsen. Besonders 2022 gaben die Märkte vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und steigender Inflation nach. Neue Zahlen – dann für das Jahr 2021 – legt der Kenfo Anfang Juli vor.

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