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Consulting-Experte: „Die Schere zwischen Groß und Klein wird größer“

Dietmar Fink ist Experte für Management und Beratung. Im Interview spricht er über die Trends in der Branche und die wachsende Macht der Topanbieter.

Der Consulting-Experte ist geschäftsführender Direktor der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Management und Beratung in Bonn. Foto: dpa

Herr Fink, die Beraterbranche boomt trotz der unsicheren Wirtschaftslage. Woran liegt das?
Momentan steckt die Beraterbranche in einer absoluten Sondersituation. Die Kunden suchen und brauchen weiterhin viel externen Rat, etwa bei ihrer digitalen Transformation oder beim Umgang mit den globalen handelspolitischen Spannungen. Das können sie nicht aufschieben, da kann die Konjunktur machen, was sie will.

Profitieren die Consultants auch von den Sparprogrammen in den Unternehmen?
Ja, absolut. Viele Unternehmen entwerfen jetzt Szenarien für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Sie bereiten sich vorsorglich auf das Schlimmste vor und erarbeiten schon heute Pläne für harte Kostenschnitte. Die klassischen Restrukturierungsberater reiben sich da natürlich die Hände. Denn dafür ist jetzt Geld da, weil der gesamtwirtschaftliche Krisenfall noch nicht eingetreten ist. Viele Beratungshäuser haben dies erwartet und bauen ihre Restrukturierungseinheiten aus.

All die genannten Themen müssten die Firmen mit ihren eigenen Abteilungen selbst stemmen können.
Die Fähigkeit, große, globale Projekte allein zu managen, haben viele Firmen im Zuge der Verschlankungswelle eingebüßt. Davon profitieren Berater, die schnell weltweit Kapazitäten für Projektmanagement, Fachkräfte und Expertise zur Verfügung stellen können. 

Wie verändert sich die Arbeit der Berater?
Ihr internes Operating Model hat sich komplett verändert. Sie bauen eigene Digitaleinheiten auf und bieten neue Dienste an, vom Design bis hin zum Programmieren von Apps. Denn sie müssen den Kunden viel plastischer zeigen, was möglich ist, und dafür schnelle, greifbare Prototypen entwerfen. Statt nur Konzepte abzuliefern, sind die Berater viel stärker in die Umsetzung eingebunden.

Welche Qualifikationen sind gefragt?
Früher tauchten die Berater mit einem Projektleiter, ein paar fachlichen Experten und einigen jungen Analysten bei den Kunden auf, und es waren hauptsächlich Männer. Heute sind die Teams viel heterogener, da sind Data-Scientists, Coder, Designer oder sogar Spieltheoretiker mit dabei. Die Kunden wollen das breite Spektrum solch diverser Teams.

Die Anbieter müssen dazu viel Geld investieren. Haben Topberatungen dabei Größenvorteile?
Das ist in der momentanen Situation sicherlich so. McKinsey oder BCG können Beträge investieren, die andere vor Neid erblassen lassen. Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass es für die mittelgroßen Beratungshäuser eng wird. Für sie wird es weiterhin einen profitablen Markt in vielen Nischen geben. Aber die Schere zwischen Groß und Klein wird größer, nicht nur bei den Kapazitäten, sondern auch beim intellektuellen Abstand.

Herr Fink, vielen Dank für das Interview.