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Commerzbank blickt am 150. Geburtstag kämpferisch in die Zukunft

Mit der Commerzbank ist noch lange zu rechnen, sagt Vorstandschef Zielke bei der Geburtstags-Matinee. Viele Experten und Mitarbeiter schätzen die Perspektiven weniger rosig ein.

Die Commerzbank gibt sich zu ihrem 150. Geburtstag kämpferisch. „Mit der Commerzbank ist noch lange zu rechnen“, sagte Vorstandschef Martin Zielke am Mittwoch bei den Feierlichkeiten in Frankfurt. „Wir bleiben die Bank an Ihrer Seite.“ Viele Experten und Mitarbeiter schätzen die Perspektiven für die zweitgrößte deutsche Privatbank weniger rosig ein. Sie fürchten, dass die Commerzbank auf Dauer nicht allein überleben kann.

Die „Commerz- und Disconto-Bank“ wurde am 26. Februar 1870 von Kaufleuten und Privatbankiers in Hamburg gegründet. 150 Jahre später feierte das Institut seinen Geburtstag im Rahmen einer Matinee im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens. Gekommen waren rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Reporter waren nicht geladen. Dem Handelsblatt liegen jedoch die Redemanuskripte von Scholz, Zielke, Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann sowie Uwe Tschäge vor, dem Vorsitzenden des Gesamt- und Konzernbetriebsrates.

Scholz sprach in seiner Rede laut Manuskript von einer „bemerkenswerten Entwicklung“ des Geldhauses in den vergangenen 150 Jahren. „Heute spielt die Commerzbank eine zentrale Rolle für die Mittelstands- und Exportfinanzierung und damit für die Finanzierung unserer mittelstands- und exportbasierten Wirtschaft“, sagte der Politiker. „Das wird heute und in Zukunft gebraucht.“

Bei der Commerzbank dürften diese Äußerungen gut ankommen, schließlich ist der Bund seit der staatlichen Rettung des Geldhauses in der Finanzkrise größter Aktionär. Nach seinem Amtsantritt hatte sich Scholz für größere und stärkere deutsche Banken ausgesprochen und galt als Befürworter eines Zusammenschlusses von Deutscher Bank und Commerzbank. Die Fusionsgespräche beider Institute scheiterten allerdings im April 2019.

Freude über geplatzte Fusion

Vor diesem Hintergrund sind viele Commerzbank-Mitarbeiter froh, dass es das Geldhaus heute überhaupt noch gibt. Die Freude am Erleben des Jubiläums sei bei ihm besonders groß, „sah es doch Anfang letzten Jahres so aus, als würde unsere gute alte Commerzbank wegfusioniert“, sagte Betriebsratschef Tschäge, der seit 37 Jahren für das Institut arbeitet. „So ist es – aus unserer Sicht ‚Gott sei Dank‘ – nicht gekommen, und wir hoffen, dass wir mit unserem guten Geschäftsmodell und ehrlichen Bankgeschäften noch viele Jahre und Jahrzehnte gut für unsere Privat- und Firmenkunden arbeiten dürfen.“

Zielke sagte, die Commerzbank sei ein wichtiger Finanzierer für den deutschen Mittelstand und darüber hinaus die am schnellsten wachsende Filialbank. Zudem wandle sich das Geldhaus gerade „zur führenden Mobilbank in Deutschland“.

Aufsichtsratschef Schmittmann machte deutlich, dass die Situation für die Commerzbank angesichts der Rahmenbedingungen derzeit alles andere als einfach ist. „Heute stehen wir meiner Überzeugung nach vor gleich mehreren der anspruchsvollsten Herausforderungen unserer Geschichte“. Die dauerhafte Niedrigzinsphase belaste die Erträge. Zudem stiegen die Eigenkapitalanforderungen an Banken kontinuierlich. „Hinzu kommen neue Wettbewerber aus den Bereichen Fin- und Big-Tech, die teilweise massive Vorteile genießen. Anders als Banken werden sie weniger reguliert.“

In seiner Rede ging Schmittmann auch ausführlich auf die Geschichte der Commerzbank und ihre Rolle im Nationalsozialismus ein. 1933 sei ein überwiegender Teil der Vorstandsmitglieder der NSDAP beigetreten, sagte er. „Der damalige Vorstandssprecher Reinhart und der Aufsichtsratsvorsitzende Witthoeft gehörten im November 1932 zu den Unterzeichnern der sogenannten Industrielleneingabe an den Reichspräsidenten Hindenburg, in der dieser aufgefordert war, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen.“

Bis 1938 hätten alle jüdischen Mitarbeiter die Commerzbank verlassen müssen. Zudem sei das Institut „an der Arisierung jüdischer Unternehmen“ in großem Umfang durch die Vermittlung und Finanzierung der Übernahme durch neue Geschäftsinhaber beteiligt gewesen.

„Die Mitwirkung unseres Hauses an der Verfolgung und Entrechtung der Juden erfüllt mich mit tiefer Trauer und großer Scham“, sagte Schmittmann. „Wir müssen die Erinnerung wachhalten, damit nie wieder geschieht, was damals geschah. Ich bekenne mich im Namen der Commerzbank zu dieser Verantwortung.“