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Deutsche Anleihen: Kursverluste - Italien profitiert von EZB-Programm

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Notkaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Kurse deutscher Bundesanleihen am Donnerstag nicht nachhaltig gestützt. Die Anleihen südeuropäischer Staaten wie Italien legten jedoch deutlich zu.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future <DE0009652644> fiel bis zum frühen Abend um 0,19 Prozent auf 168,88 US-Dollar. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf minus 0,203 Prozent.

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie will die EZB weitere Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro erwerben. Es soll dabei nicht nur um Staatsanleihen, sondern auch um Unternehmensanleihen gehen. Mit dem Ankaufprogramm will die Europäische Zentralbank unter anderem dazu beitragen, dass es auf den Finanzmärkten infolge der Krise nicht zu weiteren Verwerfungen kommt, die die Wirtschaft zusätzlich belasten würden.

Von dem angekündigten Notkaufprogramm profitierten insbesondere italienische Papiere. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen fiel um 0,68 Prozentpunkte auf 1,73 Prozent. Am Mittwoch hatten die Anleihen noch mit rund 3 Prozent rentiert. Italien hat in der Eurozone aber immer noch die höchsten Renditen nach Griechenland. Die EZB hatte signalisiert verstärkt Anleihen bestimmter Länder zu kaufen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte zur Wochenmitte auch Finanzhilfen für das Land durch den Rettungsfonds ESM grundsätzlich für denkbar gehalten. Europa verfüge mit dem Fonds "über die nötige Kampfkraft in der Krise", sagt Scholz der Wochenzeitung "Die Zeit".

Die Rendite der generell recht schwankungsanfälligen, zehnjährigen griechischen Staatsanleihen fiel zuletzt um 1,30 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent. Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren rentierten zuletzt mit 1,60 Prozent. In der fünfjährigen Laufzeit fiel die Rendite zeitweise um 2,0 Prozentpunkte. Auch hier kam die Aussicht auf Käufe von Seiten der EZB zugute.

Das Notkaufprogramm könnte die Rentenmärkte stabilisieren, die zuletzt einen großen Ausverkauf gesehen hätten, schrieb Analyst Stefan Große von der NordLB. Für diesen Sell-Off gab es zwei Hauptgründe - Liquidität zu schaffen und außerdem die Erwartung von mehr Material aufgrund des gestiegenen Refinanzierungsbedarfs der Staaten und Unternehmen, die auf die Krise reagieren. Für beides sollte die EZB mit nun tatsächlich etwas für Beruhigung sorgen.