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Tönnies triebt Infektionsrate; Q2-BIP soll deutlich schrumpfen

David Verbeek

(Bloomberg) -- In Deutschland ist die Ansteckungsrate mit dem neuartigen Coronavirus zuletzt deutlich gestiegen und liegt den dritten Tag über der kritischen Marke von eins, nachdem aus dem Kreis Gütersloh zunehmende Infektionszahlen gemeldet wurden. Laschet hält einen regionalen Lockdown für nicht ausgeschlossen. Und die Bundesbank sieht für dieses Quartal eine deutliche Schrumpfung des Wachstums.

Wie die deutsche Zentralbank mitteilte, dürfte das Konjunkturpaket der Bundesregierung im zweiten Vierteljahr noch keine große Wirkung entfalten. Die Bundesbank prognostiziert für Q2 eine Kontraktion um knapp zehn Prozent, nach 2,2% im ersten Quartal. Für das zweite Halbjahr erwartet sie deutlich negative Inflationsraten.

Bei dem Schlachtbetrieb der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind mittlerweile über 1331 Personen positiv getestet worden, wie der Kreis Gütersloh mitteilte. Für rund 7000 Mitarbeiter, deren Mitbewohner und Familienangehörige wurde eine Quarantäneverfügung ausgesprochen, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. “Die Dynamik, die wir erleben, sucht wirklich ihresgleichen”, sagte Bürgermeister Henning Schulz.

Die getroffenen Maßnahmen seien “der erste Teil eines Lockdowns und wir werden weitere Schritte in diesen Tagen prüfen”, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntag im Heute-Journal. “Ich kann diesen Lockdown nicht ausschließen”, erklärte er. Es sei denkbar, dass wieder weitergehende Kontaktbeschränkungen erlassen werden.

Laut Robert Koch Institut am Sonntagabend stieg die Reproduktionszahl, der sogenannte 4-Tage-R-Wert, auf 2,88. Die Zahl liegt damit den dritten Tag in Folge über dem kritischen Wert von eins. Der Sieben-Tage-R-Wert, der Schwankungen stärker ausgleicht, lag bei 2,03.

Für die hohen Zahlen sei insbesondere der Ausbruch in Nordrhein-Westfalen verantwortlich, schrieb das Institut. Weil es in Deutschland insgesamt wenige Infektionsfälle gebe, beeinflussten lokale Ausbrüche die Reproduktionszahlen relativ stark.

Das R-Maß gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt; die Zahl sollte unter 1,0 liegen, um eine exponentielle Ausbreitung zu verhindern, die das Gesundheitssystem überfordern könnte.

Nach Angaben der Johns Hopkins Universität vom Montagmorgen wurden in den zurückliegenden 24 Stunden in Deutschland 602 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland liegt weiterhin deutlich unter den Höchstwerten Ende März, als an manchen Tagen knapp 7.000 Fälle registriert wurden.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland insgesamt 191.272 Personen mit dem Virus angesteckt. Deutschland liegt damit auf dem zwölften Platz weltweit.

Laut JHU wurden in den letzten 24 Stunden keine weiteren Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion registriert. Das war zuletzt am 6. Mai der Fall. Die Gesamtzahl der Todesopfer liegt bei 8.895.

(Ergänzt um Bundesbank)

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