Deutsche Märkte öffnen in 4 Stunden 49 Minuten

Wie sich Chinas neuer Lockdown auf deutsche Unternehmen auswirkt

Wegen der Corona-bedingten Einschränkungen hat Volkswagen die Produktion in einem chinesischen Werk vorübergehend gestoppt. - Copyright: picture alliance/dpa/HPIC
Wegen der Corona-bedingten Einschränkungen hat Volkswagen die Produktion in einem chinesischen Werk vorübergehend gestoppt. - Copyright: picture alliance/dpa/HPIC

Die Corona-Lage in China nimmt dramatische Entwicklungen an. Die Zahl der Neuinfektionen ist derzeit auf dem Höchststand seit dem Ausbruch der Pandemie vor knapp drei Jahren. Wie die „Tagesschau“ berichtet, befindet sich fast ein Drittel der chinesischen Bevölkerung im Corona-Lockdown und der Unmut über die rigiden Maßnahmen Xi Jinpings hat sich am Wochenende in einer massiven Protestwelle in mehreren Städten geäußert. Die Menschen fordern ein Ende des Lockdowns und möchten zurück zum Alltag ohne Massentests, Zwangsquarantäne und Kontaktverfolgung.

„Back to Business“ möchten eigentlich auch die Unternehmen. Doch die strikte Null-Covid-Strategie Chinas und die damit einhergehenden Bewegungsbeschränkungen sowie Betriebsschließungen bremsen die Wirtschaft massiv aus. Laut Analysten der Finanzdienstleistungsgruppe Nomura sind 20 Prozent der chinesischen Wirtschaft – gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – von den aktuellen Maßnahmen negativ betroffen. Das ist fast so viel wie zuletzt beim großen Shanghai-Lockdown im April, der demnach 21,2 Prozent der chinesischen Wirtschaft schwer belastete.

Doch unter der Ernsthaftigkeit der Lage in China leiden auch deutsche Unternehmen, die mittlerweile einen Großteil ihrer Umsätze im Reich der Mitte erwirtschaften. So etwa der Volkswagen-Konzern. Eine Volkswagen-Fabrik in Chengdu (Provinz Sichuan) musste jüngst wegen der Corona-Maßnahmen vorübergehend schließen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Dies hat auch Auswirkungen auf die Produktion in Changchun, wo zwei Produktionslinien stillstehen, da hierfür benötigte Teile fehlen.

Beim Konkurrenten BMW läuft es offenbar besser in der Fertigung in China. Ein Sprecher des Unternehmens sagte laut Reuters, dass die Produktion wie geplant verlaufe, einige Mitarbeiter aber im Homeoffice arbeiteten.

Dabei scheint der in Bayern beheimatete Autobauer aber eine Ausnahme zu sein: "China hadert weiterhin mit Lockerungen der Null-Covid-Politik. Obwohl die chinesische Zentralregierung Mitte November Vereinfachungen veranlasst hatte, beobachten wir auf lokaler Ebene teilweise sogar eine Verschärfung der Maßnahmen. Deutsche Unternehmen sind in vielen Städten massiv beeinträchtigt", sagt Maximiliam Butek, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China, auf Anfrage von Business Insider. "Manche Betriebe sind von plötzlichen Schließungen betroffen oder sie können die Produktion nicht am Laufen halten, weil die Mitarbeiter ihre Wohnungen nicht verlassen dürfen."

Besonders betroffene Unternehmen reagierten, indem sie das "Closed Loop"-Verfahren einführen, nach dem Mitarbeiter in einem geschlossenen Kreislauf in den Fabriken Unterkunft finden und so den Betrieb aufrechterhalten können, so Butek. Dies funktioniere aber nur, wenn die Zulieferer nicht von den Lockdowns betroffen seien.

Börse in China erholt sich nach Protesten

Und nicht nur der Produktion in dem asiatischen Land machen die Corona-Restriktionen zu schaffen. Auch Investitionen waren kurzzeitig betroffen. Die Sorge vor noch drastischeren Beschränkungen führte zu Beginn der Woche zu einer Flut von Aktienverkäufen (Sell-Off), wie die "Financial Times" (FT) berichtet. Im Zuge der Protestbewegung und der öffentlichen Forderung nach zügigen Lockerungen macht sich unter Anlegern jedoch wieder Hoffnung breit. Diese wurde durch die Ankündigung des chinesischen Gesundheitsamtes, über Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus zu diskutieren, zusätzlich gestärkt.

Die Zahl der Aktienkäufe ist demnach wieder gestiegen. Der CSI 300 Index, der die Kursentwicklung der Börsen von Shanghai und Shenzhen abbildet, stieg dem "FT"-Bericht zufolge um 2,8 Prozent und der Hang Seng China Enterprises Index, der die Kurse der Aktien an der Hongkonger Börse abbildet, legte um 4,8 Prozent zu.