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Warum die Deutsche Bahn zu spät kommt – und was man dagegen tun könnte

Im Oktober hatten 36,8 Prozent der Fernverkehrszüge Verspätung (Symbolbild). - Copyright: picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski
Im Oktober hatten 36,8 Prozent der Fernverkehrszüge Verspätung (Symbolbild). - Copyright: picture alliance / Daniel Kubirski | Daniel Kubirski

Auch im Oktober dieses Jahres kämpften die Deutsche Bahn und die Reisenden mit Verspätungen. Wie das Unternehmen auf seiner Website selbst mitteilte, hatten 36,8 Prozent der Fernverkehrszüge damals mindestens sechs Minuten Verspätung. Im Regionalverkehr waren es 9,4 Prozent.

"Die sich häufenden Verspätungen bei der Deutschen Bahn haben zahlreiche Gründe", sagt Alexander Eisenkopf zu Business Insider. Er ist Professor für Wirtschafts- und Verkehrspolitik an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Störungen beträfen aber nicht nur den Personenverkehr, sondern auch den Güterverkehr. Hauptursache seien die zahlreichen Baustellen im Netz.

"Über viele Jahre ist die Bahn 'auf Verschleiß gefahren', was sich jetzt rächt. Hinzu kommen Personalknappheit und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie in Hinblick auf die Einsatzreserve des Personals", sagt Eisenkopf. Im Oktober beispielsweise teilte die Deutsche Bahn mit, dass sich Reisende in Hessen auf Verspätungen einstellen müssten. Man habe mit außergewöhnlich hohen Krankenständen zu kämpfen gehabt.

Güter und Fernzüge teilen sich teilweise das Streckennetz

Dass sich Güter- und Fernzüge teilweise dasselbe Streckennetz teilen, macht die Situation nicht besser. Das sagt auch Eisenkopf: Der sogenannte Mischbetreib auf vielen Strecken sei grundsätzlich nicht förderlich, um Verspätungen zu vermeiden. Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Züge stellten ein "eisenbahnbetriebliches Problem" dar, so der Experte. "Es fehlt häufig auch an geeigneten Überholmöglichkeiten, im Regelfall hat aber der Personenverkehr Vorrang, was aktuell allerdings mit Vorrangregelungen für Kohletransporte infrage gestellt wird."

Ein Sprecher der Deutschen Bahn teilte uns mit, dass die Pünktlichkeit der Bahn diversen Einflüssen unterliege. Externe Ursachen seien beispielsweise extreme Witterungsverhältnisse, Unfälle oder mutwillige Eingriffe in den Bahnverkehr. Erst im Oktober war es zu einer Sabotage auf die Deutsche Bahn gekommen. Zwei Täter hatten ein Funknetz der Bahn gekappt, über das Lokführer und Leitstellen miteinander kommunizierten. Der Bahnverkehr kam in Norddeutschland für mehrere Stunden zum Erliegen.

Streckennetz überlastet

"Aktuelle Verspätungen sind jedoch insbesondere auf ein hochbelastetes Schienennetz, eine erhöhte Nachfrage und Bauaktivitäten auf den Strecken zurückzuführen", so der Sprecher. Die steigende Nachfrage treffe auf ein Streckennetz, das nicht für die aktuellen Belastungen und künftiges Wachstum ausgelegt sei. Viele Gleise, Weichen, Brücken und Stellwerke seien überaltert und damit störanfällig. "Die Auslastung des Netzes liegt auf derzeit rund 3500 Streckenkilometern bei 125 Prozent", sagt der Sprecher uns.

Eine Lösung ist offenbar so bald nicht in Sicht. "Kurzfristig ist es schwierig, Abhilfe zu schaffen, da ohne eine Sanierung des Schienennetzes die mittelfristige Perspektive des Schienenverkehrs noch schwieriger aussieht", sagt Eisenkopf. Es bleibe die Optimierung des Baustellenmanagments und die Überarbeitung restriktiver Vorschriften. Verspätungen könnten laut dem ZU-Professor auch durch mehr Luft in den Fahrplänen zumindest kalkulierbarer gemacht werden.

Derweil will die Deutsche Bahn zusammen mit dem Bund und den Ländern im Laufe des Jahres 13,6 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur investieren, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung schrieb. Das seien rund 900 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Mit dem Programm wolle die Deutsche Bahn vor allem Kapazität im Schienennetz schaffen, heißt es in einer Pressemitteilung.