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Diese 28-jährige Freelancerin arbeitet weniger als 30 Stunden pro Woche und verdient bis zu 5600 Euro im Monat

Katie Janner schätzt an ihrem Leben, viel Freizeit zu haben. - Copyright: Katie Janner
Katie Janner schätzt an ihrem Leben, viel Freizeit zu haben. - Copyright: Katie Janner

Heute arbeitet die 28-Jährige freiberuflich als Synchronsprecherin und Podcast-Redakteurin. Laut von Business Insider überprüften Dokumenten verdiente sie im Jahr 2021 fast 48.000 Euro und ist auf dem besten Weg, dieses Jahr 50.000 bis 60.000 Euro zu verdienen. 80 Prozent ihres Einkommens erzielt sie über die Freiberuflerplattform Fiverr.

Sie wünschte zwar, sie verdiene "ein bisschen mehr Geld". Dafür aber liebt sie es, nur 15 bis 30 Stunden pro Woche zu arbeiten. Im vergangenen Sommer reiste sie für sechs Wochen nach Thailand, in die Türkei und nach Spanien, wo sie vormittags arbeitete und nachmittags ihre Freizeit genoss. Sie ging tauchen, machte Höhlenwanderungen und badete mit Elefanten.

"Ich glaube, viele Leute in meinem Alter denken: 'Ich möchte lieber weniger Geld verdienen, aber wenigstens über meine Zeit selbst bestimmen können'", sagte sie. "Ich glaube also, dass sich immer mehr junge Leute für die Freiberuflichkeit und Selbstständigkeit interessieren.

59 Millionen US-Amerikaner freiberuflich tätig

Janner ist eine von Millionen von Amerikanern, die die Flexibilität der Selbstständigkeit schätzen gelernt haben. Eine Upwork-Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass 59 Millionen Amerikaner – oder 36 Prozent der Arbeitskräfte in den USA – in den vergangenen zwölf Monaten freiberuflich tätig waren. Es könnte noch mehr werden, wenn sich die Wirtschaft abschwächt.

Sie gehört auch zu den vielen Arbeitnehmern, die ihre neu gewonnene Flexibilität genutzt haben, um nicht nur von zu Hause aus zu arbeiten – sondern von wo immer sie wollen. Damit ist sie nicht allein: Mehr als 15 Millionen Amerikaner bezeichnen sich selbst als digitale Nomaden, also Arbeitnehmer, die für mehrere Wochen oder gar Monate am Stück unterwegs sind. Diese Zahl ist seit 2020 um 42 Prozent gestiegen und hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt.

Nach dem College war sie "wirklich verwirrt"

Wie Janner dazu kam? 2017 schloss sie das College mit einem Abschluss in Theaterwissenschaften ab und fühlte sich "wirklich verwirrt", was ihren zukünftigen Karriereweg anging. Sie zog zu ihren Eltern, die sie fragten: "Wenn du irgendetwas tun könntest, was würdest du tun?"

Sie antwortete, dass sie wahrscheinlich Synchronsprecherin werden würde. Schon am College hatte sie einen Synchronsprecherkurs belegt, der ihr viel Spaß gemacht hatte.

Im November 2017 begann sie, auf Freelancer-Plattformen nach Voiceover-Arbeiten zu suchen. Die Aufgaben reichten von Sprachnachrichten für Unternehmen über interne Inhalte für eine Zahnarztpraxis bis hin zu einem Schulungsvideo für Produktionsarbeiter.

Auf der Plattform Fiverr war sie am erfolgreichsten

Den größten Erfolg verzeichnete sie auf der Plattform Fiverr, wo sie laut eigener Aussage gleich am ersten Tag einen Auftrag erhielt. Und dann "ging es Schlag auf Schlag", sagt sie.

Als sie mehr Aufträge und Fünf-Sterne-Bewertungen von ihren Kunden erhielt, begann Janner, ihre Preise von fünf über zehn auf 45 Euro zu erhöhen. Als sie 2018 nach New York City zog, war sie gezwungen, zusätzliche Jobs als Kellnerin, Babysitterin und Markenbotschafterin anzunehmen, um über die Runden zu kommen.

Sie kündigte ihren Job für die Freiberuflichkeit

Doch 2019 wurde ihr klar, dass sie mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit so viel verdiente – etwa 2600 Euro pro Monat –, dass es "keinen Sinn" ergab, weiter in ihrem Catering-Job zu arbeiten. Sie kündigte und konzentrierte sich fortan ganz auf ihre Arbeit als Sprecherin.

