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Dax holt Teil der Verluste wieder auf – Bayer-Aktie auf tiefstem Stand seit 2011

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Die Meldung über die Infektion von US-Präsident Donald Trump zieht die Märkte nach unten. Der Baukonzern Hochtief gewinnt im Mdax gegen den Trend.

Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa
Im Blick der Anleger bleibt die Entwicklung der Coronavirus-Pandemie. Foto: dpa

Die Covid-Infektion des US-Präsidenten hat am Freitag das Geschehen an den Märkten bestimmt. Der Dax konnte einen Teil seiner anfänglichen Verluste wieder ausgleichen, er schloss letztlich 0,33 Prozent tiefer bei 12.689 Punkten. Zeitweise lag der Leitindex bis zu 1,5 Prozent im Minus. Der Mdax der 60 mittelgroßen Börsentitel verlor 0,4, der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 büßte 0,24 Prozent ein.

Die Meldung über Trumps Erkrankung drückte auch die Kurse an der Wall Street. Der Dow-Jones-Index notierte ein halbes Prozent tiefer, nachdem er zeitweise 1,6 Prozent verloren hatte. Hinzu kommt, dass sich die Erholung am US-Arbeitsmarkt überraschend deutlich verlangsamt. Die neuen Arbeitsmarktdaten signalisieren zwar Besserung, aber die Dynamik nimmt ab. Trotz dieser eher schwachen Vorzeichen schaffte es der Dax am Nachmittag wieder nach oben.

Klar ist: Die Infektion des US-Präsidenten wird den anstehenden Wahlkampf entscheidend beeinflussen. Trumps Testergebnis komme für den US-Präsidenten „zu einer denkbar ungünstigen Zeit“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. An den Märkten könnte es insbesondere dann turbulent werden, wenn Trump einen schweren Krankheitsverlauf durchmache. „Die ohnehin bestehenden Unsicherheiten würden dann nochmals zunehmen.“

Sollte Trump nur leicht erkranken und sich schnell erholen, könnte er auf mehr Zustimmung bei der Bevölkerung stoßen, sagte Yako Sera, Marktstratege bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank in Tokio. „Allerdings behindert die Krankheit seine Möglichkeiten im Wahlkampf, und die Zeit vor der Wahl wird knapp.“ Solange nicht klar sei, ob der nächste Präsident Trump oder Joe Biden heiße, sei es schwierig für die Märkte, sich eindeutig zu positionieren.

Der Fokus liegt damit wieder mal auf den steigenden Infektionszahlen. Diese hatten den Handel im gesamten Wochenverlauf wieder stärker belastet. Auch in Deutschland legen die Infektionen weiter zu. Nach Angaben der Johns Hopkins University vom Freitagmorgen haben sich in den zurückliegenden 24 Stunden 2626 Personen neu mit dem Coronavirus angesteckt, das ist der höchste Wert seit Ende April. Die bisherigen Höchstwerte bei den Neuinfektionen in Deutschland hatten Ende März an manchen Tagen bei knapp 7000 gelegen.

Vor der Meldung über Trumps Erkrankung hatte sich vorbörslich kein klarer Trend abgezeichnet. Damit hätte sich womöglich die Unentschlossenheit von Donnerstag fortgesetzt, in der der Dax keine klare Richtung gefunden hatte und schließlich mit leichtem Minus geschlossen hat.

Bei den Autowerten stellten sich europaweit Verluste ein. Der europäische Branchenindex verlor 0,53 Prozent. Bei den deutschen Autobauern waren die Abschläge – abgesehen von Volkswagen, deren Titel 1,7 Prozent einbüßten – überschaubar. Porsche verloren 2,2 Prozent, Ferrari ein Prozent.

Einzelwerte im Fokus

Bayer: Die Aktie des Pharmakonzerns belegt mir einem erneuten Verlust von drei Prozent das Dax-Ende. Sie fielen zwischenzeitlich auf das tiefste Niveau seit 2011. Nachdem der Konzern zusätzliche Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe angekündigt hatte, waren die Papiere bereits am Donnerstag um 13 Prozent abgerutscht. Neben den angekündigten Sparmaßnahmen lastet ein zurückhaltender Ausblick für die Landwirtschaftssparte auf dem Unternehmen.

Hochtief: Die Aktien des Baukonzerns notieren deutlich gegen den Trend. Sie stiegen um 13 Prozent auf 72,35 Euro. Zuvor hatte das Unternehmen gemeldet, dass der französische Bau- und Infrastrukturkonzern Vinci für die Industriedienstleistungssparte des spanischen Hochtief-Eigentümers ACS 5,2 Milliarden Euro in bar und in Aktien bietet. Der ACS-Vorstand sei zu Gesprächen über einen Verkauf bereit.

Grenke: Das Unternehmen ist inzwischen auch bei der Zoll-Spezialeinheit FIU in den Fokus geraten. Immerhin gab es für das Tagesgeschäft gute Nachrichten: Im vergangenen Quartal hat das Unternehmen etwas mehr Leasing-Neugeschäft verbucht als erwartet, wie Grenke am Freitag in Baden-Baden mitteilte. Der Kurs der von Betrugsvorwürfen betroffenen Leasingfirma legte 1,3 Prozent zu.

BP und Total: Am europäischen Aktienmarkt sackten die Aktien von Ölfirmen wie BP und Total ab. Sollte Trumps demokratischer Rivale Joe Biden die US-Wahl gewinnen, könnte der Iran womöglich wieder mehr Öl auf den Markt bringen, weil Biden hinter dem Atomabkommen mit dem Iran stehe, sagte SEB-Rohstoffexperte Bjarne Schieldrop. Seit Jahresauftakt haben die Aktien der Ölfirmen gut die Hälfte an Wert eingebüßt.

Rolls-Royce: Die Aktien des britischen Triebwerksherstellers fielen in der Spitze um fast acht Prozent. Zeitweise lagen sie auf dem niedrigsten Stand seit gut 17 Jahren. Die Experten von UBS kappten ihr Kursziel auf 149 von 265 Pence. Zudem zogen sich einem Zeitungsbericht zufolge einige führende Berater von der geplanten milliardenschweren Kapitalerhöhung teilweise zurück. Am Abend lag das Minus nur noch bei knapp drei Prozent.

Blick auf andere Asset-Klassen

Die Nachricht über die Ansteckung von Donald Trump sorgte bei der Weltreservewährung Dollar zunächst für Nachfrage. Dies belastete im Gegenzug den Euro. Der Effekt ließ jedoch im Verlauf des Tages nach. Der Euro notierte am frühen Abend wieder oberhalb der Marke von 1,17 US-Dollar.

Am Rohstoffmarkt gab der Ölpreis nach. Ein Barrel leichtes US-Öl verbilligte sich um bis zu vier Prozent auf 37,2 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 39,5 Dollar auch 3,5 Prozent weniger. Der Ölpreis steuert damit auf ein Wochenminus von sechs Prozent in den USA beziehungsweise sieben Prozent bei Brent zu – das ist der zweite Wochenrückgang in Folge.

Neben dem Positiv-Test des US-Präsidenten drückte auch der Stillstand in den Verhandlungen über ein weiteres Konjunkturpaket in den USA auf die Stimmung. „Öl bleibt das schwächste Glied in den Corona-Schlagzeilen, weil der positive Test Trumps zeigt, dass wirklich jeder für das Virus anfällig ist“, sagte Stephen Innes, Marktstratege beim Brokerhaus AXI.

Mit Agenturmaterial.

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