Als die Aufträge als Sprecherin etwas nachließen, fing sie an, Podcasts zu bearbeiten. Heute verdient sie etwa 70 Prozent ihres Einkommens mit Podcast-Kunden. Pro Folge berechnet sie rund 115 Euro.

2000 Euro pro Monat kommen über wiederkehrende Kunden

Etwa 2000 Euro verdiene sie pro Monat mit wiederkehrenden Kunden in der Podcast-Bearbeitung. Etwa 88 Prozent ihrer Kunden seien Stammkunden, sagte sie. In ihrem umsatzstärksten Monat im vergangenen Jahr machte sie mehr als 5600 Euro.

Für sie ist klar, dass ihre Arbeit einen Wert hat. "Ich möchte nicht mit Leuten arbeiten, die mir nur fünf Euro für etwas zahlen wollen", sagt sie. "Ich versuche auf meinem Profil deutlich zu machen, dass ich eine echte Person bin, die in New York City lebt. Deshalb kann ich natürlich nicht von einem Zehn-Euro-Projekt leben."

Den Nachmittag versucht sie frei zu halten

Sie sagt, dass sie normalerweise versucht, so früh wie möglich aufzuwachen, ihre Arbeit zu erledigen und "den Rest des Nachmittags zu genießen." Sie erinnert sich an einen ziemlich typischen Tag, an dem sie vier Stunden damit verbrachte, zwei Podcast-Episoden zu bearbeiten, für 125 und 110 Euro.

Während sie in New York City lebt, denkt Janner bereits darüber nach, das Leben als digitale Nomadin weiter zu erkunden. Sie hofft, zwei bis drei Monate im Jahr zu reisen. Über die Finanzierung scheint sie sich keine Sorgen zu machen. Sie sagt, dass sie mit zehn bis 15 Stunden Arbeit pro Woche während ihrer Reisen – und mit dem Untervermieten ihrer Wohnung – ihre Sommerferien finanzieren habe können.

Freiberuflichkeit hat auch Schattenseiten

Die Untervermietung sei "so einfach" gewesen, erzählt sie. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir überhaupt Interessenten haben würden, weil die Miete für die Wohnung so stark gestiegen ist. Ich habe auf Facebook gepostet und hatte ungefähr 200 Nachrichten".

Natürlich habe die Freiberuflichkeit aber auch ihre Schattenseiten, sagt Janner. "Am Anfang ist es wirklich schwierig", erinnert sie sich. "Man muss sich erst Bewertungen einholen, bis die Leute einem vertrauen, und erst dann kann man seine Preise erhöhen."

Verdienst schwankt zwischen 2700 und 5600 Euro

Selbst jetzt, wo sie Erfolg hat, kann das Ausbleiben eines konstanten Gehaltsschecks für Unruhe sorgen. Im Jahr 2021 beispielsweise schwankte ihr monatliches Einkommen zwischen 2700 und 5600 Euro. Außerdem muss sie selbst für ihre "ziemlich teure" Krankenversicherung aufkommen.

Aufgrund dieser Herausforderungen sagt Janner, dass sie über ausreichende Ersparnisse verfügt, falls die Dinge schlecht laufen. Idealerweise sollten neue Freiberufler nebenbei in Teilzeit arbeiten – "immer nur ein bisschen und beobachten, wie die Dinge wachsen" –, bevor sie sich hauptberuflich engagieren.

Janner will ihren Lebensstil beibehalten

In den ersten Tagen, sagt sie, kann es funktionieren, "so zu tun, als ob man es schafft". "Ich habe für mich als Podcast-Redakteurin geworben, bevor ich Podcasts redigiert habe, und ich habe einfach nebenbei gelernt", sagt sie. "Ich denke, man muss einfach an sich selbst glauben und diszipliniert sein, dann lernt man mit der Zeit mehr und kann sein Honorar erhöhen."

Janner möchte ihren Lebensstil in Zukunft beibehalten. Sie schätzt die Flexibilität, die ihr die Freiberuflichkeit gebracht hat. Sie sagt, sie würde nur dann eine Vollzeitstelle annehmen, wenn die Bezahlung und die Vorteile es wert wären. "Ich mag es wirklich sehr, selbstständig zu sein, die volle Kontrolle über meine Zeit zu haben und so viel zu reisen, wie ich es kann".

Dieser Artikel wurde von Luca Schallenberger aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.